dazu verwendet , uns kleinen Nesthüpfern das Handwerk beizubringen , leitete uns an zu allerlei Schabernack und ließ sich unablässig bestürmen , aus unsern Feldflaschen zu trinken , was er mit scharfer Kritik des Inhaltes tat . Wir waren stolz , keinen der Schulmänner bei uns zu haben , welche die große Kolonne begleiteten , und hörten andächtig die Kriegsabenteuer , so uns der alte Soldat erzählte . Zur Mittagszeit machte der Zug in einem sonnigen unbewohnten Talkessel halt ; der wilde Boden war mit vielen einzelnen Eichen besetzt , um welche sich das junge Volk lagerte . Wir Leute der Vorhat aber standen auf einem Berge und schauten zufrieden auf das fröhliche Gewühl hinunter . Wir waren still geworden und schlürften den stillen glanzvollen Tag ein ; der alte Feldwebel lag froh an der Erde und blinzte in den ruhevollen Horizont hinaus , über blaue Ströme und Seen hin . Obgleich wir noch nichts von landschaftlicher Schönheit zu sagen wußten und einige vielleicht in ihrem Leben nie dazu kamen , fühlten wir alle doch ganz die Natur , und das um so mehr , als wir mit unserm Freudenzuge eine würdige Staffage in der Landschaft bildeten , selbst handelnd darin auftraten und daher der empfindsamen Sehnsucht untätiger Naturbewunderer enthoben waren . Denn ich habe erst später erfahren und eingesehen , daß das müßige und einsame Genießen der gewaltigen Natur das Gemüt verweichlicht und verzehrt , ohne dasselbe zu sättigen , während ihre Kraft und Schönheit es stärkt und nährt , wenn wir selbst auch in unserm äußern Erscheinen etwas sind und bedeuten ihr gegenüber . Und selbst dann ist sie in ihrer Stille uns manchmal noch zu gewaltig ; wo kein rauschendes Wasser ist und gar keine Wolken ziehen , da macht man gern ein Feuer , um sie zur Bewegung zu reizen und sie nur ein bißchen atmen zu sehen . So trugen wir einiges Reisig zusammen und fachten es an ; die roten Kohlen knisterten so leis und angenehm , daß auch unser graue und rauhe Führer vergnügt hineinsah , während der blaue Rauch dem Heerhaufen im Tale ein Zeichen unseres Aufenthaltes war ; trotz der mittäglichen Sonnenhitze schien uns die erhöhte Glut des Feuers lieblich ; wir verlöschten es ungern , als wir abzogen . Gar zu gern hätten wir einige Schüsse in die stille Luft gesandt , wenn es nicht streng untersagt gewesen wäre ; ein Knabe hatte schon geladen und mußte den Schuß kunstgerecht wieder aus dem Gewehre ziehen , was ihm so peinlich war als einem Schwätzer das Unterdrücken eines Geheimnisses . Im Scheine des Abendgoldes sahen wir endlich die befreundete Stadt vor uns , aus deren mit Blumen und grünen Zweigen bekleidetem altertümlichen Tore die so wie wir gerüstete Jugend uns entgegentrat , umgeben von den schaulustigen und freundlichen Eltern und Geschwistern . Ihre Artillerie löste uns zu Ehren eine Anzahl von Schüssen ; wir betrachteten mit kritischem Auge , wie die kleinen Kanoniere neben der Mündung mit ebenso zierlicher Verrenkung sich zurückbogen , wenn die Lunte sich dem Brander näherte , und nach dem Schusse ebenso hampelmännisch sich mit dem Wischer auslegten , wie das alles bei uns üblich war . Noch mehr Ursache zur Eifersucht gaben uns die hübschen Perkussionsgewehre , womit unsere Kameraden einherzogen , da wir selbst nur alte Steinschlösser hatten , welche sich dann und wann erlaubten zu versagen . Die Regierung dieses Kantons stand ein wenig im Geruche , in ihrem aufgeweckten Sinne für alles Gute und Schöne manchmal mehr Aufwand zu machen , als sich mit haushälterischer Bedächtigkeit vertrüge , und harte demgemäß für ihre Schuljugend solche neue Waffen beschafft zu einer Zeit , wo dergleichen erst bei größeren Militärstaaten in der Einführung begriffen waren . So hörten wir denn , während unsere Freunde uns wohlgefällig erklärten , wie bei ihnen während der Ladung die Bewegung von » Pulver auf Pfann ' « nun wegfiele , unsere erwachsenen Begleiter heimlich einen bedächtigen Tadel über solchen Aufwand aussprechen . Doch waren wir endlich ermüdet und gaben uns willig den Einladungen der Familien hin , welche sich so eifrig um unsere Beherbergung stritten , daß unsere ganze Schar in ihren offenen Armen so schnell verschwand wie ein flüchtiger Regenschauer im heißen durstigen Erdreiche . Wir sahen uns nun vereinzelt in die Mitte häuslicher Wirtlichkeit versetzt als Gegenstand festlichen Wohlwollens und belohnten diese Gastfreundschaft dadurch ; daß wir , als ob wir in Feindesland wären , beim Schlafengehen unsere Flintchen mitnahmen und neben die großen Gastbetten stellten , welche zu ersteigen wir alle unsere Turnerkünste aufbieten mußten . Das Fest des andern Tages erfüllte alle Erwartungen . Der Wetteifer ließ beide Parteien bei den Übungen gleich wohl bestehen ; gegen die Perkussionsgewehre unserer Nebenbuhler aber hatten wir einen andern Trumpf auszuspielen . Indem ihre Artillerie nämlich nur blind zu schießen gewohnt war und keine Kugeln kannte , schoß die unserige so geschickt nach dem Ziele , daß das bei solcher Gelegenheit stehende Sprichwort : » Die Kleinen machten es wahrlich besser denn die Großen ! « diesmal nicht ganz unrichtig war und die Nachbaren dem ernsthaften Richten der Geschütze verwundert zuschauten . Ein großes Festmahl , welches einige tausend junge und alte Menschen vereinigte , wurde auf einer grünen Wiese eingenommen . Beliebte Jugendfreunde hielten Tischreden und trafen in denselben das Rechte , indem sie , anstatt uns in hohlem , frühreifem Ernste zu halten , in reinem Humor den Ton unschuldiger Fröhlichkeit anstimmten , ihr Alter vergaßen , ohne kindisch zu tun , und uns dadurch desto leichter lehrten , die Freude nicht ohne Witz zu genießen . Darauf zog eine Reihe feiner Mädchen aus dem Tore an uns vorbei auf einen geebneten Rasenplatz und lud uns mit Gesang zu Spiel und Tänzen ein . Sie waren alle weiß und rot gekleidet und entfalteten sich in der lieblichsten Blüte vom kindlichen Lockenkopfe bis zur angehenden Jungfrau ; hinter dem weiten Kranze ragte manch weibliches Haupt in reifer Schönheit , um die zarten Pflänzlinge zu überwachen und bei