das Gift wäre , würde ich davon trinken ? Seht her ! Ich trinke ! « Er erbat sich das Fläschchen vom Doktor und tat einen Schluck daraus : » Nun seht , ich habe getrunken und befinde mich wohl und werde mich morgen auch noch wohlbefinden . « Ein wenig stutzten die Bauern , sahen den Schulmeister scheel an , traten näher zusammen und wisperten miteinander . » Was meint ihr ? Was sagt ihr ? « fragte Habrecht . Barosch seufzte , schüttelte den Kopf , verzog den breiten schmunzelnden Mund . » Ja « , brachte er endlich hervor , » ja , das ist keine Kunst - jetzt ist freilich nichts Giftiges mehr drin . « » Wieso ? Es ist dasselbe Fläschchen , und was früher drin war , ist noch drin , das heißt ein bißchen weniger . « » Ja , das Giftige , das war schon weggetrunken , das hat der Bürgermeister beim ersten Zug bekommen ... Das Giftige ist das Leichtere und schwimmt oben . « » Schwimmt oben ! « wetterte Peter , und der Schulmeister sprang mehrmals empor vor Zorn und Entrüstung . » Sie hören , Sie hören ! « rief er dem Pfarrer zu . Der Geistliche behielt immer seine leidende Miene und seinen Gleichmut und erwiderte die Anrufung Habrechts nur mit einer bedauernden Gebärde . Der Gendarm stand unbeweglich und strahlte knirschend Hitze aus ; der Doktor hingegen verlor die Geduld . Er , dem man nachsagte , daß er mit seinen Worten so sparsam sei , als ob ihn jedes einen Guldenzettel koste , brach in eine Rede aus : » Oh , du nie überwundene , ewig triumphierende Dummheit ! ... Das Giftige ist das Leichtere und schwimmt oben . - Da haben wir ' s , da wissen wir ' s , bleiben wir nur gleich dabei , eines Besseren überzeugen kann uns ohnehin keine Macht der Welt . Und wenn der Allweise selbst vom Himmel herunterstiege und sich aufs Beweisen und Widerlegen einlassen wollte , er hätte den Weg umsonst gemacht . « Die Bauern hörten diese Anklage an , ohne recht zu wissen , was sie daraus machen sollten ; aber mit steigendem Entzücken hatte Pavel ihr gelauscht . Der Doktor staunte über das Verständnis , das ihm sieghaft und wonnevoll aus den fest auf ihn gerichteten Augen des Jungen entgegenleuchtete . Dieser hatte zum erstenmal in seinem Leben den Kopf stolz und gerade emporgehoben , sog jedes Wort des Doktors wie eine köstliche Labe förmlich in sich hinein und schlug , als das letzte gesprochen war , ein wildes , herausforderndes Gelächter auf . Da brach die Empörung über ihn los . Kohautek vermochte im ersten Augenblick nichts zu seinem Schutze ; trotz verzweifelter Gegenwehr wurde Pavel niedergeworfen , mißhandelt , mit Füßen getreten . Der Gendarm mußte seine ganze Autorität und Anton , der sich ihm zur Seite stellte , die ganze Kraft seiner Fäuste aufbieten , um den Jungen den Ausbrüchen der sinnlosen Wut seiner unbefugten Richter zu entreißen . Eine rasche , kurze Beratung mit dem Geistlichen , dem Lehrer und dem Doktor , und Kohautek beschloß , Pavel mitzunehmen aufs Gericht . » Ich tu ' s nicht « , rief er , » weil ich ihn für schuldig halte ; ich tu ' s , weil ihr Bestien seid , vor denen ich ihn in Sicherheit bringen will . Spann einer ein . « » Ich « , schrie Peter , » ich führ ihn « , und war mit einem Sprung aus dem Zimmer . Der Geistliche warf einen Blick durch das Fenster . Vor dem Hause hatten sich Gruppen gebildet , welche dem auf die Straße herunterdringenden Lärm horchten und einzelne Worte , die zu unterscheiden ihnen möglich gewesen , in großer Aufregung nachsprachen . Die Bewegung stieg aufs höchste , als Peter mit seinem Wägelchen gefahren kam und der Gendarm mit Pavel und dem Lehrer , der den Jungen auf seinem schweren Gange nicht verlassen wollte , in der Tür des Doktorhauses sichtbar wurden . Habrecht stieg zu Peter auf den vorderen Sitz , auf dem rückwärtigen nahm der Gendarm neben dem Delinquenten Platz . Flüche , drohende Mienen und Gebärden begleiteten das davonrollende Gefährt . Peter lenkte es so langsam durchs Dorf , daß die sämtliche Straßenjugend Zeit hatte , sich ihm anzuschließen und ihm das Geleite zu geben . Sie tat es unter Jubeln und Jauchzen . » Da fahrt er ! « schrie eine Stimme aus der Rotte ; » da fahrt er ! « schallte es im Chor . » Wohin fahrst ? « rief ein kleiner , verwachsener Fratz , und ein bildhübsches Häuslerkind , ein blauäugiges Mädchen , eines der lustigsten in der verwegenen Bande , an deren Spitze Pavel einst auf Holzdiebstahl in den Wald gezogen war , lachte zu ihm hinauf : » Fahrst zum Vater oder zur Mutter ? « Die ausgegebene Parole pfiff in unzähligen Wiederholungen durch die Luft , immer ärger wurde das Treiben , und endlich hieb Peter auf Befehl des Gendarmen mit der Peitsche in die vor Schadenfreude und Lust am Quälen berauschte Schar . Sie schien sich zu verlaufen , schlug aber nur einen kürzeren Weg ein und faßte Posto hinter einer Johannisstatue , die zwischen Bäumen am Ende des Dorfes stand . Als das Wäglein dort ankam , wurde es mit lautem Hallo und einem Hagel von Erdklumpen und Steinen empfangen . Kohautek fluchte , Peter trieb die Pferde an , Habrecht zog den Rock über die Ohren , Pavel saß regungslos . Erst als das Gefährt auch seinen ausdauerndsten Verfolgern entronnen war , bückte er sich und warf die Steine , die in den Wagen gefallen waren , ruhig hinaus , alle bis auf den letzten , den kleinsten , den betrachtete er aufmerksam und nachdenklich und steckte ihn dann in die Tasche . » Was willst du mit dem Steine ? « fragte der Gendarm