sind hier eingebrochen , durch das Fenster - dabei riß sie die Fensterflügel auf , nahm den Armleuchter - verschwand durch die zweite Thür , schloß ab und fing an , aus Leibeskräften : Hülfe ! Hülfe ! zu schreien . Na , meine Herren , stellen Sie sich meine Situation vor . Ehe ich mich noch besinnen konnte , was ich thun sollte , brachen die Thürflügel auseinander und der Graf mit zwei Pistolen in der Hand stürzte herein und vier bis fünf Kerle mit Lichtern und Knütteln hinterher . Wie sah der Graf aus ? fragte Berger dumpf , ohne den in die Hände gestützten Kopf zu erheben . Ja , alter Herr , viel Zeit , ihn mir zu besehen , hatte ich nicht . Ich weiß nur , daß es ein schöner langer Kerl war mit vor Wuth blitzenden Augen . Habe ich Dich , Schurke ? brüllte er - puff , simm ! sauste mir die Kugel am linken ; puff , simm ! eine andere am rechten Ohr vorbei . Na , Ihr Herren , das war doch am Ende auch nicht die rechte Art und Weise , sich bei Caspar Schmenckel zu introduciren . Was werde ich also thun ? Ich packte meinen Herrn Grafen um den Leib und warf ihn zum Fenster hinaus , und damit , im Fall er sich etwas zerbrochen hätte , gleich Hülfe zur Hand wäre , einen seiner Bedienten hinterher . Die Andern ergriffen das Hasenpanier und liefen , was sie laufen konnten ; ich ihnen nach durch die Zimmer auf den Vorsaal , die Treppe hinunter ; und , meine Herren , als ich erst so weit war - den Weg durch die Hausthür auf die Straße fand ich ganz allein . Wie findet Ihr die Geschichte , Professor ? und Herr Schmenckel legte seine breite Hand auf Bergers Schulter . Berger hob den Kopf in die Höhe . Sein Gesicht war todtenbleich ; seine Augen rollten ; das graue Haar hing ihm über die Stirn . Wenn Du die Wahrheit sprechen kannst , Mensch ! sagte er mit einer hohlen , unheimlichen Stimme ; antworte mir : hast Du die Wahrheit gesprochen ? Ich glaub ' , der alte Herr hat ein wenig zu viel getrunken ; sagte Herr Schmenckel . Ja , ich habe zu viel getrunken , rief Berger , heftig mit den Händen gesticulirend ; zu viel von dem eklen Gebräu dieses jämmerlichen , nichtsnutzigen Lebens , und der Trank ist mir zu Kopf gestiegen . Es war ein fürchterliches Lachen ; aber den halbberauschten Zechern kam es sehr lustig vor . Ho , ho ! nun kommt der Professor in Gang ! schrie Herr Schmenckel , sich die Seiten haltend . Rede halten , Rede halten ! Der Professor soll ' ne Rede halten . Oswald war aufgesprungen und zu Berger getreten ; er versuchte in seiner Herzensangst den Exaltirten mit freundlichen Worten zu beruhigen und zum Fortgehen zu bewegen . Berger achtete nicht auf ihn . Er stand da , sich mit beiden Händen auf den Tisch lehnend , wie Oswald es ihn im Auditorium hatte thun sehen . Schreiben Sie , meine Herren , rief er ; es ist die Quintessenz des langen Syllogismus , dessen einzelne Theile ich Ihnen so eben analysirt habe : Ich stieg auf einen Birnenbaum , Rüben wollt ' ich graben , Da hab ' ich all ' mein Leben lang , Keine besseren Pflaumen gegessen . Sie werden mir antworten , daß dies keine speculative Idee , sondern ein altes Schlemperlied ist , aber , meine Herren , in einer Welt , wo die Guten verhöhnt und von schadenfrohen Dämonen genasführt werden ; wo der Aberwitz mit der Schellenkappe auf dem Haupt regiert und seine erhabenen Gedanken von der Dummheit , der Gemeinheit , der Brutalität ausführen läßt - da ist eben die Speculation ein Schlemperstückchen und die Idee - die glorreiche , hochherrliche Idee - das sind Sie ja eben selbst , meine Herren , gemeine , rohe Gesellen , wie Sie sind . Oho , nit so grob , Alter , rief Herr Schmenckel , der kaum noch lachen konnte . Ja , ja , Sie selbst , fuhr Berger heftiger und immer heftiger werdend fort ; Sie selbst , Herr Director Caspar Schmenckel aus Wien , Sie repräsentiren die Gerechtigkeit des Himmels . Die Idee kann nichts ohne Sie ; Sie sind die Idee , die incarnirte Idee ! Ich sagte Ihnen , das Leben sei nichtswürdig , aber nein - das ist noch viel zu viel - es ist Ihrer würdig . An mein Herz , alter Knabe , rief Herr Schmenckel , Berger an seine breite Brust drückend ; Du bist ein kreuzfideles Haus ; wir müssen Brüderschaft trinken . Er ließ Berger aus den Armen und griff nach dem Glase . In demselben Augenblick sank Berger , die Hand auf ' s Herz pressend , mit einem gellenden Schrei ohnmächtig zusammen . Es war ein Schrei , fürchterlich , wie der Hülferuf eines Ertrinkenden in dem Augenblicke des Untersinkens ; ein Schrei , der den wüsten Lärm in der Stube übertönte , das Singen und Geschnatter zum Schweigen brachte und die Zecher bestürzt von ihren Sitzen in die Höhe fahren ließ . Sie drängten sich mit verstörten Gesichtern herzu und glotzten mit den stumpfsinnigen , von Bier stieren Augen auf den Unglücklichen , den Oswald vom Boden aufzurichten sich bemühte . Niemand legte Hand an , dem jungen Mann zu helfen . Der Schrecken schien die Leute paralysirt zu haben . Will mir denn Keiner beistehen ? rief Oswald , die Last des leblosen Körpers in den Armen haltend . Diese letzten Worte wurden an Herrn Schmenckel gerichtet , der bis jetzt mit offenem Munde und starren Augen , die Tabakspfeife in der einen , das Bierglas in der andern Hand , regungslos dagestanden hatte . Oswalds Aufforderung brachte ihn wieder zur Besinnung . Habt recht ,