, nahe stand . Und Dido öffnet ihre Stadt den Hilfesuchenden , und der Wunsch steigt in ihr auf : Wäre doch selbst der König , vom selbigen Sturme gedränget , euer Äneas allhier ! also , daß sehnendes Verlangen den Helden treibt , die Wolke zu durchbrechen ... Doch wie Ekkehard begonnen hatte : » Kaum war solches gesagt , als schnell des umwallenden Nebels Hülle zerreibt ... « da kam ein schwerer Tritt den Gang herauf : Herr Spazzo , der Kämmerer , trat ein , er wollte die neuen Studien seiner Gebieterin beaugenscheinigen - beim Wein mochte er auch gesessen haben : sein Aug ' war starr , der Gruß erstarb ihm auf den Lippen . Es war nicht seine Schuld . Schon in der Frühe hatte er ein Brennen und Zucken in der Nase verspürt , und das bedeutet sonder Widerrede einen trunkenen Abend . » Bleibet stehen ! « rief die Herzogin , » und Ihr , Ekkehard , leset weiter . « Er las , ernst , mit Ausdruck : » Siehe ! da stand Äneas und strahlt ' in der Helle des Tages , Hehr an Schulter und Haupt , wie ein Gott , denn die himmlische Mutter Hatt ' anmutige Locken dem Sohn und blühender Jugend Purpurlicht und heitere Würd ' in die Augen geatmet : So wie das Elfenbein durch Kunst sich verschönet , wie Silber Prangt und parischer Stein in des rötlichen Goldes Umrandung . Drauf zur Königin wandt ' er das Wort und allen ein Wunder Redet er plötzlich und sprach : Hier schauet mich , welchen Ihr suchet , Mich , den Troer Äneas , gerettet aus libyscher Woge . « Herr Spazzo stand verwirrt . Um Praxedis ' Lippen schwebte ein verhaltenes Kichern . » Wenn Euch der Weg wieder herführt « , rief die Herzogin , » so wählet eine schicklichere Stelle zum Eintritt , daß wir nicht versucht werden , zu glauben , Ihr seid Äneas , der Troer , gerettet aus libyscher Woge ! « Herr Spazzo trat seinen Rückzug an . » Äneas , der Troer ! « murmelte er im Gang ; » hat wieder einmal ein rheinfränkischer Landfahrer sich einen erlogenen Stammbaum gemacht ? Troja ! ? - umwallender Nebel ? ... Äneas , der Troer , wir werden eine Lanze brechen , wenn wir uns treffen ! Mord und Brand ! « Fußnoten A1 Poten , pilh peleia Poten , poten petasai usw. Achtes Kapitel . Audifax . In jener Zeit lebte auf dem Hohentwiel ein Knabe , der hieß Audifax . Er war eigener Leute Kind , Vater und Mutter waren ihm weggestorben , da war er wild aufgewachsen , und die Leute hatten sein nicht viel acht , er gehörte zur Burg wie die Hauswurz , die auf dem Dach wächst , und der Efeu , der sich um die Mauern schlingt . Man hatte ihm aber die Ziegen zu hüten angewiesen . Die trieb er auch getreulich hinaus und herein und war schweigsam und scheu . Er hatte ein blaß Gesicht und kurz geschnitten blondes Haupthaar , denn nur der Freigeborene durfte sich mit wallenden Locken schmücken118 . Im Frühjahr , wenn neuer Schuß und Trieb in Baum und Strauch waltete , saß Audifax vergnüglich draußen und schnitt Sackpfeifen aus dem jungen Holz und blies darauf ; es war ein einsam schwermütiges Getön , und Frau Hadwig war einmal schier eines Mittags Länge oben auf dem Söller gestanden und hatte ihm gelauscht , vielleicht , daß ihre Stimmung der Melodie der Sackpfeife entsprach - und wie Audifax des Abends seine Ziegen eintrieb , sprach sie zu ihm : » Heische dir eine Gnade ! « Da bat er um ein Glöcklein für eine seiner Ziegen , die hieß Schwarzfuß . Der Schwarzfuß bekam das Glöcklein , seither war in Audifax ' Leben nichts von Belang vorgefallen . Aber er ward zusehends scheuer , im letzten Frühjahr hatte er auch sein Pfeifenblasen eingestellt . Jetzt war ein sonniger Spätherbsttag , da trieb er seine Ziegen an den felsigen Hang des Berges und saß auf einem Steinblock und schaute hinaus ins Land ; hinter dunkelm Tannenwald leuchtete der Bodensee , vorn war alles herbstlich gefärbt - dürres rotes Laub trieb im Winde . Audifax aber saß und weinte bitterlich . Damals hütete , was an Gänsen und Enten zum Hofe der Burg gehörte , ein Mägdlein , des Name war Hadumoth , die war einer alten Magd Tochter und hatte ihren Vater nie gesehen . Es war Hadumoth ein braves Kind , rotwangig , blauäugig , und ließ das Haar in zwei Zöpfe geflochten vom Haupt herunterfallen . Ihre Gänse hielt sie in Zucht und guter Ordnung , sie reckten manchem den langen Hals entgegen und schnatterten wie törichte Weiber , aber der Hirtin trotzte keine ; wenn sie ihren Stab schwang , gingen sie züchtig und sittsam einher und enthielten sich jeglichen Lärmens . Oft weideten sie vermischt zwischen den Ziegen des Audifax , denn Hadumoth hatte den kurzgeschorenen Ziegenhirten nicht ungern und sah oft bei ihm und schaute mit ihm in die blaue Luft hinaus - - und die Tiere merkten , wie ihre Hüter zusammenstanden , da hielten auch sie Freundschaft miteinand . Jetzt trieb Hadumoth ihre Gänse auf die Berghalde herunter , und da sie der Ziegen Glöcklein drüben läuten hörte , sah sie sich nach dem Hirten um . Und sie erschaute ihn , wie er weinte , und ging hinüber , setzte sich zu ihm und sprach : » Audifax , warum weinst du ? « Der gab keine Antwort . Da legte Hadumoth ihren Arm um seine Schulter , wendete sein lockenloses Haupt zu sich herüber und sprach betrübt : » Audifax , wenn du weinst , so will ich mit dir weinen . « Audifax aber suchte seine Tränen zu trocknen : » Du brauchst nicht zu weinen « , sagte er , » ich muß . Es ist etwas in