bemerken , als daß wir heute nicht mehr des Abends weder das große noch das kleine Malefizbuch lesen , Tinchen . Nämlich , Eduard , höchstens stört sie mir jetzt mit der Frau Davidis in der Hand das Nachdenken und paläontologische Studium , indem sie kommt und , mit dem Zünglein um die Lippen neue Triumphe vorkostend , die Frage stellt : Du , Alter , sollen wir uns mal an dieses Rezept wagen ? Ich , lieber Eduard , habe selbstverständlich auch für diesen Verdruß nur die eine Antwort : Dem Mutigen gehört die Welt . Heraus aus dem Kasten ! « Frau Valentine behandelte vernünftigerweise ihren Feinschmecker mit seinem berühmten Kochbuch als Luft und fuhr , gegen mich gewendet , in ihrem Recht , jetzt einmal selber zu erzählen , fort . Gottlob , wirklich wie aus der Sofaecke heraus , wenn auch mit einem feuchten Leuchten in den Augen und einem verschluckten Aufsteigen in der Kehle , gleich einem Kinde , das aus erlittenem , aber vergangenem Kummer in das Lachen der Gegenwart übergeht . » Ja , es war schlimm . Und es war die höchste Zeit , sowohl für meinen Vater wie für mich , daß wir endlich einen Kameraden kriegten - einen , den unsere Hunde über unsern Graben und Dammweg passieren ließen , ohne daß sie ihm an die Kehle fuhren und ihm unser häuslich Glück und Behagen entgegenkläfften und - heulten . Anfangs konnte ich es doch nicht wissen , daß der Junge aus der Stadt auch für meinen Vater brauchbar war . Zuerst war er ja nur für mich gegen die Dorfkinder eingetreten und hatte sich die Nase blutig schlagen lassen . Da nahm ich ihn auch nur meinetwegen zwischen den Hunden durch mit auf die Schanze und brachte ihn an den Brunnen , daß er sich wenigstens ein bißchen wieder waschen konnte . Aber es wies sich zum Segen für Vater und Kind , für die Rote Schanze aus , daß es doch mehr mit ihm an sich hatte durch Gottes Güte . Nicht wahr , Heinrich ? « Das letzte Wort war ein Fehler von der Frau . Damit hatte sie ihrem dicken Haupt und Herrn vollständig wieder das Heft in die Hand gegeben . Glücklicherweise hatte er aber eben etwas zerstreut den Wolken seiner Pfeife in die Baumwipfel nachgesehen und brummte nur : » Hast immer recht , Alte ! Was war es denn eigentlich - wo warst du stehengeblieben ? Ja so ! Na , Eduard , gewinnst du bald die Überzeugung , daß wir drei , Vater Quakatz , sein Tinchen und der faule Schaumann aus der Stadt , hier - hier keinen Vierten zwischen uns gebrauchen konnten ? « » Nein , den brauchten wir damals nicht ! « rief Frau Valentine Schaumann , ohne meine Meinung über die Sache abzuwarten . » Wenn meinem Vater und mir der liebe Gott nur einen gab , so war das völlig genug ! Aber dem mußte ebenfalls alles andere gleichgültig oder zuwider sein : nur wir und die Rote Schanze nicht ! Der mußte alles mögen , was der Bauer Quakatz und sein kleines Mädchen gehen konnten , ohne sich vor dem Mord- und Schinderkuhlengeruch , der dranhing , zu ekeln und zu fürchten . Und , Herr Eduard , dazu , dazu hatte der Stadtjunge , der mich vor den Dorfjungen und -mädchen in seinen Schutz genommen hatte , unter der Hecke da drüben auf der städtischen Feldmark gelegen ! Und dazu hatte er auch genug Latein , daß er es meinem Vater in seinem dicken Wörterbuch nachschlug und übersetzte für seine Schriften und Akten , wo der selbst seinem Advokaten nicht mehr traute . Herr Eduard , bitte , achten Sie jetzt gar nicht auf meinen Mann ! Er mag nachher , bis er mit Ihnen als angehender Student hier stand und von uns Abschied nahm , in seinen Schulzeiten noch etwas mehr gelernt haben - das kann ich nicht beurteilen , aber für die Rote Schanze war er damals genügend mit allen Kenntnissen ausgestattet . Er brachte nicht bloß die Hunde zur Ruhe , er brachte auch meinem seligen Vater ruhigere Stunden . « » Nu höre sie , Eduard ! Jaja ; aber sie hat recht : die Klugen haben wahrhaftig lange nicht soviel Behaglichkeit in die Welt gebracht und so viele Glückliche drin gemacht wie die Einfältigen . « » Ganz sicher , Heinrich ! Mein seliger Vater meinte das wenigstens auch . Er drückte sich nur etwas anders aus : Tinchen , sagte er , ich will nichts dagegen sagen , daß dieser dicke , stille Junge sich an uns herangemacht hat . Wenn du mit ihm auskommen kannst , soll es mir recht sein . Mich stört er nicht , und man hat doch einen in der Stube , der nicht zu den anderen gehört . « » Das war ein großes Wort von deinem verstorbenen Herrn Vater , Frau Valentine Stopfkuchen ! « grinste Heinrich Schaumann unverbesserlich drein . » Es war nur das Wort von einem Manne , der seinen Kopf und sein Herz seit Jahren , Jahren , Jahren mit beiden Händen hatte zusammenhalten müssen , auf daß ihm beides nicht in Wut und Angst und Grimm und Scham zerspringe . Wenn einer damals nicht zu den andern gehörte , Herr Eduard , so war das mein Mann . Nicht etwa , weil er grade so was Besonderes an sich gehabt hätte , sondern grade vielleicht , weil er das nicht hatte und auch an uns in unserer Verscheuchung und Verschüchterung nichts Besonderes fand und mit uns wie mit ganz gewöhnlichen sonstigen Menschen in Verkehr und Umgang kam ! « - Frau Valentine hatte natürlich nicht im geringsten eine Ahnung davon , welch ein wunderbar Zeugnis und Lob sie jetzt meinem Freunde ausstellte und wie sehr sie mich zu den ganz Gewöhnlichen , den ganz Gemeinen , an jedem Wege Wachsenden warf : zu denen , die