habe , möge getrost sich melden . Eine unruhige Bewegung entstand , man wechselte Flüsterreden . » Nun ? « fragte der Komiteherr aufmunternd . Da sagte eine Stimme aus der Menge : » Wat de Schneider Mühling uns segt hätt ' , wär ok nich von Papp ' ! « Nämlich als vor vierzehn Tagen der Sozialdemokrat hier geredet hatte - es war dasselbe Bild gewesen , bis auf die Gestalt des Redners - jubelten die guten Mittelbacher diesem ebenso zu wie heute der Rede des Grafen . Die Wahlagitationsreden hatten für sie zunächst den Wert einer Unterhaltung , einer außerordentlichen Unterbrechung des Werktagseinerlei . » Aber eure Urteilskraft , meine Freunde , wird unterscheiden können zwischen den Phrasen seiner und den thatsächlichen Daten meiner Rede ! « rief Taiß . Wieder murmelten die Leute unter einander , und endlich erhob sich das geflüsterte Bedenken , die heimliche Sorge zum lauten Wort . Der Name Fannys wurde gehört . Was sie von der Sache dächte , wollte man wissen . Graf Taiß geriet in keine geringe Verlegenheit , er kannte Fannys unbegrenzten Einfluß , er wußte , daß sie ein Ansehen genoß , wie kein Gutsherr weit und breit bei seinen Leuten . Er antwortete , daß Frau Förster es abgelehnt habe , sich in dieser Sache zu äußern , weil ihr als Frau das nicht zustehe , er verwünschte innerlich die Gegenwart von Fannys Hausgenossen , ohne welche er wohl gewagt haben würde , Fannys Namen geschickt zu verwerten . Ob der Baron nicht sagen könne , wie die Herrin denke . Nein , auch Lanzenau wußte nichts zu sagen . Joachim , der plötzlich von dem Wunsch angestachelt war , zu sehen , wie Fanny sich aus der Affaire ziehen würde , flüsterte seinem Nebenmann zu , man solle doch hingehen und sie fragen . Nach einer Minute war dies das laute Geschrei , niemand wußte , wer es zuerst gesagt , der Gedanke schien in allen entstanden . Joachim drängte sich durch die Menge und sprang , so schnell ihn seine Füße trugen , zum Schloß hinüber . Hier fiel er wie eine Bombe in die Gesellschaft der Frauen , die mit Magnus um den Tisch saßen . Magnus als Weltverbesserer und Philosoph , warm von der Universität , träumte von einem freien Zukunftsstaat , wie solcher allezeit nur in jungen Köpfen existirt , und hielt es demzufolge für unter seiner Würde , der » Volksverdummungs- und Verknechtungsrede « des Grafen zu lauschen ; aber davon sagte Magnus wohlweislich nichts . » Was ist ? « rief Fanny erschreckt . » Sie kommen , sie kommen ! « sagte Joachim . » Wer ? « » Die Leute ! Sie sollen sagen , wer zu wählen sei , Graf Schmettow oder Schneider Mühling . « Adrienne und Severina lachten , ebenso Magnus , die Pastorin faltete entsetzt die Hände . Fanny erhob sich , den Ausdruck allergrößten Mißbehagens im Gesicht . » Das ist stark . Gegen meinen bestimmten Willen ! « sagte sie . » Vox populi , « meinte Joachim lächelnd . » Gnädige Frau , « rief der Diener , auf die Terrasse eilend , » gnädige Frau , der Hof ist voll von Leuten , man will Sie sprechen ! « » Ich bin nicht zu sprechen ! « rief Fanny in höchstem Zorn . » Aber , teure Frau , jeder Widerstand ist nutzlos , das ganze Dorf ist eben zu sehr gewöhnt , nichts ohne Ihr letztes Wort zu thun , Sie sind jahraus jahrein immer auf ihre Interessen eingegangen , aus der Gewohnheit ist ein Recht geworden , nun fordert man , was Sie ursprünglich nur schenkten - Ihr reiferes Urteil , « sprach Joachim zuredend . » Aber in diesen Dingen will ich keins haben , « sagte Fanny verzweifelt , » wenigstens keins , das über den Kreis meiner Lebensgenossen hinausdringt . « » Kommen Sie , Ihre Klugheit wird das rechte Wort finden . « Joachim nahm ihren Arm und legte ihn in den seinen . Er führte Fanny durch Saal und Flur nach vorn . Auf dem Beischlag ergab sich ein natürlicher Standpunkt für die unfreiwillige Heldin dieses seltsamen Vorganges . Vor dem Beischlag stand Taiß mit seinen Begleitern und lächelte Fanny zu - wie sie ihm später vorwarf - diabolisch schadenfroh . Hinter Fanny drängten sich Adrienne , die Pastorin , Magnus , Severina und Joachim . Letzterer konnte heimlich die Hand des jungen Mädchens fassen . Warm fühlte er das Klopfen ihrer Pulse in seinen Fingern , und fester und fester umschlossen diese die kleine , heiße Hand , während sein Auge an Fannys Gestalt und Antlitz hing , welch letzteres ihm nie so stolz und bedeutend erschienen war als in diesem Augenblick . Adrienne lehnte an der niedern Mauer des Beischlags . Mußte Magnus sich so zu ihr drängen , wenn er etwas sehen wollte ? Sie zitterte und verharrte still . Der Pastorin jedoch entging es nicht , daß Magnus der blassen Frau zu nahe kam , sie zupfte ihn mahnend am Rock , worauf er einen verzweifelten Seufzer ausstieß . Auf dem Hofe war es so dunkel , wie es an solchem Spätsommerabend nur irgend sein kann , aber vorn auf die Mauern des Beischlags stellte der Diener ungeheißen die schnell entzündeten zehnkerzigen Tafelleuchter , aus den Scheunen und Ställen rechts und links am Hofe trugen die Knechte schleunigst Stalllaternen herbei , die , hoch auf Heugabeln getragen , hin und her baumelten . So entstand eine phantastische Halbbeleuchtung , welche die versammelten paar Dutzend Menschen als eine unabsehbare Schar erscheinen ließ , nur Fanny stand im grellen Licht . Ihr Gesicht war bleich , sie sah kühl über die Menge hin und fragte : » Was wollt ihr ? Was soll der Aufzug ? « Ihre Altstimme hallte über den nächtlichen Raum und wurde in den fernsten Ecken gehört . » Wir wollen wissen , ob wir konservativ oder