sich nicht erwischen . Doch schwelgt er in der Einbildung und nennt seine Mehlnocken gerne nach den Tieren des Waldes . So genießt er zum Frühstück , zum Mittagsmahle , zum Abendbrot nichts als Hirschen , Füchse , Spatzen , und wie er seine Mehlnudeln schon tauft . - Mich hat ein junger Mann eines Freitags zu einem » Hirschen « eingeladen . Ei , denke ich , der hält den Fasttag nicht , das ist sicher der Evangelischen einer , die von den Bauernkriegen her in den Alpen zurückgeblieben sein sollen . Aber jene » Hirschen « sind harmlose Mehlküchlein gewesen . Achtzehn Groschen Arbeitslohn des Tages , das ist schon eine gute Zeit ; mancher Wäldler hat sich davon ein Häuschen , Weib und Kind und eine Ziege angeschafft . Das ist dann ein eigener Herd , da kommt zu dem Mehlgerichte noch eine fette Ziegenmilchsuppe , und zu der Suppe ein Häuflein schreiender Rangen - da geht ' s schon hoch her ! Indes ist der Aufwand in der Waldhütte nicht übertrieben . Es wird zum Glücke von braven Familienvätern nicht viel verlangt . » Jo , won ma ' s holt hot , Kon ma lebn noch sein Gschmock , Für die Kinder a Brot Und für mih an Tabok ! « heißt ein Lied des Waldhäuslers . Andere freilich , und wohl die meisten , ertränken ihr Erworbenes und ihre anspruchslose Zufriedenheit im Branntwein . Solche Junggesellen wohnen zusammen zu Dutzenden in einer einzigen Hütte , kochen ihr Mahl an einem gemeinsamen Herd , der in der Mitte der Klause steht . An den Wänden ringsum sind die Strohlager aufgestellt . In jeder Hütte haben sie einen » Goggen « und einen » Thomerl « ; der Gogg ist ein Holz- und Eisengestell auf dem Herde , welches die Kochpfannen über dem Feuer hält - es sind deren oft ein Halbdutzend um die Flammen aufgerichtet . Der Thomerl ist ein Mensch , der aber auch Hansl oder Lippl , oder wie er will , heißen kann , aber gewöhnlich einen großmächtigen Kopf , hohe Achseln und kurze Füße hat , der die Hände gerne bis zu den Knien hinabhängen läßt und allweg grinst und lächelt , ohne daß er selbst weiß , warum . Er ist das Stubenmädchen , der Küchenjunge , der Holz- und Wasserträger , allfällig der Ziegenhirt , die Zielscheibe für ledige Späße und - die Hausehre . Jede ordentliche Holzknechthütte muß einen Thomerl haben . Ferner sind in der Holzknechthütte in irgendeinem Winkel , unter irgendeiner Diele stets geladene Kugelstutzen verborgen . Der Werktagsanzug der Holzschläger hat keinen ausgeprägten Grundzug ; er ist zum Teile ein zerfasertes Lodengewebe , zum Teile ein mattfarbiges Strickwollenzeug , zum Teile eine hornähnliche Lederrinde , alles mehr oder minder mit Harz überklebt , ausgiebig den inneren Menschen verdeckend . Das Wahrzeichen aber ist der hohe , gelblich grüne Hut mit dem Federbusche . Der Federbusch muß wohl in Ordnung sein , daran hängt , weiß Gott , eine Wilderer- oder Liebesgeschichte oder ein » saggerisch Raufen « . Aber wenn einmal die Kirchweih kommt ! - Die Kirchweih muß es sein , denn Sonntage gibt ' s hier nicht , fehlt ja doch des Sonntags Herz - die Kirche . Zur Kirchweih ziehen sie hinaus zu den ferneren Orten , und da sind sie angetan , diese rauhen Waldmenschen , mit Frack und » Zylinder « ; - ' s ist kaum zu glauben . Aber der Frack ist ja aus grobem Loden , mit grünem Tuche verbrämt ; ganze Bäumchen aus grünem Tuche geschnitten , prangen am Rücken über den Schößen und an den Ärmeln , und große Messingknöpfe leuchten in die Ferne , und ein mächtig hoher Stehkragen bildet die Feste um den Kopf , auf welchem nun der ebenfalls aus groben Haaren , aber mit einem breiten grünen Bande und funkelnder Messingschnalle , breitkrempige , oben weit ausgeschweifte Zylinder sitzt . Bis in die Alpenwildnis herein also die welsche Mode gedrungen ! Zum größten Teile sind es gutmütige Menschen ; gereizt aber können unglaublich wild werden . Da hebt ihr Blut an zu brausen , wie ein Sturmwind im Forst , und der kleinste Funken leidenschaftlicher Erregung wird zu einem Waldbrande . Die Augen dieser Waldmenschen , so tief sie stecken mögen hinter den Brauen , sind klar und glühend . Deutlich ist die Gutherzigkeit darin zu lesen und der Jähzorn . Aber fromm sind sie , schier verdächtig fromm . Jeder hat sein Weihwasserfläschel und sein Anhängsel an der Brust ; jeder betet seinen Rosenkranz , mit Einschließung » aller armen Seelen im Fegfeuer , und zur Erlangung von Geld und Gut , so nutzlos vergraben ist in der Erden « . Und jeder hat in seinem Leben zum mindesten ein Gespenst gesehen . Wie ich diese Leute bis jetzt kennen gelernt habe , ist ihnen ein blutiger Raufhandel etwas Gewöhnliches , schier Selbstverständliches , ein Totschlag nichts so Seltenes . Hingegen Diebstähle kommen nicht vor . So sind sie in den Hochwäldern . Der Holzbauer wird geboren unter dem Baume , sein Vater gibt ihm - möcht ' ich schier sagen - fast eher den Axtstiel in die Hand , als den Löffel , und anstatt nach dem Zulp greift der Kleine nach der Tabakspfeife . Wer Tabak nicht zu kaufen vermag , der macht sich ihn aus Buchenblättern . Just sonderliche Armut ist ihnen nicht angeboren . Die stille Freude kennen sie kaum ; sie fahnden nach gellender Lust . Selbst der Schmerz greift nicht recht an . Wenn einer sich mit dem scharfen Beil in das Bein fährt , so sagt er , es tät ein bißchen » kitzeln « . In wenigen Tagen ist alles wieder heil . Haut sich einer unversehens einen Finger weg , so ist das zuwider , des - Tabakfeuerschlagens wegen . Tannenharz und Pechöl , und ein alter Beinbrucharzt und Zahnbrecher sind in dieser waldschattigen Welt die ganze medizinische Fakultät . Heimweh