er nichts rauben ! « lächelte er , » aber ich danke Dir , liebes Kind ! Weißt Du seinen Namen ? « Wie glücklich lächelte die Kleine ! Sie wollte antworten , aber Hieronymus zog den Kameraden von ihr fort und sagte vorwerfend : » Sprich doch nicht mit der Judendirne ! « Ulrich hatte in der Dämmerung die gelben Streifen an ihren Aermeln nicht bemerkt , er bemerkte auch weder vorhin noch jetzt , daß sie die weiße Rose , die er diesen Morgen zur Seite geworfen , an ihrem Kleide trug - aber er kehrte sich jetzt schnell von ihr ab und gewahrte darum auch nicht , wie sie ihre Arme wie von einem plötzlichen Schlag getroffen herabsinken ließ und die Hände ineinander rang . Achtes Capitel Das Achtort Fest an Fest reihete sich im lustigen Nürnberg aneinander , die Gegenwart des Königs zu feiern . Die Rathsherren , die reichen Kaufleute , die gelehrten Gesellschaften , die Zünfte - sie alle stritten sich miteinander , den König in ihrer Mitte zu sehen , und vor allen anderweitigen Vorstellungen und Lustbarkeiten hatte Markgraf Friedrich , der den König bei sich auf der Veste beherbergte , noch nicht dazu kommen können , selbst ein Fest zu veranstalten , und mußte damit von einem Tage zum andern warten . Den Tag , zu welchem Max der freien Steinmetzzunft versprochen , in ihrer Mitte als Baubruder zu erscheinen , mußte er ihr allein widmen . Schon am Morgen verließ er die Veste , nur von Kunz von der Rosen , ein paar Rittern und einigem Gefolge aus der Dienerschaft des Markgrafen begleitet , und ging zu Fuß durch die Stadt bis an die Bauhütte an der St. Lorenzkirche . Der König war ohne Rüstung und einfacher als sonst in ein Wamms von dunkelbraunem Sammt gekleidet , am breiten Ledergürtel ein kurzes Schwert , ein Sammtbaret mit weißen Federn auf den blonden Locken , bezeichnete ihn nur der übergeworfene Purpurmantel als Majestät . Seine Tracht ähnelte der der Baubrüder , nur daß sie von besserem Stoff war , aber die Stiefel von ungeschwärztem Leder waren gewissenhaft beibehalten . Aus der Hütte heraus schalten die laut in den Stein hämmernden Klänge der Steinmetzen . Die Thür war verschlossen . Dreimal schlug der König mit seinem Schwert an dieselbe . Der Pallirer trat heraus , schloß sie wieder hinter sich und sagte : » Wer Einlaß begehret , gebe das Paßwort . « Der König trat ganz nahe zu ihm und flüsterte ganz leise ein Wort in das Ohr des Pallirers . Darauf reichte ihm dieser drei Finger seiner Hand , und der König erwiderte den Händedruck in der gleichen Weise . Kunz war hinzugeschlichen und hatte auf einem Beine stehend gelauscht , ob er nicht verstehe , was die beiden Heimliches sprächen - ohne daß ihm dies jedoch möglich war . Max warf jetzt seinen Purpurmantel ab , gab ihn dem Hofnarren und sagte zu ihm : » Hier , guter Freund ; weil Du Dich heute von Max trennen mußt , magst Du ihm indessen die Königswürde bewahren . « Kunz zog den Mund schief und sagte : » So tauschen wir einmal die Rollen vollständig : nun bin ich heute auch der König - denn daß Du eben der Narr bist , ist eine ausgemachte Sache . « Obwohl einem Hofnarren Alles für Recht ausging , was bei Andern zum Verbrechen ward , und obwohl der König selbst als Antwort nur lachte , machte der Pallirer doch ein sehr finsteres Gesicht : nicht weil Kunz die Würde des Königs , sondern weil er die der freien Maurer durch seine Bemerkung verletzte . Max gewahrte dies nicht so bald , als er zum Pallirer sagte : » Lass ' es gut sein , mein Bruder , der Kunz da ist bei jeder Gelegenheit bereit mit mir zu tauschen , und trägt es mir immer noch nach , daß ich zu Brügge auf der Kranenburg den Tausch verweigerte , der mir Freiheit und Leben , ihm aber gewisses Verderben gebracht hätte - « Kunz ließ den König nicht ausreden , hielt ihm seine Mütze vor den Mund und sagte : » Wenn Du mich immer verspotten willst , so werd ' ich mir einen andern Herrn suchen , und Du kannst Dir einen von Deinen Brüdern da drinnen für meine Stelle mitbringen . « Max schob ihn zurück , grüßte ihn und seine Begleiter und sagte : » Nun gehabt Euch für heute wohl , Ihr Herren , und laßt Euch die Zeit nicht lang werden ! « » O den Wunsch geben wir in Gnaden zurück ! « sagte Kunz . » Indeß Du mit Deinen Gesellen mauerst , werden uns die hübschesten Kinder Nürnbergs über Deine Abwesenheit trösten und wir werden diesen Trost wohl erwiedern ! « Der König hörte nicht mehr auf ihn , sondern war mit dem Pallirer in die Hütte getreten , die sich hinter ihm wieder schloß und aus der man nun laute Willkommengrüße tönen hörte . Kunz aber hatte , so wie Max verschwunden war , seine lustige Laune verloren , denn es war ihm unheimlich zu Muthe , wenn er von ihm getrennt war , seit diese Trennung einmal so unglücklich gewesen , und er ward auch jedesmal verdrießlich , wenn er an seine Aufopferungsfähigkeit von dem König vor andern Leuten erinnert ward . Für eine That , die sich bei ihm so von selbst verstand , begehrte er nicht noch Dank von seinem Herrn . Er hatte ihn darum auch nicht ausreden lassen , obwohl man überall im Reiche die Geschichte aus Brügge kannte , auf welche der König anspielte . Als König Max nämlich von der Stadt Brügge eine Einladung erhalten hatte , daselbst Lichtmesse zu feiern , nahm er diese an , obwohl es ihm alle seine Räthe widerriethen , da die Stadt sein Regiment nicht wollte und ihre Bürger noch besonders durch französischen Einfluß wider ihn gereizt waren . Am