Töchter versorgen ? Aber ein Sohn , der das Brot erwerben lernen soll , welches Frauen nur zu backen und zu verzehren brauchen ! Ihr braver Junge ! Der reiche Mann hatte die arme Waise ihres Notpfennigs schnöde beraubt . Dabei blieb sie , und wenn Vater Blümel dagegen einwendete , der Tod sei der Kranken zuvorgekommen , ehe die Wünsche ausgesprochen wurden , dann rief seine Hanna aufgebracht : » Konstantin , Konstantin ! die Menschheit kennst du , aber den Menschen kennst du nicht . Warum geht der Amtmann dir aus dem Wege , sucht , statt wie sonst bei uns , Rat und Tat bei allerlei fremdem Volk ? Warum schneidet er unserem guten Jungen ein Gesicht , schimpft ihn einen zudringlichen Bengel und gibt ihm einen Rippenstoß ? Versündige dich nur einmal an einem Unschuldigen , und du wirst ganz gewiß sein Feind geworden sein , - das heißt , wenn du ein Mehlborn bist , « setzte sie lachend hinzu , und ihr Konstantin konnte in der Stille des Herzens ihr nicht gänzlich unrecht geben . Die Tochter war übrigens nicht besser als die einstigen Freunde mit dem Amtmann daran , obgleich ihr kein Unrecht durch ihn widerfahren und obgleich sie notgedrungen die Scheidung endlich beantragt hatte . Sie hatte nachher den Vater nur für so lange Zeit wiedergesehen , als erforderlich war , ihm ihre getroffenen Einrichtungen auseinanderzusetzen und das mütterliche Erbteil in Empfang zu nehmen . Sein Zorn , seine Drohungen prallten an ihr ab , wie ihre Vernunftsgründe an ihm ; er aber erboste sich über sie , und sie erboste sich nicht . Ärger lag so wenig wie Nachgiebigkeit in ihrer Natur . Sie tat , wie sie überzeugt war , ihre Pflicht . Sie würde ihn öfter besucht haben , aber er lud sie nicht ein ; er betrat niemals ihr Haus , selbst wenn er in ihrem Wohnorte Geschäfte hatte . Sie schrieb ihm lange Briefe , aber es war zweifelhaft , ob er sie nur las ; jedenfalls beantwortete er sie nicht . Nach allem Vorhergegangenen , - und dazu gehörte , daß durch einen Zufall der schmähliche Anlaß von seines Sohnes Tod dem Vater erst nach Jahren kund geworden , da die Tochter ihn doch von Haus aus gekannt und schweigend hingenommen , - hatte sie es gründlich bei ihm verschüttet , weil sie während der Scheidungsverhandlungen nicht die Abtretung des Gutes von ihrem Schwiegervater durchgesetzt ; eine Forderung , die bei einiger Nachgiebigkeit ihrerseits schwerlich auf Widerstand gestoßen wäre . Aber warum ihre intimste Angelegenheit mit der eigennützigen ihres Vaters verquicken ? Was verschlug ihr der Besitz von soundso viel hundert Morgen altheimischen Landes ? Sie hatte auf dem elterlichen Hofe sich niemals zu Hause gefühlt ; sie dachte an nichts weniger , als ihre Kinder zu Landwirten zu erziehen , und kaum hätte etwas ihr unverständlicher sein können , als daß der alte Bauer , ihr Vater , jetzt mehr denn je nach dem Besitztitel als nach einem Racheakt an dem verhaßten Geschlechte trachtete . Sie , Brigitte , hegte keine Rachegedanken und keinen Haß gegen eine Familie , mit welcher sie ein für allemal abgeschlossen hatte , nachdem sie ihre mütterliche Freiheit gegen jener Ansprüche durchgesetzt . Im Guten wie im Schlimmen dachten Vater und Tochter nur an sich selbst ; eine Einigung war daher nicht abzusehen . Der Pachtkontrakt von Hochwerben lief in diesem Jahre zu Ende , und keine der beiden Parteien hatte bis in den Sommer hinein einen Schritt zu seiner Erneuerung oder Kündigung getan . Der General offenbar nicht , weil er die erstere für unvermeidlich erachtete . Er hätte heute ja leichtlich die doppelte Pachtsumme erzielen können ; aber das Inventar eignete dem Amtmann , und die Schuldenlast war nicht abzuschütteln . Wohl oder übel , es mußte alles beim alten bleiben . Der Amtmann dahingegen war entschlossen , endlich kurzen Prozeß zu machen . Zu Michaelis kündigte er die Hypothek . Voraussichtlich hatte er dadurch gewonnen Spiel ; trotzte aber sein Widerpart , kam es zur öffentlichen Versteigerung , nun so erstand es Johann Mehlborn ; freilich mit schwerem Verlust ; denn den Spottpreis der Pachtung und die hohen Prozente konnte die beste eigene Bewirtschaftung nicht ersetzen . Aber er hatte seinen Willen und hatte seine Rache , und Wille und Rache sind schon das Risiko eines Geldopfers wert , zumal wenn das Opfer ein so unwahrscheinliches ist wie in gegenwärtigem Falle . Seitdem er diesen Entschluß gefaßt hatte , betrachtete Johann Mehlborn das Werbensche Hauptgut als sein unbedingtes Eigentum , war aber seltsamerweise der Aufenthalt daselbst ihm verleidet . Er wandelte , vorläufig nur in Gedanken , die Säle des Schlosses zu Kornböden , das Pächterhaus samt guter Stube zu Gesindekammern um und übersiedelte in Wirklichkeit schon vor der Ernte mit seiner Wirtschaft auf das Talgut . Das dortige Wohnhaus hieß nicht ein Schloß ; kein Edelmann hatte jemals in ihm gefaulenzt und gepraßt ; unter der dortigen Kirche ruhten keine ritterlichen Gebeine , nur die seiner Rosine und ihres Hannes , an welchen letzteren er Tag und Nacht mit wurmendem Grimme zurückdachte , nicht mehr als an einen seiner Standesehre sich opfernden Kavalier , sondern als an einen von einem Junker gemordeten redlichen Bauernsohn . Ja , um den Preis des eigenen Lebens hätte er den zurückgesetzten Erben wieder lebendig machen mögen , seitdem die vorgezogene Erbin sich in schnödem Hochmut von dem Vater abgewendet hatte . Und wahrlich ein hoher Preis wäre es nicht gewesen , den er für die Erweckung des guten Jungen gezahlt haben würde . Johann Mehlborn hatte keine Freude am Leben mehr als höchstens die , anderer Lebensfreude zu verkümmern und vergällen . Sobald er nur erst Herr beider Werben hieß , würde er sich willig in die Gruft zu seiner Rosine und ihren Hannes haben tragen lassen . Es war in der Morgenfrühe nach einem gestrigen Unwetter , dem der erwähnte Regenbogen folgte , nicht der erste , welcher vor