an den Kragen . Der Chalif verstand keinen Spaß - er ließ gleich den Henker holen - seinen dicken Henker , der immer stolz in roter Seide durch die Paläste der Chalifenburg wandelte und mit rollenden Augen um sich schaute . Der Chalif sagte in letzter Zeit nicht mehr , warum er Jemanden köpfen ließ . Er ließ nur seine sämtlichen Hofleute zusammentreten , deutete mit dem linken kleinen Finger auf den , dessen Haupt ihm am besten gefiel - und danach konnten die Andern abtreten . Die Henkersknechte banden den Auserwählten mit festen Stricken , drückten ihn auf einem Lederkissen auf die Kniee , der dicke Henker in der roten Seide holte weit mit seinem krummen Säbel aus - und ein blutiger Kopf rollte über den Teppich ... Nach diesem Schauspiel ging der Chalif ganz beruhigt wieder schlafen . Aber diese nächtlichen geheimen Schauspiele , bei denen eigentlich nur der verrückte Chalif unbeteiligter Zuschauer war , wirkten doch auf die Hofbeamten sehr aufregend . Und die Aufregung der Hofleute übertrug sich bald auf die ganze Stadt . Man veranlaßte den Chalifen , alle möglichen neuen Gesetze zu erlassen , um seine Aufmerksamkeit von seiner nächsten Umgebung abzulenken . Es konnte ja wirklich garnicht mehr ein Vergnügen genannt werden , ein Diener am Hofe des allmächtigen Chalifen Mutadid zu sein . Bagdads Chalifenburg war damals die gefährlichste Gegend von ganz Bagdad . Wohl dem , der da nichts zu tun hatte . Diese Zustände in der Chalifenburg und ihr Einfluß auf den Bund der lauteren Brüder bildeten den Mittelpunkt des Gesprächs in Saids Garten . Man trank langsamer . Die Sängerinnen und Köchinnen wurden vernachlässigt und dadurch auch gereizt . Safur , der sonst so vorzüglich zu vergessen versteht , kann heute seine Magenschmerzen nicht vergessen . Said vergißt den Dicken die Sängerinnen nicht , die obendrein noch sehr anmaßlich tun und die ganze Gesellschaft wahrlich nicht für die geistige Krone Bagdads halten . Der junge Hamadany erzählt nun noch von dem schlechten Eindruck , den die lauteren Brüder auf die Tofailys machen . Und das schlägt dem Faß den Boden aus . Abu Hischam kriegt einen Hustenanfall - so laut hat er gleich auf die Tofailys geschimpft . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Das ist ein so recht mißglücktes Fest . Stimmung kommt überhaupt nicht mehr auf . Und doch duften die Rosen so wunderbar . Und die Riesenveilchen duften noch mehr . Und der Wein ist so vortrefflich . Das hilft aber alles nichts . Der Chalif wird immer verrückter . Und selbst den Reichsten kann es schlimm ergehen . Mutadids Henker spaßt nicht . Die lauteren Brüder werden betrunken , sie küssen die Sängerinnen und machen dadurch die drei Köchinnen eifersüchtig . Was ist der Schluß ? Die Weiber fangen an , sich zu prügeln . Man kann sie kaum trennen . Die Sklaven müssen die Sängerinnen mit Gewalt zurücktreiben . Die drei Köchinnen sind in größter Gefahr gewesen . Die Sailóndula hat eine breite Kratzwunde über der Stirn . Der Abla hat man das hellblaue Beinkleid ganz mit Wein begossen . Und der Tarub blutet der ganze Kopf . Das ist ein sehr erquickendes Morgenfest ! Die beiden Dicken können lachen . Alle haben sich gründlich geärgert . In den grellsten Mißtönen schließt das Fest . Man geht in der denkbar schlechtesten Stimmung auseinander . Fünfzehntes Kapitel Nach einigen Tagen ist wieder alles anders . Plötzlich ist wieder zu viel Stimmung in der Gesellschaft der lauteren Brüder . Die meisten Brüder wollen Bagdad verlassen - da man sich in der Nähe der Chalifenburg nicht mehr sicher fühlt . Es liegt auf einmal sehr viel Reisefieber in der Luft . Auf dem Karawanenplatz geht es ungemein lebhaft zu . Dort ist jetzt der eigentliche Mittelpunkt von Bagdad . Vor Osmans Bücherbuden , die sich auf der nördlichen Seite des Karawanenplatzes befinden , stehen fast immer Neugierige , die was von den Büchern der lauteren Brüder sehen - und auch kaufen möchten . Osman macht vortreffliche Geschäfte . Kodamas Buch » Über die Kugelgestalt der Erde « wird sehr viel gekauft . Auch Abu Hischams » Zweifler « findet einige Käufer . Jakubys » Buch der Länder « findet viele Leser , wird aber seltener gekauft , das zu umfangreich und demnach zu teuer ist . Die Gebildeten Bagdads - namentlich die Koranstudenten - - sprechen mit großer Hochachtung von dem Bunde der lauteren Brüder , obschon die Tofailys ihr Mögliches tun , dem Bunde zu schaden . Der nichtswürdige AI Rumy hat bereits eine Schmähschrift über die lauteren Brüder geschrieben , in der diesen die ekelhaftesten Geschichten nachgeredet werden . In einzelnen Weinkneipen , in denen die Tofailys das große Wort führen , erregte die Schmähschrift großes Aufsehen . Gerüchte über eine bevorstehende Verfolgung der Brüder trugen aber dazu bei , daß man von dem neuen Gelehrtenbunde mit viel mehr Achtung sprach , als den Tofailys lieb sein konnte , die natürlich nur giftig waren , weil sie nicht an der Spitze des Unternehmens standen . Buchtury hatte daher auch den Versuch gemacht , einen » Bund der treuen Männer « zu gründen . Doch von diesem Bunde hörte nach seiner Gründung kein Mensch wieder was . Osman zeigte ein sehr vergnügtes Gesicht . Alles ging ihm nach Wunsch . Er stand sehr bald an der Spitze des Bundes der lauteren Brüder , und das kam vornehmlich seinem dicken Freunde Kodama zu Gute , der täglich berühmter wurde und eine große Gespreiztheit in seinem Wesen zur Schau trug . Osman wohnte in der Nähe der Chalifenburg in einem alten , sehr gut eingerichteten Hause . An einem sehr heißen Morgen steht der dicke Schreiber zu Hause zwischen Kisten und Kasten , die mit allerhand Arten Papier gefüllt sind und spricht lebhaft mit zwei Chinesen . Die Chinesen in fein mit Blumen gemusterten , braunroten Seidengewändern zeigen dem