: » Heute starb , 67 Jahre alt , auf Schloß Adamsdorf in Schlesien unser teurer Gatte , Schwager und Oheim , der Generalmajor a. D. Eberhard Pogge von Poggenpuhl , Ritter des Eisernen Kreuzes I. Klasse wie des Ordens Albrechts des Bären . Dies zeigen statt jeder besonderen Meldung an die tiefbetrübten Hinterbliebenen Josephine Pogge von Poggenpuhl , geb . Bienengräber , verwitwete Freiin von Leysewitz , als Gattin Albertine Pogge von Poggenpuhl , geb . Pütter , verwitwete Majorin , als Schwägerin Wendelin Pogge von Poggenpuhl , Premierleutnant im Grenadier-Reg . von Trzebiatowski Leo Pogge von Poggenpuhl , Sekondleutnant im Grenadier-Reg . von Trzebiatowski Therese Pogge von Poggenpuhl Sophie Pogge von Poggenpuhl Manon Pogge von Poggenpuhl , als Neffen und Nichten . « Agnes , deren etwas käseweißes Gesicht bei dem Vortrag all dieser Namen - nur den polnischen Regimentsnamen brachte sie nicht recht zustande - ganz rot geworden war , legte das Blatt aus der Hand , während der Alte mit breitem Behagen sagte : » Na , so was von Poggen ; ich hör es ordentlich quaken « - ein Witz , der von dem johlenden Beifall seiner beiden Jungens ( echter Nebelungs ) sofort begleitet wurde . Die Tochter aber , die sich von ihrem dramatischen Vortrag eine ganz andere Wirkung versprochen hatte , stand auf und sagte , während sie hinausging , zu der etwas seitab sitzenden Mutter : » Ich weiß nicht , Vater ist heute wieder so ordinär « - eine Bemerkung , die die kränkliche , immer verärgerte Frau durch mehrmaliges Kopfnicken bestätigte . Nebelung selbst aber rief der in der Tür eben verschwindenden Tochter nach : » Sei nich so frech , Kröte ; - noch bist du nich dabei . « In gewissem Sinne hatte Agnes ihrem Vater unrecht getan . In der Tiefe seiner Seele fühlte sich Nebelung gar nicht so unberührt von dem allen , er hatte sich vielmehr , als echter Berliner , nur den durch die glänzende Namensaufzählung empfangenen Eindruck wegschwadronieren wollen . Andrerseits freilich war er aufrichtig unwirsch , daß ihm das » pauvre Volk da oben « mit einmal als etwas Besonderes aufgezwungen werden sollte . Das sei doch alles bloß zum Lachen , der reine Unsinn . Aber wie immer auch , während er sich noch dagegen sträubte , war er doch auch schon wieder bereit , gute Miene zum bösen Spiele zu machen , und die Gelegenheit dazu bot sich bald . Es mochte halb fünf sein ( die Jungens waren eben aus der Schule nach Hause gekommen ) , als die Streitszene zwischen Vater und Tochter gespielt hatte , und keine Stunde mehr , so kam auch schon eine Droschke mit Reisekoffer die Großgörschenstraße herauf . Das ganze Haus wartete . Wie Friederike , so hatten sich auch die Nebelungs unten aufgepflanzt , allerdings in sehr verschiedenen Stellungen und Beschäftigungen ; die beiden Jungens lehnten sich an die Hauswand , halb neugierig , halb bummelig , weil sie dem » freien deutschen Mann « in ihnen nichts vergeben wollten , Nebelung selbst aber , eine Art Fes auf dem Kopfe , patrouillierte das Trottoir auf und ab , während Agnes , wie wenn es sich um ihr Auftreten etwa als Mondecar oder irgend sonst ein spanisches Hoffräulein gehandelt hätte , schlank und aufrecht in der offenstehenden Haustüre stand . Als die Frau Majorin an ihr vorüberging , machte sie einen gut einstudierten Hofknicks , der sich gesteigert wiederholte , als gleich danach Therese kam . War diese doch die einzige der Familie , die noch unentwegt den langen Trauerschleier trug , was ihr , samt ihrer funebren Haltung , auch schon unterwegs allerlei Huldigungen eingetragen hatte . Man hatte sie für eine junge Offizierswitwe gehalten , deren Mann in einem schlesischen Bade gestorben sei . Hart neben dem Bürgersteige hielt noch immer die Droschke , mit deren Kutscher , einem ziemlich verschmitzt dreinschauenden Manne , Manon und Sophie wegen Heraufschaffung des Koffers parlamentierten ; » er könne nicht von dem Pferde weg , er käme sonst in Strafe « , so hieß es seinerseits immer wieder . In diesem Verlegenheitsmoment aber trat der sonst so zugeknöpfte Nebelung an die beiden jungen Damen heran und erklärte sich unter gefälliger Lüftung seines Fes bereit , den großen Koffer in die Wohnung hinaufzutragen . » Ach , Herr Nebelung ... « , sagte Sophie . Dieser aber hatte schon Hand angelegt , wuchtete den Koffer ziemlich geschickt auf seine Schulter und ließ sich auch nicht irremachen , als ihm der in seiner Diplomatie verunglückte Droschkenkutscher spöttisch nachrief : » Na , schaden Sie sich man nich . « Es hatte damit aber gute Wege , denn der Koffer , so groß er war , war nicht schwer , und Nebelung schien kaum außer Atem , als er oben ankam . Friederike nahm ihm den Koffer ab , und im selben Augenblicke sagte Sophie : » Bitte , Herr Nebelung ... Ich danke Ihnen . « Unten aber , in seine Portierloge zurückgekehrt , warf Nebelung ein blankes Markstück auf den Tisch und sagte : » Da , Mutter , das muß in die Sparbüchse . Pogge von Poggenpuhl ... Un noch dazu von Sophiechen ... Jungferngeld ; das heckt . « Agnes , die nur die Schlußworte gehört hatte , drehte sich verächtlich um . An der Türeinfassung oben hing ein halber Papierbogen mit » Willkommen « von Friederikens eigener Hand . Aus Schreibunsicherheit oder vielleicht auch aus Ersparnis hatten die Buchstaben alle keinen rechten Tintenkorpus , sondern bestanden bloß aus zwei nebeneinanderherlaufenden Linien . In der Blumenschale vor dem Bilde des Sohrschen befanden sich rote und weiße Markt-Astern . Einige davon waren für den Hochkircher bestimmt gewesen , und zwar zum Einstecken hinter den Rahmen ; aber Friederike hatte wieder Abstand davon genommen mit der Bemerkung : » Den kenn ich ; wenn man ihn anrührt , fällt er . « » Na , leben tust du ja noch « , sagte