ein in lebhafter Erregung , die lieblichen Wangen gerötet , eine Flechte des dunklen Haares war losgegangen und spielte um den feinen Nacken . » Saget mir , ihr , die ihr klug seid und menschenerfahren , sagt mir , was soll ich denken ? Ich komme aus dem Schiff . O , er hat mich nie geliebt ! der Hochmütige , er bemitleidet , er bedauert mich ! Nein , das ist nicht das rechte Wort . Ich kann es mir nicht deuten . « Und in Tränen ausbrechend , barg sie das Haupt am Halse der Mutter . - » Was ist geschehen , Kamilla ? « fragte Cethegus . - » Schon oft , « begann sie tiefaufatmend , » spielte ein Zug um seinen Mund , sprach eine Wehmut aus seinem Auge , als sei er der tief von mir Gekränkte , als habe er uns edel zu vergeben , als habe er mir ein großes Opfer gebracht - « - » Unreife Knaben bilden sich immer ein , es sei ein Opfer , wenn sie lieben . « Da blitzte Kamillas Auge , sie warf den schönen Kopf zurück und wandte sich heftig gegen Cethegus : » Athalarich ist kein Knabe mehr und man soll ihn nicht verhöhnen . « Cethegus schwieg , ruhig die Augen senkend . Aber Rusticiana fragte erstaunt : » Hassest du den König nicht mehr ? « - » Bis zum Tode . Man soll ihn verderben , nicht verhöhnen . « » Was ist geschehen ? « wiederholte Cethegus . - » Heute stand jener rätselhafte , kalte , stolze Zug deutlicher als je auf seinem Antlitz . Ein Zufall äußerte ihn in Worten « . Wir waren eben gelandet . Ein Käfer war ins Wasser gefallen : der König bückte sich und zog ihn heraus : das Tierchen aber wehrte sich gegen die mildtätige Hand und biß mit den Zangen des Kopfes in den Finger , der ihn hielt . » Der Undankbare , « sagte ich . - » Oh , « sprach Athalarich , bitter lächelnd , und er setzte den Käfer auf ein Blatt : » man verwundet die am meisten , die am meisten für uns getan . « Und dabei flog sein Blick mit stolzer Wehmut über mich dahin . Doch rasch , als ob er zuviel gesagt , schritt er kalt grüßend hinweg . » Ich aber « , und ihre Brust wogte , ihre fein geschnittenen Lippen schlossen sich - » ich aber trage das nicht mehr . Der Stolze ! er soll mich lieben - oder sterben . « - » Das soll er , « sagte Cethegus kaum hörbar , » eins von beiden . « Neuntes Kapitel . Wenige Tage darauf wurde der Hof durch einen neuen Schritt des jungen Königs zur Selbständigkeit überrascht : er selbst berief den Rat der Regentschaft , ein Recht , das bisher nur Amalaswintha geübt . Die Regentin war nicht wenig erstaunt , als ein Bote ihres Sohnes sie in dessen Gemächer beschied , wo der König bereits eine Auswahl der höchsten Beamten des Reiches um sich versammelt habe , Goten und Römer , unter diesen Cassiodor und Cethegus . Dieser hatte zuerst beschlossen , auszubleiben , um nicht durch sein Erscheinen das Recht anzuerkennen , das sich der Knabe herausnahm : ihm ahnte nichts Gutes . Aber ebendeshalb besann er sich bald eines andern . » Ich darf der Gefahr nicht den Rücken , die Stirn muß ich ihr bieten , « sprach er , als er sich zu dem verhaßten Gang anschickte . Er fand in dem Gemach des Königs alle Geladenen bereits versammelt . Nur die Regentin fehlte noch . Als sie eintrat , erhob sich Athalarich - er trug eine langfaltige Abolla von Purpur , die Zackenkrone Theoderichs glänzte auf seinem Haupt und unter dem Mantel klirrte das Schwert - von seinem Thronsessel , der vor einer durch einen Vorhang geschlossenen Nische stand , ging ihr entgegen und führte sie zu einem zweiten höheren Stuhl , der aber zur Linken stand . Als sie sich niedergelassen , hob er an : » Meine königliche Mutter , tapfre Goten , edle Römer ! Wir haben euch hierher beschieden , euch unsern Willen kundzutun . Es drohten diesem Reiche Gefahren , die nur wir , der König dieses Reiches , abwenden konnten . « Solche Sprache hatte man aus diesem Munde noch nicht vernommen . Alle schwiegen betroffen , Cethegus aus Klugheit : er wollte den rechten Augenblick abwarten . Endlich begann Cassiodor : » Deine weise Mutter und dein getreuer Diener Cassiodor « - - » Mein getreuer Diener Cassiodor schweigt , bis sein Herr und König ihn um Rat befragt . Wir sind schlecht zufrieden , sehr schlecht , mit dem , was die Räte unsrer königlichen Mutter bisher getan haben und nicht getan . Es ist höchste Zeit , daß wir selbst zum Rechten sehn . Wir waren dazu bisher zu jung und zu krank . Wir fühlen uns nicht mehr zu jung und nicht mehr zu krank . Wir künden euch an , daß wir demnächst die Regentschaft aufheben und die Zügel dieses Reiches selbst ergreifen werden . « Er hielt inne . Alles schwieg . Niemand hatte Lust , nach Cassiodors Beispiel zu reden und dann zu verstummen . Endlich fand Amalaswintha , die diese plötzliche Energie ihres Sohnes gleichsam betäubt hatte , die Sprache wieder : » Mein Sohn , dies Alter der Mündigkeit ist nach den Gesetzen der Kaiser « - - » Nach den Gesetzen der Kaiser , Mutter , mögen die Römer sich richten . Wir sind Goten und leben nach gotischem Recht . Germanische Jünglinge werden mündig , wann sie das gesammelte Volksheer waffenreif erklärt . Wir haben deshalb beschlossen , alle Heerführer und Grafen und alle freien Männer unsres Volkes , so viele ihrer dem Rufe folgen wollen , aus allen Provinzen des Reichs zur Heeresschau zu laden nach