. Meinst du nicht auch , Geert ? « » Gewiß meine ich das . Es ist eigentlich das einzige , was einem Freude macht oder wenigstens Freude machen sollte . Denn jeder steckt noch so nebenher in allerhand dummem Zeuge drin . Ich auch . Aber freilich , man ist , wie man ist . « Der erste Feiertag war Kirchtag , am zweiten war man bei Borckes draußen , alles zugegen , mit Ausnahme von Grasenabbs , die nicht kommen wollten , » weil Sidonie nicht da sei « , was man als Entschuldigung allseitig ziemlich sonderbar fand . Einige tuschelten sogar : » Umgekehrt ; gerade deshalb hätten sie kommen sollen . « Am Silvester war Ressourcenball , auf dem Effi nicht fehlen durfte und auch nicht wollte , denn der Ball gab ihr Gelegenheit , endlich einmal die ganze Stadtflora beisammen zu sehen . Johanna hatte mit den Vorbereitungen zum Ballstaate für ihre Gnäd ' ge vollauf zu tun , Gieshübler , der , wie alles , so auch ein Treibhaus hatte , schickte Kamelien , und Innstetten , so knapp bemessen die Zeit für ihn war , fuhr am Nachmittage noch über Land nach Papenhagen , wo drei Scheunen abgebrannt waren . Es war ganz still im Hause . Christel , beschäftigungslos , hatte sich schläfrig eine Fußbank an den Herd gerückt , und Effi zog sich in ihr Schlafzimmer zurück , wo sie sich , zwischen Spiegel und Sofa , an einen kleinen , eigens zu diesem Zweck zurechtgemachten Schreibtisch setzte , um von hier aus an die Mama zu schreiben , der sie für Weihnachtsbrief und Weihnachtsgeschenke bis dahin bloß in einer Karte gedankt , sonst aber seit Wochen keine Nachricht gegeben hatte . » Kessin , 31. Dezember Meine liebe Mama ! Das wird nun wohl ein langer Schreibebrief werden , denn ich habe - die Karte rechnet nicht - lange nichts von mir hören lassen . Als ich das letzte Mal schrieb , steckte ich noch in den Weihnachtsvorbereitungen , jetzt liegen die Weihnachtstage schon zurück . Innstetten und mein guter Freund Gieshübler hatten alles aufgeboten , mir den Heiligen Abend so angenehm wie möglich zu machen , aber ich fühlte mich doch ein wenig einsam und bangte mich nach Euch . Überhaupt , soviel Ursache ich habe , zu danken und froh und glücklich zu sein , ich kann ein Gefühl des Alleinseins nicht ganz loswerden , und wenn ich mich früher , vielleicht mehr als nötig , über Huldas ewige Gefühlsträne mokiert habe , so werde ich jetzt dafür bestraft und habe selber mit dieser Träne zu kämpfen . Denn Innstetten darf es nicht sehen . Ich bin aber sicher , daß das alles besser werden wird , wenn unser Hausstand sich mehr belebt , und das wird der Fall sein , meine liebe Mama . Was ich neulich andeutete , das ist nun Gewißheit , und Innstetten bezeugt mir täglich seine Freude darüber . Wie glücklich ich selber im Hinblick darauf bin , brauche ich nicht erst zu versichern , schon weil ich dann Leben und Zerstreuung um mich her haben werde oder , wie Geert sich ausdrückt , ein liebes Spielzeug . Mit diesem Worte wird er wohl recht haben , aber er sollte es lieber nicht gebrauchen , weil es mir immer einen kleinen Stich gibt und mich daran erinnert , wie jung ich bin und daß ich noch halb in die Kinderstube gehöre . Diese Vorstellung verläßt mich nicht ( Geert meint , es sei krankhaft ) und bringt es zuwege , daß das , was mein höchstes Glück sein sollte , doch fast noch mehr eine beständige Verlegenheit für mich ist . Ja , meine liebe Mama , als die guten Flemmingschen Damen sich neulich nach allem möglichen erkundigten , war mir zumut , als stünd ich schlecht vorbereitet in einem Examen , und ich glaube auch , daß ich recht dumm geantwortet habe . Verdrießlich war ich auch . Denn manches , was wie Teilnahme aussieht , ist doch bloß Neugier und wirkt um so zudringlicher , als ich ja noch lange , bis in den Sommer hinein , auf das frohe Ereignis zu warten habe . Ich denke , die ersten Julitage . Dann mußt Du kommen , oder , noch besser , sobald ich einigermaßen wieder bei Wege bin , komme ich , nehme hier Urlaub und mache mich auf nach Hohen-Cremmen . Ach , wie ich mich darauf freue und auf die havelländische Luft - hier ist es fast immer rauh und kalt - , und dann jeden Tag eine Fahrt ins Luch , alles rot und gelb , und ich sehe schon , wie das Kind die Hände danach streckt , denn es wird doch wohl fühlen , daß es eigentlich da zu Hause ist . Aber das schreibe ich nur Dir . Innstetten darf nicht davon wissen , und auch Dir gegenüber muß ich mich wie entschuldigen , daß ich mit dem Kinde nach Hohen-Cremmen will und mich heute schon anmelde , statt Dich , meine liebe Mama , dringend und herzlich nach Kessin hin einzuladen , das ja doch jeden Sommer fünfzehnhundert Badegäste hat und Schiffe mit allen möglichen Flaggen und sogar ein Dünenhotel . Aber daß ich sowenig Gastlichkeit zeige , das macht nicht , daß ich ungastlich wäre , so sehr bin ich nicht aus der Art geschlagen , das macht einfach unser landrätliches Haus , das , soviel Hübsches und Apartes es hat , doch eigentlich gar kein richtiges Haus ist , sondern nur eine Wohnung für zwei Menschen , und auch das kaum , denn wir haben nicht einmal ein Eßzimmer , was doch genant ist , wenn ein paar Personen zu Besuch sich einstellen . Wir haben freilich noch Räumlichkeiten im ersten Stock , einen großen Saal und vier kleine Zimmer , aber sie haben alle etwas wenig Einladendes , und ich würde sie Rumpelkammern nennen , wenn sich etwas Gerümpel darin