» Verteufelt hart is die Gschicht gangen . « » Hast du schlechten Weg in der Wand gehabt ? « Franzl lachte . » Meine Fingernägel kann ich suchen . Und Haut und Haar hab ich auch in der Wand drin lassen , daß man sich a Pfeifl voll anzünden könnt ! « Graf Egge erhob sich und klatschte zufrieden die beiden Hände auf die Schultern seines Jägers . » Gut hast du alles gemacht ! Jetzt wünsch dir was ! « Franzls Augen strahlten vor Vergnügen . » Ich brauch nix ! Weil nur Sie den Bock haben , Herr Graf ! Aber wenn S ' schon was übrigs tun wollen , so erlauben S ' halt , daß ich mir nach ' m Essen a Flaschl Bier raufhol . In mir drin spür ich was wie ' s reine Schmiedfeuer . « Der bescheidene Wunsch schien die gute Laune des Grafen noch zu steigern . » Ja , Franzl , die Flasche sollst du haben , die hast du verdient . Und jetzt geh und fang zu kochen an . Da kommt der Schipper schon mit dem ersten Bock . « Franzl trat in die Hütte , und Graf Egge folgte , um die Joppe abzulegen und die schweren Bergschuhe gegen die Filzpantoffel zu vertauschen . Dann nahm er einen naßkalten Bund um die Stirn , zündete er in der dämmerigen Stube die Hängelampe an und stimmte die Zither . Schipper brachte den Bock und hängte ihn unter dem vorspringenden Dach mit den Krickeln an einen hölzernen Zapfen . Ohne Gruß trat er in die Küche , streifte die Schuhe von den Füßen und schleuderte sie in einen Winkel . Franzl , der schon beim flackernden Feuer stand und den Teig zum Schmarren rührte , sah über die Schulter . » Heut kommst aber ungut heim ? « Ein Fluch war die Antwort . Erst nach einer Weile fragte Schipper : » Hat der Herr Graf schon erzählt , was ich angestellt hab ? « Franzl sagte begütigend : » Gscheit war ' s freilich net , und die zwei Schuß hätten viel verderben können . Aber schau , es is doch alles gut ausgangen . Da mußt dich net ärgern ! « » Gleich vergiften könnt ich mich . « Schipper hob die Stimme , daß man seine Worte in der Stube hören mußte . » Die zwei Schuß vergißt mir der Herr Graf so bald net ! Grad dem Himmel kann ich danken , daß der ander Bock noch kommen is . Der muß die Kugel auf ' m schönsten Fleck haben . Ich glaub , er liegt schon lang verendet in der Wand droben . Da brauchst morgen in der Fruh nur dem Wechsel nachsteigen , so mußt schnurgrad an den Bock hinrennen . « Schipper trat in die Grafenstube . Vorsichtig goß Franzl den Teig in die Pfanne , in der die heiße Butter zischte . Und während er die brodelnde Speise überwachte , lauschte er auf das sentimentale Volkslied , das in der Stube von Graf Egge mit großem Gefühlsaufwand , mit Tremolo und süßen Flageolettönen gespielt wurde . Leise summte Franzl die Worte des Liedes mit , und ein verträumtes Lächeln spielte um seinen Mund . Er hatte , als er durch die Felswand gestiegen war , auf den steilen Graskuppen eine Menge blühender Edelweißstauden entdeckt . Nun meinte er , daß sich ein Sträußchen der weißen Sterne an Malis Kammerfenster nicht übel ausnehmen würde . Da müßte man nur wissen , welches Fenster das richtige wäre . In Gedanken umwanderte Franzl das ihm wohlbekannte Haus - aber merkwürdig : aus jedem Fenster guckte das finstere Gesicht des Bruckner . In der Stube verstummte das Zitherspiel . Schipper deckte den Tisch . Das war kurze Arbeit : ein kleines Stück blaugefärbter Leinwand wurde ausgebreitet und drei zinnerne Löffel darauf gelegt . Hinter dem Ofen hob Schipper das Falltürchen der Kellergrube und holte einen schon zu Ende gehenden Laib Brot herauf . » Nimm gleich eine Flasche Bier für den Franzl mit ! « rief Graf Egge , der sich auf die Matratze gestreckt hatte und den Schweißhund als lebendige Wärmflasche für seine Füße benützte . » Eine nur , Herr Graf ? « » Is lang schon gnug ! « Franzl erschien , in der einen Hand die dampfende Pfanne , in der anderen ein kleines rußiges Brettchen , das er in die Mitte des Tisches legte , als Untersatz für die Pfanne . Graf Egge erhob sich . Stehend , mit gefalteten Händen , wurde der Abendsegen gesprochen , wie in einer Bauernstube . Nach dem Amen sagte der Graf : » Guten Abend miteinander ! « Und die Jäger antworteten : » Guten Abend , gnädiger Herr Graf ! « Dann schoben sie sich hinter den Tisch ; in der zugesicherten Ecke saß Graf Egge , Schipper zu seiner Rechten , Franzl zur Linken . Den Löffel in der Hand , mit aufgestütztem Arm , warteten die Jäger , bis der Graf den ersten Bissen genommen hatte ; dann griffen auch sie zu , und einträchtig löffelte das Kleeblatt die grobe , fette Kost aus der Pfanne . Als das Mahl zu Ende war , trug Schipper die Pfanne in die Küche und brachte für seinen Herrn einen Maßkrug voll Wasser , in das Graf Egge einen Schluck Enzian goß , » damit ' s Schmalz im Magen net rebellisch wird « , wie er sagte . » Wer rauchen will , kann ' s Pfeifl anzünden . Du , Franzl , mach dir dein Bier auf ! « Schmunzelnd , mit feierlicher Umständlichkeit , entkorkte Franzl die Flasche und goß ihren Inhalt vorsichtig in eine hölzerne Bitsche - eine Flasche Bier bedeutete in Graf Egges Jagdhütte soviel wie auf einem bürgerlichen Tisch eine Flasche Champagner , im Staatsbetrieb ein hoher Orden . Bald dampften die Pfeifen , und Graf Egge griff zur Zither . Die blauen Wölklein kräuselten sich