; dazu liebte er ihn viel zu sehr . So setzte er denn unverdrossen seine vergebliche Arbeit fort . Ein Entschluß hätte freilich das bevorstehende Unheil wenigstens verzögern und dem Sohne einen Teil des väterlichen Gutes retten können : man hätte Rondsperg verpachten müssen . Aber bei dem alten Grafen fand das Wort » Verpachtung « ebensoviel Anklang wie bei jedem unumschränkten Herrscher das Wort » Konstitution « . Ronald sprach es einmal aus und - niemals wieder . Regula Heißenstein war von diesen Verhältnissen genau unterrichtet . Der ehemalige Direktor von Rondsperg hatte sich in Weinberg ein nettes Haus gebaut und lebte dort in behaglichem Wohlstande . Er traf Schimmelreiter oft beim » Grünen Baum « und sprach gern mit ihm von dem Schauplatze seiner einstigen Taten . Er war ein gutmütiger Mann und bewahrte auch den gnädigen Herrschaften , die er fünfundzwanzig Jahre lang , soviel es irgend an ihm lag , bestohlen hatte , ein freundliches Interesse . Dem Sekretär Regulas gegenüber ließ er es an zarten Winken nicht fehlen , welch ein verdienstliches Werk es wäre , den braven jungen Grafen aus aller Not zu retten , indem man ihm zu einer reichen Heirat verhülfe . » Ein Goldfischchen wie das Fräulein Heißenstein , das wäre halt was für ihn ! « sagte der Direktor mit einem diplomatischen Lächeln . » Ein adeliger , schöner Mann , wie der Graf von Rondsperg , das wäre was für sie ! « erwiderte der Sekretär und schmunzelte auf das verbindlichste . Die beiden Ehestifter machten einen Überschlag der Kosten , die erforderlich wären , um Rondsperg wieder ertragsfähig zu machen , die verpfändeten Grundstücke einzulösen , die eingestürzten Wirtschaftsgebäude aufzurichten , den fundus instructus zu erneuern ; und eine Stunde später teilte schon der Herr Sekretär seinem Fräulein die Ergebnisse dieser Berechnungen mit . Sie nahm seinen Bericht gleichgültig entgegen , wie etwas , das sie gar nicht kümmerte , begab sich aber flugs an ihren Schreibtisch und begann sofort auf eigene Hand eifrigst zu rechnen . Sie fand , zu ihrer lebhaften Befriedigung , daß die Summe , um die sich ' s handeln würde , so ansehnlich sie auch war , doch kaum ein Viertel ihres mobilen Vermögens betrug . Dieses Resultat versetzte sie in so gute und unternehmende Laune , daß sie noch selbigen Tages an Ronald schrieb , um ihm für die Teilnahme zu danken , die er ihr bei Gelegenheit des Todes ihrer unvergeßlichen Mutter ausgesprochen hatte . Ihr Brief war mit all der Zurückhaltung verfaßt , die höchste Wohlerzogenheit einer jungen Dame einem jungen Herrn gegenüber auferlegt ; der Stil wie gedrechselt , die Schrift wie gestochen . Es war ein Muster von einem Briefe und konnte nicht verfehlen , auf Ronald und seine Eltern , denen der Empfänger ihn doch gewiß mitteilen würde , den besten Eindruck hervorzubringen . Eine Danksagung dürfte kaum ausbleiben , und Regula nimmt sich vor , dieselbe nicht unbeantwortet zu lassen . Die Korrespondenz kommt in Gang , es folgt wohl einmal eine persönliche Begegnung . Die Kapitalistin erkundigt sich freundlich nach den Erfolgen der Tätigkeit des Landwirtes . Vertrauen belohnt ihre Teilnahme . Sie - in ausnehmend delikater Weise - bietet Hilfe . Er - nicht minder delikat - zögert anfangs und - gibt endlich nach : » Unter einer Bedingung mein Fräulein ! ... die Hand , von der ich annehme , muß mein werden ! « - » O Herr Graf - Sie mißverstehen - Sie verkennen vielleicht die uneigennützige Absicht ... « - » Kein Wort weiter , Edelste ! ... « Sein Schnurrbart ruht auf ihren Fingerspitzen ; - der Rest ist Schweigen - Soll und Haben finden sich . Während Regula von der Eroberung Ronalds träumte , träumten alle spekulativen Junggesellen und alle noch heiratsfähigen Witwer in Weinberg von dem Glück , die Erbin heimzuführen . Der eine tat es mit mehr , der andere mit weniger Zuversicht ; doch kam jedem , wenn auch nur in einem Augenblicke des Übermuts , der Gedanke , die Heißensteinschen Reichtümer seien bestimmt , von ihm eingeheimst zu werden . Regula sah sich bald von einem Heere huldigender Freier umschwärmt , die nichts so emsig suchten als die Gelegenheit , ihr Beweise der Ehrfurcht und Bewunderung zu geben und den heißen Wunsch an den Tag zu legen , der Alleinstehenden ihren Schutz angedeihen zu lassen und sich ritterlich zwischen sie und die Fährlichkeiten der bösen Welt zu werfen . Das korrekte Fräulein empfing selbstverständlich keine Herrenbesuche ; nur an drittem Orte war sie für ihre männlichen Sklaven zu treffen . Um so eifriger wurde sie von dem weiblichen Anhang ihrer Bewerber , von deren zärtlichen Müttern , Schwestern und Basen belagert . Diese ließen es nicht fehlen an der ausbündigsten Schmeichelei , und Regel sog dieses gefährliche Gift mit immer wachsendem Wohlgefallen ein . Wie schoß jetzt ihre bereits von Frau Nannette zärtlich gepflegte Eitelkeit in die Blüte ! Wie trugen die Verhältnisse dazu bei , ihren Durst nach Lob zu erhöhen ! Sie war die unumschränkte Herrin ihrer werten Person , es galt nicht erst einen bärbeißigen Vater , eine launische Mutter , einen einflußreichen Verwandten zu gewinnen , um sich der Ersehnten nahen zu dürfen . Kein Ausdruck der Ergebenheit ging unterwegs verloren , jedes überschwengliche Wort gelangte unmittelbar an seine richtige Adresse , der Duft jedes Weihrauchkörnleins , das ein frommer Beter um Regulas Minnesold zu verbrennen für gut fand , wurde von der Göttin selbst eingesogen . Ein Jahr nach dem Tode ihrer Mutter konnte Regula schon ebenso viele Briefe , als seitdem Tage verflossen waren , in die Lade legen , in der sie ihre teuersten Erinnerungen verwahrte . Und alle diese Briefe enthielten mehr oder minder unumwunden ausgesprochene Heiratsanträge . Von ihren Bewerbern durfte keiner sich rühmen , daß sie ihm die leiseste Hoffnung gegeben , und keiner sich beklagen , daß sie ihm die kühnste Hoffnung genommen habe . Sie hatte niemals an eine andere Verbindung