über dieses tiefsinnige Leben ! Leben ! Leben ! Ich lebe ! Ich will leben ! Ich vergehe vor Appetit auf das Leben ! Mein lieber , guter Männe ! Nicht wahr - Du bist Deinem kleinen Weibchen nicht böse , wenn es sich noch ' n Bissel amusiren will auf dieser schönen Welt ? Nein ! nicht wahr ? - Du schläfst ruhig weiter und läßt Dich gar nicht stören ? Recht so , mein liebes Kerlchen ! Wir haben uns ja immer so gut vertragen ! Doctor ! Wollen wir morgen früh beide nach Italien reisen ? Ich halte es unter diesen Philistern hier nicht mehr aus . Aber ... mein Gott ! Was sehen Sie mich denn so erschrocken an ? Ja , ja ! mein Herr ! So ... so aufgeräumt ... so offen und burschikos kann Fräulein Irmer nicht sein - wie ? oder doch ? Das gute , kleine Fräulein ! Nächstens muß ich es doch wieder ' mal einladen ! Die Dame macht sich nur immer so rar - kommt eigentlich nie ... aber wenn Sie auch hier sind - - « » Gnädige Frau ! ... « » Na ja , Doctor ! ... Was - der Wein ist gut ? Ja , ja ! Mein Mann hatte eine feine Zunge . Mir ist ganz merkwürdig zu Muthe . Ich sehe plötzlich Alles so unheimlich scharf - das Bedeutende löst sich kräftig heraus - ich komme so unheimlich nahe an die Dinge heran ... weiß gar nicht ... gar nicht - - - haben Sie , Doctor ... wollen wir nicht in dieser Stimmung - - - ganz sonderbar ! - haben Sie Nichts - Nichts - kein Gedicht oder so Etwas bei sich ? ... Irgend einen Dithyrambus der Freude - ich bin ja jetzt alles Kleine und Enge los - doch richtig ! Sie sind ja kein Dichter ! Vorlesen ? Nein ! Nein ! Das ist zu abgeschmackt ! Musik ! Musik ! Sie spielen auch nicht ? Sie Barbar ! Jetzt Beethoven - oder noch besser Wagner - das Vorspiel zum dritten Akt vom Siegfried - die Welt ist ja gewöhnlich so eng und schwarz und schwer ... so karg und kümmerlich - aber Doctor - ! « Auch über Adam war es plötzlich mit berauschender Gewalt gekommen . Die tolle , ekstatische Stimmung Lydias hatte ihn angesteckt , entzündet , hatte ihn mitfortgerissen , träge , unbeholfen zuerst , nachdem sie ihn anfangs beinahe angewidert , zurückgeschreckt hatte , nachdem sie ihn sehr ironisch und spottlustig gestimmt - nachher aber unwiderstehlich ... Nun jagte er hin , und der Taumel war in ihm . Der Wein ebnete den Weg , minderte die Reibung , glättete die Geleise . Da hatte sich Adam von einem elementaren Zwange packen lassen müssen . Es stieß ihn wie mit einer übergewaltigen Faust von seinem Fauteuil herunter und warf ihn vor die Füße Lydias . In diesem Augenblicke liebte er das Weib fanatisch . Sein Denken war ausgelöscht , sein ganzes Ich ein einziges großes , dämonisches Gefühl ... ein einziges aufdampfendes Begehren . Adam hatte den Kopf in Lydias Schooß gelegt und schluchzte , seine Arme hingen schlaff herab . » Aber Doctor - ! « hatte Lydia mit unnatürlich leiser , halberstickter Stimme hervorgestoßen und mit jähem Rucke aufspringen wollen . Adam richtete seinen Kopf empor ... langsam , fast feierlich , beschwörend . In seinen verthränten Augen lag die heiße Bitte , ihn nicht hinwegzustoßen . Lydia löste jetzt sanft ihren rechten Arm frei und strich leicht , lind , mit liebkosenden Fingern über Adams Haar . Der aber erbebte mächtig unter dieser weichen , zärtlichen Berührung . Im Zimmer war es still . Nur das Licht der Lampe surrte leise ... und ungleich , heftig hastete der Athem der beiden Menschen , die , ganz hingenommen , ganz berauscht von ihren verworrenen Gefühlen , eine kleine Weile in eng zusammengeschmiegter Gemeinschaft beieinander waren . Zu dieser Zeit waren beide gut , besser , denn sie je gewesen . Alles , was das Leben in ihnen verzerrt hatte , war ausgeglichen . Fülle und Kraft lebte in ihnen , Hoffnung , Sehnsucht , Erwartung und eine mächtige Gespanntheit aller Sinne und Gefühle . Nun richtete Lydia das Gesicht Adams mit discretem Nachdruck zu sich empor . » Steh auf , Adam ! Wir waren einen Augenblick zwei dumme , thörichte Kinder - jetzt wollen wir wieder vernünftig sein - ja ? Komm ! - « » Lydia ! ... « » Na , was denn , Herr Doctor ? Ich weiß gar nicht - - lassen Sie mich ! Bitte - na ? ... « Die Worte waren mit zweideutiger Betonung gesprochen . Es schien Frau Lange halb und halb mit ihrem Abwehren ernst zu sein ... und doch war ihr vielleicht eine drängende , stürmische , beharrliche Zärtlichkeit Adams noch mehr willkommen . » Lydia ! « bat Adam noch einmal , dringend , inständig ... vielleicht besaß seine Stimme auch einen Stich ins Drohende . Und doch hatte der Gefühlstumult in seiner Brust schon bedeutend an Stärke und Energie eingebüßt . Die gemacht naiven , zudem , wie es ihn dünkte , nicht spottlosen Worte der schönen Frau hatten Adam etwas ernüchtert . Zugleich aber war ihm , wenn auch kaum in scharfen Bewußtseinslinien , der kluge Gedanke gekommen , die Situation , die sich ja nun einmal in Scene gesetzt hatte , nach Kräften auszunützen ... natürlich soweit er das unbeschadet seiner Mannesehre thun durfte . » Stoß ' mich nicht von Dir , Lydia ! Ich gehöre ja ganz Dir - nur Dir allein ! Ich habe keinen Vater und keine Mutter mehr und habe keine Heimath mehr ... Lydia ! Ich liebe Dich grenzenlos - « Unwillkürlich war Adam doch wieder wärmer , ehrlicher , natürlicher geworden . Da lag er in einem eleganten Cabinet zu den Füßen einer schönen Frau ... und er