gesorgt , und so muß ich mir , ohne Rat und Beistand , allerpersönlichst ein doppeltes Ja holen . Erst bei Corinna . Und wenn ich dies erste Ja habe , so hab ich noch lange nicht das zweite . Das seh ich nur zu klar . Aber das zweite kann ich mir wenigstens erkämpfen und will es auch ... Es gibt ihrer genug , für die das alles eine Kleinigkeit wäre , für mich aber ist es schwer ; ich weiß , ich bin kein Held , und das Heldische läßt sich nicht lernen . Jeder nach seinen Kräften , sagte Direktor Hilgenhahn immer . Ach , ich finde doch beinahe , daß mir mehr aufgelegt wird , als meine Schultern tragen können . « Ein mit Personen besetzter Dampfer kam in diesem Augenblicke den Fluß herauf und fuhr , ohne an dem Wassersteg anzulegen , auf den » Neuen Krug « und » Sadowa « zu ; Musik war an Bord , und dazwischen wurden allerlei Lieder gesungen . Als das Schiff erst den Steg und bald auch die » Liebesinsel « passiert hatte , fuhr auch Leopold aus seinen Träumereien auf und sah , nach der Uhr blickend , daß es höchste Zeit sei , wenn er noch pünktlich auf dem Kontor eintreffen und sich eine Reprimande oder , was schlimmer , eine spöttische Bemerkung von seiten seines Bruders Otto ersparen wollte . So schritt er denn unter freundlichem Gruß an dem immer noch an seiner Ecke stehenden Mützell vorüber und auf die Stelle zu , wo der Einarmige sein Pferd hielt . » Da , Fritz ! « Und nun hob er sich in den Sattel , machte den Rückweg in einem guten Trab und bog , als er das Tor und gleich danach die Pionierkaserne wieder passiert hatte , nach rechts hin in einen neben dem Otto Treibelschen Holzhofe sich hinziehenden , schmalen Gang ein , über dessen Heckenzaun fort man auf den Vorgarten und die zwischen den Bäumen gelegene Villa sah . Bruder und Schwägerin saßen noch beim Frühstück . Leopold grüßte hinüber : » Guten Morgen , Otto ; guten Morgen , Helene ! « Beide erwiderten den Gruß , lächelten aber , weil sie diese tägliche Reiterei ziemlich lächerlich fanden . Und gerade Leopold ! Was er sich eigentlich dabei denken mochte ! Leopold selbst war inzwischen abgestiegen und gab das Pferd einem an der Hintertreppe der Villa schon wartenden Diener , der es , die Köpnicker Straße hinauf , nach dem elterlichen Fabrikhof und dem dazugehörigen Stallgebäude führte - stableyard , sagte Helene . Neuntes Kapitel Eine Woche war vergangen , und über dem Schmidtschen Hause lag eine starke Verstimmung ; Corinna grollte mit Marcell , weil er mit ihr grollte ( so wenigstens mußte sie sein Ausbleiben deuten ) , und die gute Schmolke wiederum grollte mit Corinna wegen ihres Grollens auf Marcell . » Das tut nicht gut , Corinna , so sein Glück von sich zu stoßen . Glaube mir , das Glück wird ärgerlich , wenn man es wegjagt , und kommt dann nicht wieder . Marcell ist , was man einen Schatz nennt oder auch ein Juwel , Marcell ist ganz so , wie Schmolke war . « So hieß es jeden Abend . Nur Schmidt selbst merkte nichts von der über seinem Hause lagernden Wolke , studierte sich vielmehr immer tiefer in die Goldmasken hinein und entschied sich , in einem mit Distelkamp immer heftiger geführten Streite , auf das bestimmteste hinsichtlich der einen für Aegisth . Aegisth sei doch immerhin sieben Jahre lang Klytämnestras Gemahl gewesen , außerdem naher Anverwandter des Hauses , und wenn er , Schmidt , auch seinerseits zugeben müsse , daß der Mord Agamemnons einigermaßen gegen seine Aegisth-Hypothese spreche , so sei doch andererseits nicht zu vergessen , daß die ganze Mordaffaire mehr oder weniger etwas Internes , sozusagen eine reine Familienangelegenheit gewesen sei , wodurch die nach außen hin auf Volk und Staat berechnete Beisetzungs-und Zeremonialfrage nicht eigentlich berührt werden könne . Distelkamp schwieg und zog sich unter Lächeln aus der Debatte zurück . Auch bei den alten und jungen Treibels herrschte eine gewisse schlechte Laune vor : Helene war unzufrieden mit Otto , Otto mit Helenen , und die Mama wiederum mit beiden . Am unzufriedensten , wenn auch nur mit sich selber , war Leopold , und nur der alte Treibel merkte von der ihn umgebenden Verstimmung herzlich wenig oder wollte nichts davon merken , erfreute sich vielmehr einer ungewöhnlich guten Laune . Daß dem so war , hatte , wie bei Wilibald Schmidt , darin seinen Grund , daß er all die Zeit über sein Steckenpferd tummeln und sich einiger schon erzielter Triumphe rühmen durfte . Vogelsang war nämlich , unmittelbar nach dem zu seinen und Mister Nelsons Ehren stattgehabten Diner , in den für Treibel zu erobernden Wahlkreis abgegangen , und zwar um hier in einer Art Vorkampagne die Herzen und Nieren der Teupitz-Zossener und ihre mutmaßliche Haltung in der entscheidenden Stunde zu prüfen . Es muß gesagt werden , daß er , bei Durchführung dieser seiner Aufgabe , nicht bloß eine bemerkenswerte Tätigkeit entfaltet , sondern auch beinahe täglich etliche Telegramme geschickt hatte , darin er über die Resultate seines Wahlfeldzuges , je nach der Bedeutung der Aktion , länger oder kürzer berichtete . Daß diese Telegramme mit denen des ehemaligen Bernauer Kriegskorrespondenten eine verzweifelte Ähnlichkeit hatten , war Treibel nicht entgangen , aber von diesem , weil er schließlich nur auf das achtete , was ihm persönlich gefiel , ohne sonderliche Beanstandung hingenommen worden . In einem dieser Telegramme hieß es : » Alles geht gut . Bitte , Geldanweisung nach Teupitz hin . Ihr V. « Und dann : » Die Dörfer am Schermützelsee sind unser . Gott sei Dank . Überall dieselbe Gesinnung wie am Teupitzsee . Anweisung noch nicht eingetroffen . Bitte dringend . Ihr V. « ... » Morgen nach Storkow ! Dort muß es sich entscheiden . Anweisung