, Gräfin - ich höre . « » Nein , nicht jetzt . Sie müssen wiederkommen ... morgen , um diese Stunde ! « Er schien zu zögern . » Ich befehle es ... bei dem Andenken Ihrer Mutter , um welche ich mit Ihnen geweint - « » Oh Martha ! « ... Der so ausgesprochene Name durchzuckte mich wie ein Glücksstrahl . » Also morgen , « wiederholte ich , ihm in die Augen schauend . » Um dieselbe Stunde . « Wir waren einig . Ich kehrte zu den andern zurück und Tilling , nachdem er noch meine Hand an seine Lippen geführt und die übrigen mit einer Verbeugung begrüßt , ging zur Thür hinaus . » Ein sonderbarer Mensch , « bemerkte mein Vater kopfschüttelnd . » Was er da alles gesagt hat , würde höheren Ortes kaum Beifall finden . « Als am folgenden Tage die bestimmte Stunde schlug , gab ich , wie anläßlich seines ersten Besuches , Befehl , niemand anderen als Tilling vorzulassen . Ich sah der kommenden Unterhaltung mit gemischten Gefühlen leidenschaftlichen Bangens , süßer Ungeduld und - einiger Verlegenheit entgegen . Was ich eigentlich ihm sagen wollte , das wußte ich nicht genau - darüber wollte ich gar nicht nachdenken ... Wenn Tilling etwa die Frage an mich stellte : » Nun denn , Gräfin , was haben Sie mir mitzuteilen - was wünschen Sie von mir ? « so konnte ich doch nicht die Wahrheit antworten , nämlich : » Ich habe Ihnen mitzuteilen , daß ich Sie liebe ; ich wünsche , daß - Du bleibst . « - Aber in so trockener Form würde er mich wohl nicht verhören und wir würden uns schon verstehen , ohne solche kategorische Fragen und Antworten . Die Hauptsache war : ihn noch einmal sehen - und wenn schon geschieden sein mußte , so doch nicht ohne vorher ein herzliches Wort gesprochen , ein inniges Lebewohl getauscht zu haben ... Bei dem bloß gedachten Worte Lebewohl füllten sich meine Augen mit Thränen . - In diesem Augenblick trat der Erwartete ein . » Ich gehorche Ihrem Befehle , Gräfin und - Was ist Ihnen ? « unterbrach er sich . » Sie haben geweint ? Sie weinen noch ? « » Ich ? ... nein ... es war der Rauch - im Nebenzimmer , der Kamin ... Setzen Sie sich , Tilling ... Ich bin froh , daß Sie gekommen sind - « » Und ich glücklich , daß Sie mir befohlen haben zu kommen - erinnern Sie sich ? im Namen meiner Mutter befohlen ... Auf das hin habe ich mir vorgenommen , Ihnen alles zu sagen , was mir auf dem Herzen liegt . Ich - « » Nun - warum halten Sie inne ? « » Das Sprechen wird mir schwerer noch , als ich glaubte . « » Sie zeigten mir doch so viel Vertrauen - in jener schmerzlichen Nacht , wo Sie an einem Sterbebette wachten . - Wie kommt es , daß Sie jetzt so alles Vertrauen wieder verloren haben ? « » In jener feierlichen Stunde war ich aus mir selber herausgetreten - seither hat mich wieder meine gewohnte Schüchternheit erfaßt . Ich sehe ein , daß ich damals mein Recht überschritten - und um es nicht wieder zu überschreiten , hatte ich Ihre Nähe geflohen . « ... » In der That ja : Sie scheinen mich zu meiden . Warum ? « » Warum ? Weil - weil ich Sie anbete . « Ich antwortete nichts , und um meine Bewegung zu verbergen , wandte ich den Kopf ab . Auch Tilling war verstummt . Endlich faßte ich mich wieder und brach das Schweigen : » Und warum wollen Sie Wien verlassen ? « fragte ich . » Aus demselben Grunde . « » Können Sie Ihren Entschluß nicht mehr rückgängig machen ? « » Ich könnte wohl - noch ist die Versetzung nicht entschieden . « » Dann bleiben Sie . « Er faßte meine Hand - » Martha ! « Es war zum zweitenmale , daß er mich bei meinem Namen nannte . Diese beiden Silben hatten einen berauschenden Klang für mich ... Darauf mußte ich etwas erwidern , was ihm ebenso süß klänge - auch zwei Silben , in welchen alles lag , was mir das Herz schwellte , und meinen Blick zu ihm erhebend , sagt ' ich leise : » Friedrich ! « In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür und mein Vater kam herein . » Ah , da bist Du ja ! Der Bediente sagte , Du seist nicht zu Hause ... ich aber antwortete , daß ich auf Dich warten wolle ... Guten Tag , Tilling ! Nach Ihrem gestrigen Abschied bin ich sehr überrascht , Sie hier zu finden - « » Meine Abreise ist wieder aufgehoben , Excellenz , und da kam ich - « » Meiner Tochter eine Antrittsvisite machen ? Schön . Und jetzt wisse , was mich zu Dir führt , Martha . Es ist eine Familienangelegenheit ... « Tilling stand auf : » Dann störe ich vielleicht ? « » Meine Mitteilung hat ja keine solche Eile . « - Ich wünschte Papa samt seiner Familienangelegenheit zu den Antipoden . Ungelegener hätte mir keine Unterbrechung kommen können . Tilling blieb jetzt nichts Anderes übrig , als zu gehen . Aber nach dem , was eben zwischen uns vorgefallen , bedeutete Entfernung keine Trennung : unsere Gedanken , unsere Herzen blieben bei einander . » Wann seh ' ich Sie wieder ? « fragte er leise , als er mir zum Abschied die Hand küßte . » Morgen um neun Uhr früh im Prater , zu Pferd , « antwortete ich rasch im selben Tone . Mein Vater grüßte den Fortgehenden ziemlich kalt , und nachdem sich die Thür hinter ihm geschlossen : » Was soll das bedeuten ? « fragte er mit strenger Miene . Du lässest Dich