Diese entsetzliche Blechmusik da hinter uns ! ... Wie die Leute doch so vergnügt sein können und so geschäftig-eilig ! Bitte , laß uns etwas rascher gehen ! - Wozu denn dieser Lärm , diese fürchterliche Eile in der Welt ? Wie wird er darin zurechtkommen ? Er hat das ja leider von mir , daß er es mit nichts , wie andere Leute , eilig hat und sich Zeit zu allem nimmt und gern allein für sich sitzt , wie seine törichte alte Mutter . O bitte , sage es auch deinen Eltern , bitte sie , daß sie mich fürs erste wenigstens allein für mich lassen , bis ich mich wenigstens etwas wieder in mir zur Ruhe gefunden habe . Mein Gott , sind wir Mütter schuld daran , wenn wir unsern Kindern unser Bestes mit auf den Weg geben und sie elend dadurch machen ? Wenn wir uns getäuscht hätten ! Es wäre zu trostlos , wenn er seinen Willen durchsetzte und den meinigen mit und es doch nichts weiter als ein Märchengespinst , ein höhnisch-hübsches Schattenspiel an der Wand wäre ! Wenn er mir das Kind heimbrächte und es doch seine Lebensbedingungen drüben hätte ! Komm rasch - rasch nach Hause , bester Junge : der Strauß pflegt seinen Kopf in den Sand zu stecken , und die alte Doktern Andres steckt ihren in den Vogelsang . Aber bitte , halte mir für die nächste Zeit deinen lieben , guten Vater vom Leibe ! Ist das nicht der Nachbar Hartleben , der sich dort in seinem Rollstuhl in die warme Sommerluft fahren läßt ? ... Jawohl , Nachbar , er läßt Sie vor allen anderen noch einmal herzlich grüßen , und Sie tun mir einen Gefallen , wenn Sie sich heute abend noch auf ein Stündchen zu mir herüberschieben lassen , daß wir noch ein wenig über ihn zusammen schwatzen können . Wir zwei müssen jetzt mehr denn je treulich und fest zusammenhalten , Herr Nachbar . « » Jawohl , Frau Nachbarin ! Zumal da ich heute mein Grundstück meiner kümmerlichen Gesundheitsumstände wegen abgegeben habe , bis auf das Haus und den Morgen Gartenland dabei , um doch wenigstens noch ein bißchen was Grünes vom Fenster aus im Auge zu haben . Das wird eine großartige Konservenfabrik grade Ihnen gegenüber , Frau Doktern . Jaja , die Welt verändert sich um einen her , ohne daß man es eigentlich merkt , wie das ja auch in der Bibel steht . Hat mir recht leid getan , Frau Nachbarin , daß ich unsern Herrn Velten nicht mit nach dem Bahnhofe bringen konnte , zumal wie diesmal vielleicht auf Nimmerwiedersehn , denn davon hilft uns niemand , Frau Doktern , die Jüngsten sind wir Alten hier im Vogelsang nicht mehr , und was einem drüben über dem großen Wasser alles passieren kann , davon liest man ja tagtäglich das Menschenmöglichste von Glück und Unglück in der Zeitung . Na , ist der Lump - nichts für ungut , liebe Frau - dorten ein allmächtiges Tier und unzähliger Millionär geworden , so wird ' s unser junger Herr ja auch wohl machen ; und wenn der mal , und vielleicht gar noch dazu mit einer jungen Frau , heimkommt , denn stellt sich das , was vom Vogelsang noch vorhanden ist , sicherlich auf die Zehen und bringt ihm ein musikalisches Hoch , dreimal doller als wie das , womit sie da eben wieder mal vom Bahnhofe in die Berge ziehen . Aber wie es ausfallen mag , dabei bleibt ' s , Frau Nachbarin , wie sie uns auch den Vogelsang verbauen mögen : die Aussicht zwischen uns aufeinander sollen sie uns nicht verbauen . Er hat auch mir versprochen , mal an mich zu schreiben , mein ewiger Sappermenter , unser Tausendsassa ! Ich habe ihn so manches Mal auf den Trab bringen müssen und sein Mädchen , ich meine die kleine Himmelskröte aus meiner Erkerwohnung , mit , und zwar nicht immer mit den lieblichsten und höflichsten Worten . Aber winken Sie mir nur mit einem Briefe von ihm , Frau Doktern , ich lasse mich ranrollen mit meinen jetzigen verdammten gichtbrüchigen Knochen und heule mit Ihnen oder reibe mir die Hände mit Ihnen , wie ' s ihm beliebt und er sich sein Leben bei den Antipopoden einrichtet . Daß da wieder eine Kuriosität herauskommt , das steht mir baumfest . Diese Gewißheit ist mir doch natürlich aus meiner Bekanntschaft und Freundschaft mit ihm herausgewachsen wie je ein Stamm da oben in meinem Waldeigentum , und da kann ich mich wirklich schon jetzt vor dieser neuen Fahrt im Geäst mit meinen Gedanken verklettern und mir die Frage stellen : was wird das unsinnige Menschenkind nun jetzt wieder anstellen ? Na , na , liebste , beste Frau Nachbarin , jetzt machen Sie mir kein böses Gesichte ! Den Trost haben wir doch jedenfalls aus tausendfältiger Erfahrung : neun Leben hat ihm ja auch die Mutter Natur mitgegeben . Sie mögen ihn alle besser kennen als ich ; aber wenn ihn einer ganz genau kennt , so ist das der alte Hartleben , denn wie oft bin ich hinter dem Burschen her gewesen , mit der hellen Wut über ihn , dem ersten besten Knüppel und Holzscheit oder mit beiden Händen vor dem Bauche , um mir mein Pläsiervergnügen an ihm zusammenzuhalten und es den Spitzbuben nicht zu sehr merken zu lassen . Jawohl ist dem keine Mauer , hinter der es für ihn in allen fünf Weltteilen was zu holen gibt , zu hoch . Und was die Mauern anbetrifft , durch die man auf Erden vor Verdruß mit dem Kopfe rennen möchte , na , die rennt er eben ein oder weiß auch ' nen Weg um sie herum zu finden , wovon ich ebenfalls hier im Vogelsang und auf meinem seligen Grundstücke die allermöglichsten Erfahrungen habe . Also machen Sie sich nur nicht zu viele Sorgen um ihn , Frau Nachbarin .