freue , denn sie war mein Glück . Wenn ich nun dafür zahlen muß , so zahle ich gern . Du hast nicht gekränkt , nicht verletzt , nicht beleidigt , oder doch höchstens das , was die Menschen Anstand nennen und gute Sitte . Soll ich mich darum grämen ? Nein . Es rückt sich alles wieder zurecht , auch das . Und nun komm und laß uns umkehren . Sieh nur , wie die Nebel steigen ; ich denke , Frau Dörr ist nun fort und wir treffen die gute Alte allein . Sie weiß von allem und hat den ganzen Tag über immer nur ein und dasselbe gesagt . « » Und was ? « » Daß es so gut sei . « Frau Nimptsch war wirklich allein , als Botho und Lene bei ihr eintraten . Alles war still und dämmerig , und nur das Herdfeuer warf einen Lichtschein über die breiten Schatten , die sich schräg durch das Zimmer zogen . Der Stieglitz schlief schon lange in seinem Bauer , und man hörte nichts als dann und wann das Zischen des überkochenden Wassers . » Guten Abend , Mutterchen « , sagte Botho . Die Alte gab den Gruß zurück und wollte von ihrer Fußbank aufstehen , um den großen Lehnstuhl heranzurücken . Aber Botho litt es nicht und sagte : » Nein , Mutterchen , ich setze mich auf meinen alten Platz . « Und dabei schob er den Schemel ans Feuer . Eine kleine Pause trat ein ; alsbald aber begann er wieder : » Ich komme heut , um Abschied zu nehmen und Ihnen für alles Liebe und Gute zu danken , das ich hier so lange gehabt habe . Ja , Mutterchen , so recht von Herzen . Ich bin hier so gern gewesen und so glücklich . Aber nun muß ich fort , und alles , was ich noch sagen kann , ist bloß das : es ist doch wohl das beste so . « Die Alte schwieg und nickte zustimmend . » Aber ich bin nicht aus der Welt « , fuhr Botho fort , » und ich werde Sie nicht vergessen , Mutterchen . Und nun geben Sie mir die Hand . So . Und nun gute Nacht . « Hiernach stand er schnell auf und schritt auf die Tür zu , während Lene sich an ihn hing . So gingen sie bis an das Gartengitter , ohne daß weiter ein Wort gesprochen worden wäre . Dann aber sagte sie : » Nun kurz , Botho . Meine Kräfte reichen nicht mehr ; es war doch zuviel , diese zwei Tage . Lebe wohl , mein Einziger , und sei so glücklich , wie du ' s verdienst , und so glücklich , wie du mich gemacht hast . Dann bist du glücklich . Und von dem andern rede nicht mehr , es ist der Rede nicht wert . So , so . « Und sie gab ihm einen Kuß und noch einen und schloß dann das Gitter . Als er an der andern Seite der Straße stand , schien er , als er Lenens ansichtig wurde , noch einmal umkehren und Wort und Kuß mit ihr tauschen zu wollen . Aber sie wehrte heftig mit der Hand . Und so ging er denn weiter die Straße hinab , während sie , den Kopf auf den Arm und den Arm auf den Gitterpfosten gestützt , ihm mit großem Auge nachsah . So stand sie noch lange , bis sein Schritt in der nächtlichen Stille verhallt war . Sechzehntes Kapitel Mitte September hatte die Verheiratung auf dem Sellenthinschen Gute Rothenmoor stattgefunden , Onkel Osten , sonst kein Redner , hatte das Brautpaar in dem zweifellos längsten Toaste seines Lebens leben lassen , und am Tage darauf hatte die Kreuzzeitung unter ihren sonstigen Familienanzeigen auch die folgende gebracht : » Ihre am gestrigen Tage stattgehabte eheliche Verbindung zeigen hierdurch ergebenst an Botho Freiherr von Rienäcker , Premierlieutenant im Kaiser-Kürassier-Regiment , Käthe Freifrau von Rienäcker , geb . von Sellenthin . « Die Kreuzzeitung war begreiflicherweise nicht das Blatt , das in die Dörrsche Gärtnerwohnung samt ihren Dependenzien kam , aber schon am andern Morgen traf ein an Fräulein Magdalene Nimptsch adressierter Brief ein , in dem nichts lag als der Zeitungsausschnitt mit der Vermählungsanzeige . Lene fuhr zusammen , sammelte sich aber rascher , als der Absender , aller Wahrscheinlichkeit nach eine neidische Kollegin , erwartet haben mochte . Daß es von solcher Seite her kam , war schon aus dem beigefügten » Hochwohlgeboren « zu schließen . Aber gerade dieser Extraschabernack , der den schmerzhaften Stich verdoppeln sollte , kam Lenen zustatten und verminderte das bittere Gefühl , das ihr diese Nachricht sonst wohl verursacht hätte . Botho und Käthe von Rienäcker waren noch am Hochzeitstage selbst nach Dresden hin aufgebrochen , nachdem beide der Verlockung einer neumärkischen Vetternreise glücklich widerstanden hatten . Und wahrlich , sie hatten nicht Ursache , ihre Wahl zu bereuen , am wenigsten Botho , der sich jeden Tag nicht nur zu dem Dresdener Aufenthalte , sondern viel mehr noch zu dem Besitze seiner jungen Frau beglückwünschte , die Capricen und üble Laune gar nicht zu kennen schien . Wirklich , sie lachte den ganzen Tag über , und so leuchtend und hellblond sie war , so war auch ihr Wesen . An allem ergötzte sie sich , und allem gewann sie die heitre Seite ab . In dem von ihnen bewohnten Hotel war ein Kellner mit einem Toupet , das einem eben umkippenden Wellenkamme glich , und dieser Kellner samt seiner Frisur war ihre tagtägliche Freude , so sehr , daß sie , wiewohl sonst ohne besonderen Esprit , sich in Bildern und Vergleichen gar nicht genugtun konnte . Botho freute sich mit und lachte herzlich , bis sich mit einem Male doch etwas von Bedenken und selbst von Unbehagen in sein Lachen einzumischen begann . Er nahm nämlich wahr , daß sie