Es war erst August , aber ihr kamen diese Tage kürzer vor als gewöhnlich die im Winter . Bald nahm sie auch an den Gesprächen der angestellten Tagwerker lebhafteren Anteil . Selbst ein Gespräch vom Arbeiten kam ihr nicht mehr langweilig vor , und sie plauderte selbst so lebhaft mit , als ob sie dabei ganz Neues beobachtet und gedacht hätte . Am muntersten aber und gerade ausgelassen war sie am Freitag vor der Kirchweih . Einem rosenroten Morgen folgte ein ungewöhnlich heißer Vormittag . Die Berge , die man jeden Augenblick noch näher rücken zu sehen meinte , schienen alle zu lächeln , nur die zackigen Felsen schauten etwas düster drein . Und immer größer wurden die dunkeln , geisterhaft ins Tal herabschauenden Köpfe . Auf dem grünlich-roten Flor , der sich von einer Spitze zur anderen zu ziehen begann , zogen feuerrote Rosse kohlschwarze Wasserfäßchen ob das Tal herein . Hart nebeneinander beigten sie sich auf , und ein heftiger Sturmwind band sie plötzlich haufenweise zusammen und hing sie an hochaufragende Felsenköpfe fest . Das Tosen der Ach war mehr ein Pfeifen oder Schreien zu nennen . Das Mittagsläuten , vom eiskalten Wind auseinandergeworfen , war einem Sturmsignale viel ähnlicher als einer Mahnung zu Ruhe und Andacht . Und wer auch hätte jetzt Zeit gehabt zum Ruhen und Beten ? Der Pfarrer und sein Amtsgehilfe waren wohl die einzigen im Dorfe , welche sich vor dem drohenden Gewitter heim unters schützende Dach flüchten konnten . Männer , Weiber und Kinder , Krankenpfleger und Handwerker waren wie rasend dran , das am Vormittag so herrlich dürr und fest gewordene Heu noch unterzubringen , bevor der Regen es verdarb , daß nicht nur die Arbeit einer halben Woche , sondern auch die beste Kraft des lieblich duftenden Futters verloren ginge . Hier rasselten leere , dort knarrten und ächzten schwerbeladene Wagen , die , wie vom Sturme getrieben , dem geräumigen Heustadel zuschwankten . Das war ein Rennen und Jagen überall , ein Durcheinander von Befehlen und Erwiderungen , die nur noch der Eingeweihte deutlich fand , wie die Rufe des Seemanns beim Sturm . Kein Mensch ging noch seinen gewohnten Schritt . Selbst Stighans war aus der Fassung gekommen . Es jagte - oder wie man hier sagt , wenn beim Heuen ein Gewitter droht - jeuchte auch ihn so sehr als einen . Im Sprung brachte er ein Fuder heim , welches der Knecht denn doch gar zu breit und zu hoch geladen hatte . Noch hart vor dem engen Stadeltor , welches wohl für ein nicht so bedeutendes Anwesen gebaut war , knackte ein Rad , und der Wagen leerte seine allzu große Last gerade da ab , wo beim Regen , der schon näher und näher kam , auch die lange Dachrinne auszuleeren pflegte . Die , welche Hansen das Futter heimbringen halfen , wollen ihn sogar leise fluchen gehört haben , während er fortlief , um einen schon zum dürren Heu gezogenen Wagen zum Umladen einer Last zu holen , die er schon gerettet glaubte und die nun , hart vor dem Stadeltore , nicht nur schwer von der Dachtraufe bedroht , sondern auch seiner ferneren Tätigkeit ein Hindernis war , welches durchaus zuerst auf die Seite geräumt werden mußte . Andere erlebten ähnliches . Da zog einer zwei aneinander gebundene Wagen auf einmal zu seinem Heu und hatte dann die Heugabel vergessen , ohne welche durchaus nichts zu machen war ; dort nahm einer aus Versehen den Wagen seines Nachbarn weg - die Aufregung , der Lärm wuchs mit jedem neuen Donner , der minutenlang durch die Berge rollte . Mancher Zuschauer hätte da seinen Spaß gehabt , aber es gab eigentlich keine Zuschauer mehr , seit der Pfarrer sich in seine hinter der Kirche zwischen Bergen versteckte Wohnung geflüchtet hatte . Selbst des Krämers Zusel tat heute mit , und zwar so streng als eine . Selbst als die ersten großen Tropfen auf den neuen Strohhut fielen , der zu ihrem glühenden Gesichtchen so prächtig stand , ließ sie sich nicht aus dem Felde treiben , wo sie bei ihrer Verteidigungs- und Rettungsarbeit bei dem rauschend dürren Heu weit mehr Freude als sonst beim Zusehen hatte . Mit einem flinken Heuer aus einer anderen Gemeinde wollte sie ausharren bis zuletzt . Und wirklich fuhren die beiden erst mit einem kaum halb geladenen Wagen heim , als es um sie dunkler und dunkler zu werden begann und der Nebel auf sie herabhing , daß sie immer hart an einer Schneewand zu stehen schienen , über die ein mächtiger Wasserfall zischend und brausend herunterstürzte . Tropfnaß kam Zusel heim , die schwarze , glänzende Juppe und der neue Strohhut waren verdorben ; dennoch hatte man das Mädchen lange nie so froh und aufgelegt zu jeder Neckerei gesehen als jetzt . Während einige vom Barometer redeten und bedauerten , daß man ihm mehr als der unheilverkündenden Morgenröte geglaubt habe , hatte Zusel , die jetzt wieder trocken gekleidet , frischer und schöner war als je , nur von ihren und des Heuers Heldentaten zu erzählen . » Das war herrlich , und ich hätte noch gern eine Weile fortmachen mögen « , sagte sie mit der Fröhlichkeit eines vom munteren Spiele heimgekommenen Kindes . » Schade nur , daß es gar nicht mehr ging . Aber wir beide , ich und der Heuer , haben uns tapfer gewehrt , drum müssen wir schon noch übermorgen mitsammen Kirchweih halten und auch auf dem Tanzplatze die letzten sein . Nicht wahr , Heuer ? « Daß der Heuer ja sagte , versteht sich wohl von selbst . Es war der größte Augenblick , den der Bursche erlebte , wie eine gute Meinung er auch schon früher von sich selbst gehabt haben mochte . Eine ganz neue Welt tat sich vor ihm auf , und bald stand er mitten unter tausend schönen Hoffnungen , so daß ihn selbst der Krämer nicht in die Wirklichkeit zurückzurufen vermochte , wie alltäglich