Sand . Aber nun Trab , daß wir warm werden und vorwärts kommen . « Und im Fluge ging es weiter über das Plateau hin , abwechselnd an Bäumen und Felszacken und dann wieder an Kreuzwegen und Wegweisern vorüber . An einem stand : » Nach dem Hexentanzplatz « , und St. Arnaud wies darauf hin und sagte : » Wollen wir einen Contre mitmachen ? Oder bist du für Extratouren ? « Es klang übermütig und spöttisch , und sie bog sich bei seiner Annäherung unwillkürlich zur Seite . Der Oberst aber war in der Laune , sich gehenzulassen , und fuhr in dem einmal angeschlagenen Tone fort : » Sieh nur , wie das Mondlicht drüben auf die Felsen fällt . Alles spukhaft ; lauter groteske Leiber und Physiognomien , und ich möchte wetten , alles , was dick ist , heißt Mönch , und alles , was dünn ist , heißt Nonne . Wahrhaftig , Herr von Gordon hatte recht , als er den ganzen Harz eine Hexengegend nannte . « Gleich danach waren sie bis an den Vorsprung gekommen , von dem aus sich der Plateauweg wieder senkte . Die Pferde wollten in gleicher Pace vorwärts , aber ihre Reiter , überrascht von dem Bilde , das sich vor ihnen auftat , strafften unwillkürlich die Zügel . Unten im Tal , von Quedlinburg und der Teufelsmauer her , kam im selben Augenblicke klappernd und rasselnd der letzte Zug heran , und das Mondlicht durchleuchtete die weiße Rauchwolke , während vorn zwei Feueraugen blitzten und die Funken der Maschine weit hin ins Feld flogen . » Die Wilde Jagd « , sagte St. Arnaud und nahm die Tête , während Gordon und Cécile folgten . Sechzehntes Kapitel Als sich unsere Reiter eine Viertelstunde später dem Hotel näherten , sahen sie deutlich , daß der letzte Zug viel Gäste gebracht haben mußte , denn der große , nach der Parkwiese hinaus gelegene Balkon zeigte noch das bunteste Leben . Alles stand in Licht , und in dem Lichte hin und her bewegten sich die Kellner . Einer trug eine große , hoch aufgebaute Teemaschine , was zweifellos bedeutete , daß Engländer oder Holländer angekommen sein mußten . » Sieh , Pierre « , sagte Cécile , die sich angesichts dieses lachenden Bildes rasch wieder erheiterte . » Das ist hübsch , daß wir noch Leben vorfinden . « Und gleich danach hielten alle drei vor dem Vorbau , hoben sich aus den Sätteln und traten in das Vestibül . Eine Welt von Koffern und Reisetaschen lag hier bunt durcheinander , und als Cécile die Treppe hinaufstieg , tat ihr die Wärme wohl , die die Gasflammen ausstrahlten . » Ich denke , wir nehmen den Tee noch gemeinschaftlich auf dem Balkon . Nicht wahr , Herr von Gordon ? « Und wirklich , binnen kürzester Frist saßen unsere Freunde mit unter den Gästen , und zwar an demselben Tisch , an dem sich ihre Bekanntschaft , vor wenig Tagen erst , eingeleitet hatte . Cécile , die sich inzwischen umgekleidet , trug , halb vorsichts- , halb eitelkeitshalber , ein mit Pelz besetztes Jacquet , das ihr vortrefflich stand und mit dazu beitrug , sie zum Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit zu machen . Nichts davon entging ihr , und ihre wohlige Stimmung wuchs bis zu dem Moment hin , wo sie , nach eingenommenem Tee , den nur noch von wenig Gästen besetzten Balkon am Arme St. Arnauds verließ . Es schlug elf vom Dorfe her , als Gordon in sein einfaches , im linken Flügel gelegenes Zimmer trat , um sich ' s hier , wie seine Gewohnheit war , schon vor dem Schlafengehen in einer Sofaecke bequem zu machen . Er war aber noch viel zu sehr bestürmt und aufgeregt , um sich dieser Bequemlichkeit länger als eine Minute hingeben zu können , und so stand er wieder auf , um zu dem schon offenstehenden Fensterflügel auch noch den zweiten zu öffnen . Unter ihm lag ein mit Levkojen und Reseda besetztes Rondel , und er sog den in einem starken Strom heraufziehenden Duft begierig ein . Alles war still ; die Bosquets , die den Gartenstreifen einfaßten , standen in tiefem Schatten , und nur an einer einzigen , dem Zimmer der St. Arnauds gegenübergelegenen Stelle zeigte sich der Schatten durch einen Lichtstreifen unterbrochen . Gordon sah darauf hin , als ob er die Geheimnisse der kleinen Welt , die Cécile hieß , aus diesem Lichtstreifen herauslesen wolle . Dann aber überkam ihn ein Lächeln , und er sagte zu sich selbst : » Ich glaube gar , ich werde der Narr meiner eigenen Wissenschaft und verfalle hier in Spektralanalyse . Poor Gordon ! Die Sonne mag ihre Geheimnisse herausgeben , aber nicht das Herz . Und am wenigsten ein Frauenherz . « Unter solchem Selbstgespräche trat er vom Fenster zurück und ließ alles , was der Tag gebracht , noch einmal an seiner Seele vorüberziehen . Wieder vernahm er das heitere Lachen , mit dem sie bei Tisch die Schmerlen-Reime begleitet hatte , wieder sah er das mondbeschienene Plateau , darauf sie heimritten , hörte wieder das langgedehnte » Ja « , das doch ein kurzes » Nein « war , und fühlte noch einmal den erwidernden Druck ihrer Hand . Und dabei kehrten ihm alle Betrachtungen und Fragen zurück , denen er schon in seinen Zeilen an die Schwester Ausdruck gegeben hatte . » Was ist es mit dieser Frau ? So gesellschaftlich geschult und so naiv ! Sie will mir gefallen und ist doch ohne rechte Gefallsucht . Alles gibt sich mehr aus Gewohnheit als aus Coquetterie . Sie hat augenscheinlich in der vornehmen Welt gelebt , vielleicht in einer allervornehmsten , und hat Auszeichnungen und Huldigungen erfahren , aber wenig echte Neigung und noch weniger Liebe . Ja , sie hat ein Verlangen , eine Sehnsucht . Aber welche ? Mitunter ist es , als sehne sie sich , von einem Drucke