Weltteile mir köstlich und wundervoll ist , blicken in unser niederes Fenster , und einmal ist auch ein Reh gekommen , um hineinzugucken . Da ist es gut sein , da läßt sich ganz leise sprechen von dem , was eigentlich hätte werden müssen , wenn alles unter den Menschen mit rechten Dingen zuginge . Kein Kornblumenkranz ist so blau wie unsere Phantasien , bis auf einmal die Dämmerung da ist und der Wald anfängt , kühl zu atmen . Wie kann die Frau Klaudine auch dann noch mir die Haare mit einem Lächeln aus der Stirn streichen ? Ich muß fort , und alle schönen Farben erblassen . Ich reite heim auf meinem Schimmel , und zur linken Seite des Weges begleitet mich eine Stimme , die sagt ganz eintönig : Er ist tot , er ist tot ! Und zur rechten Seite ist eine andere Stimme , dicht am Boden hinkriechend , und sie sagt ebenso tonlos : Zehn lange Jahre , zehn lange Jahre ! Weiter wissen sie nichts ; aber verwunderlich ist ' s eben doch nicht , daß ich häufig atemlos auf sehr atemlosem Gaule auf dem Bumsdorfer Hofe anlange und daß der Oheim dann mit bedenklichem Kopfschütteln um seinen vielgeliebten Prospero herumsteigt und imstande ist , mir eine längere Vorlesung über die Behandlung der Pferde , und vorzüglich seiner Pferde , zu halten . Was sind das für Leute , die dort bei Euch jenseits der Berge wohnen , was kümmern sie mich , was habe ich mit ihnen zu schaffen ? Vor einer Stunde , in der Katzenmühle , auf dem Schemelchen zu den Füßen der Frau Klaudine hatten sie freilich keine Bedeutung für mich ; aber sie zwingen mich schon , an ihre Wirklichkeit zu glauben ! Sie haben ebenso starke Hände wie die Geister , die mich durch den Wald zur Mühle ziehen ; ach , aber wenig von meinem eigenen Willen ist bei diesen Mächten , welche auch kein Widerstreben dulden und hart , zornig und spottend mich aus dem geheimsten Versteck hervorzerren . Wie haben sie diese Herrschaft über mich erlangt ? Sie sagen , sie haben das Recht , mich mit sich zu nehmen : sie pochen auf ihre Rechte und behaupten , was ihnen noch daran gefehlt habe , das sei ihnen längst von mir freiwillig hinzugelegt , und wenn ich dann eine Nacht den Kopf mit beiden Händen gehalten habe , so bleibt mir kein Zweifel mehr : sie reden die Wahrheit ! Friedrich hat aus Paris geschrieben , einen sehr hübschen und geistreichen Brief , der mir sehr allerliebste Höflichkeiten und Schmeicheleien sagt und mich hoffentlich , wenn er mir nach einem Dutzend Jahren wieder in die Hände fällt , recht ergötzen wird . ' s ist zwar nicht ganz die Regel , daß ein solcher Brief an der Stirn das Motto : Illusions perdues ! führe ; aber die Tatsache steht doch einmal fest : wir sind ein paar verständige , kühle , gesetzte Personen und sehnen uns beide nach Ruhe . Friedrich freut sich ungemein auf unsern Haushalt , und seine Pläne und Vorschläge in betreff desselben haben meine ganze Billigung . Er meint , unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen würden sich leicht um ein bedeutendes verringern lassen : man habe gewiß das Seinige getan , um andern das Dasein angenehm zu machen , und man könne nunmehr mit gutem Gewissen eine Rosenhecke , aber immer eine Hecke , um sein eigenes Behagen ziehen . Einverstanden ! Er mag das alles so einrichten , wenn es wirklich seine Absicht ist ; ich verlange weiter nichts , als so oft wie möglich eine Tasse Tee mit Dir , Emma , hinter jener Hecke trinken zu dürfen , und verpflichte mich jedenfalls , der Welt kein außergewöhnliches Ärgernis zu geben . Wenn ich Dich , mein Kind , nicht hätte , so würde ich die Hochzeit noch immer einige Monate hinauszurücken suchen : aber Deinetwegen soll sie zu Anfang des Winters stattfinden , und mit diesem Briefe an Dich trägt der blöde Hans zwei andere Schreiben , die besser stilisiert und klarer sind als dieses , nach Nippenburg zur Post . Es hat mir eine gewisse Befriedigung gewährt , die Erlaubnis , glücklich gemacht zu werden , in tadellosester Prosa zu erteilen , und ich habe zum erstenmal in meinem Leben auf einem Linienblatt geschrieben . O Emma , liebe , gute Emma , hilf der armen Nikola in all ihrem Glück und habe Geduld mit ihr , denn ihre Anfechtungen sind groß , ihre Kräfte sind schwach , ihr Kopf ist dumm , und kein Häslein im Felde führt während der Jagdzeit ein so zitterig-schreckhaftes Dasein wie Klymene in ihren Brauttagen . In der vergangenen Nacht habe ich besser geschlafen als in dieser , aber fast noch häßlicher geträumt , und zwar aus Alexander von Humboldts Ansichten der Natur . In diesem schönen Buche , welches Dein verständiger Major Dir sicherlich in einem behaglichen Winter vorgelesen hat , wird geschildert , wie irgendwo in Mittel- oder Südamerika , an irgendeinem großen Strome die Alligatoren während des heißen Sommers im Schlamm eintrocknen , um erst in der Regensaison von neuem zu erwachen . Die Sache ist sehr anschaulich ausgemalt ; die Schollen bersten mit Krachen und springen in die Höhe , wie das gepanzerte Untier sich aus seiner langen Siesta erhebt . Es gähnt entsetzlich , es reibt sich die Augen ; vor allen Dingen erwacht es mit einem ausgezeichneten Appetit , und so hat es mir zwischen zwei und drei Uhr morgens ein helles Angstgeschrei entlockt und mich hochauf aus meinen Kissen gejagt ; Du aber , mein Kind , schau nach in Deinem Traumbuche und sage mir bei unserm ersten Zusammentreffen , was es bedeuten kann . Ich habe überhaupt angefangen , in den letzten Zeiten sehr tropisch zu träumen , den Grund davon aber kann ich selber angeben . Es ist kein Zweifel , der wilde Mann aus Afrika trägt die Schuld . Das