darauf , daß sie etwas sagen solle , denn , daß sie ohne bestimmten Zweck hierher gekommen sei , wurde nicht angenommen . Das Mädchen hatte die ganze Zeit über die linke Hand unter der Schürze gehalten . Sie hatte dort Gustavs Brief , den sie vorlegen wollte , falls man ihr nicht glauben sollte . Schließlich mußte sie sich entschließen , zu sprechen . Sie begann mit gedämpfter Stimme , ohne jemanden dabei anzusehen : » Ich komme , und ich soll och einen schönen Gruß ausrichten von Gustaven an euch alle . « Die Einleitung wurde mit Kühle aufgenommen von den anderen Frauen . » Und er würde och bald nach Hause kommen , « fuhr Pauline fort . » Uf de Kirmeß ! Wenn se ' n Urlaub gähn ! « meinte die Bäuerin . » Ne , ne ! Er wird ganz nach Halbenau kommen . « » Gustav ! derhemde ? « » Er schreibt mir ' s dohie ! « Damit zog sie die Hand unter der Schürze vor und hielt triumphierend den Brief in die Höhe . » Er hat mer ' s geschrieben . « » Dos wäre . Gustav vun Suldaten wag ! « » Er hat sich zu sehre ärgern missen mit seinem Wachtmeister . Er will nischt nich mehr wissen vom Soldatenleben . Nach ' n Manöver will ' r nach Halbenau kommen . « Die Nachricht verfehlte ihre Wirkung nicht . Die Bäuerin vergaß auf einmal ganz , daß Pauline eigentlich als eine Verfehmte betrachtet wurde in der Familie . Sie holte das Mädchen heran und räumte ihr einen Platz neben sich ein . Gustav , ihr Lieblingssohn , würde nach Hause zurückkehren ! Sie wollte darüber Näheres hören . Pauline mußte erzählen , was sie wußte . Therese stand inzwischen bei den Schwägerinnen in einer anderen Ecke . Sie betrachtete Pauline mit wenig freundlichen Blicken und murrte . Die Aussicht , daß Gustav auf den väterlichen Hof zurückkehren werde , war gar nicht nach ihrem Geschmacke . Sie war diesem Schwager niemals grün gewesen . Sie konnte ihm seine Überlegenheit über ihren Karl nicht verzeihen . Pauline war jetzt darüber , der Bäuerin eine Stelle aus dem Gustavschen Briefe vorzulesen . Der Unteroffizier schrieb , daß es dem Vater wohl auch recht sein würde , wenn er zur Herbstbestellung ein paar Hände mehr auf dem Gute habe . Da hielt sich Therese nicht länger . » Woas ! « schrie sie dazwischen und trat an den Tisch , » Gustav soit und er will hier bei uns nei ! dan grußen Herrn spiel ' n , hier uf ' n Gutte rimkummandieren ! das mir anderen uns glei verkriechen mechten ! das kennte uns grade passen ! Da mechten mir am Ende glei ganz verziehn , Karle und ich . - Und hier sei Mensch ... « damit wandte sie sich gegen Pauline , der sie mit den Fäusten vor dem Gesicht herumfuchtelte , » die denkt am Ende , weil se a Kind vun ' n hat , daß se schunsten zur Familie zahlte . Su schnell gieht das ne ! Wenn mer dan sene Frauenzimmer alle ufnahmen wollten , dohie , da langte s Haus am Ende ne zu . Froit ack in der Stadt a mal nach , mit woas für welchen dar Imgang hoat . Oder denkst de etwan , daß der d ' ch heiraten werd . Bis ack ne su tumm ! Der wird a Madel mit an Kinde nahmen . Lehr du mich Gustaven kennen ! - Ihr zwee kimmt ne hier nei , so vill sag ' ch ... vor mir ne ! « ... Der wütenden Person ging vor Erregung der Atem aus . Das letzte war nur noch heiseres Gegurgel gewesen . Pauline saß da , gänzlich erblaßt , mit weit offenen Augen starrte sie Therese an . Zu erwidern wußte sie nichts . Sie war immer so gewesen . Der Roheit und Ungerechtigkeit stand sie waffenlos gegenüber . Übrigens sollte ihr von anderer Seite Hilfe kommen . Der Bäuerin war die Geduld gerissen ; besonders , daß Therese es gewagt , Gustav schlecht zu machen , hatte ihren mütterlichen Stolz gekränkt . Sowie die Schwiegertochter sie zu Worte kommen ließ , wetterte sie los : Therese solle sich nur ja nicht einbilden , daß sie hier etwas zu sagen habe . Dem Bauern gehöre Gut und Haus und nicht den Kindern . Sie sollten gefälligst warten , bis die Alten gestorben wären oder sich aufs Ausgedinge zurückgezogen hätten , ehe sie zu kommandieren anfingen . Therese ließ sich den Mund nicht verbieten und redete dagegen . Die Bäuerin war , wenn einmal aus ihrer gewöhnlichen Ruhseligkeit aufgereizt , auch nicht die Sanfteste . So gab es denn ein Keifen und Zetern zwischen der alten und der zukünftigen Büttnerbäuerin , daß man es bis weit über das Gehöft hinaus hören konnte . Dabei hatte man ganz die Vorsicht außer acht gelassen , Ausschau nach dem Vater zu halten . Auf einmal ertönten schwere Fußtritte vom Hausflur her . Mit erschreckten Gesichtern sahen sich die Frauen an . Es war zu spät , das Kaffeezeug noch zu beseitigen ; schon erschien der Bauer in der Tür , gefolgt von Karl . Der Büttnerbauer war so wie so nicht in der besten Laune . Es hatte ärgerliche Verhandlungen gegeben mit dem Gemeindevorsteher wegen eines Geländers , das der Bauer an seiner Kiesgrube anbringen sollte . Heute war ihm nun von seiten der Behörde Strafe angedroht worden , wenn er den Bau noch länger unterlasse . Das hatte den Alten in seiner Ansicht bestärkt , daß die Behörden nur dazu da seien , den Bauern das Leben sauer zu machen . In hellem Zorn war er zum Ortsvorsteher gelaufen und hatte dort eine halbe Stunde lang gewettert und getobt . Sein Groll war noch keineswegs verraucht , als er jetzt bei seinen Leuten eintrat . Nach einigen Schritten ins Zimmer