sehr streng sein und wird hier bald einen Anhang von Leuten haben , die mir gerade nicht besonders gewogen sind ; ihre Mutter war eine genaue Bekannte des Grafen Fohrbach , sie selbst ist eine Nichte des Major von S. - Und dann ist Eugenie zu schön , sie muß Aufsehen erregen ; man wird sich um sie bewerben . - Ich fürchte wahrhaftig den jungen Grafen Fohrbach . « » Pah ! « lachte der Baron , » wen hätten Sie zu fürchten , gnädiger Herr ? « » Na , lassen wir alle Schmeicheleien , « entgegnete der Andere mit einer ungeduldigen Kopfbewegung ; » ich stehe schon für mich ein , aber die Partie ist ungleich : Sie wissen , ich bin weder bei den Fohrbach ' s noch bei Major S. sehr gelitten , habe also keine Verbündeten . « » Mit Ausnahme des Vaters , « erwiderte der Baron mit seltsamem Lächeln , das aber der Andere nicht sehen konnte , denn er fuhr ungeduldig fort : » Was nützt mich der Vater ? Ich muß hier auf dem Platze auf sie einwirken können . « » So muß man Ihnen Verbündete schaffen . « » Deßhalb wende ich mich an Sie . - Glauben Sie , daß das möglich ist ? « » Auf die großen Familien kann ich begreiflicher Weise nicht einwirken , aber ich sehe wohl ein , es ist nothwendig , daß wir vorderhand von allen ihren Schritten unterrichtet werden , daß wir erfahren , wohin sie geht , wen sie empfängt , mit einem Wort , was sie thut und treibt . « » Und ist das möglich ? - Es wird schwierig sein . « » Nicht so sehr , « meinte der Baron nach einigem Nachdenken . » Was ich verspreche , das Pflege ich zu halten . - Aber auch Graf Fohrbach muß beobachtet werden . « » Das ist auch meine Ansicht , bester Baron , « sprach eifrig der Andere ; » ich wäre Ihnen zu tausend Dank verpflichtet , wenn Sie im Stande sind , so Etwas für mich anzurichten . « » Verlassen sich Euer Durchlaucht ganz auf mich ; ich mache mich anheischig , Ihnen in kurzer Zeit täglich , ja stündlich die gründlichsten und getreusten Berichte sowohl über Fräulein von S. , als auch über den Grafen zu machen . - Dagegen aber , gnädigster Herr , hoffe ich , auch vorkommenden Falls vielleicht auf Sie rechnen zu können . « » Sie wissen , bester Baron , daß Ihnen mein ganzer Einfluß zu Befehl steht - « » Und ich werde mir erlauben , « unterbrach ihn Herr von Brand , » Euer Durchlaucht - einstens daran zu erinnern . « » Das hoffe ich , und - die Sache wäre abgemacht . « » Vollkommen . « » Ich erhalte meine Berichte - « » Sobald das Fräulein da ist . « » Nun denn , vorderhand meinen besten Dank ! - Gute Nacht , Baron ! « » Gute Nacht , gnädigster Herr ! « Eilftes Kapitel . Zwei Begräbnisse . Es ist seltsam , wie man erst nach und nach dazu kommt , Kirchhöfe zu besuchen und ohne Scheu zwischen den kleinen Hügeln umherzuwandeln . Man geht zuweilen hin bei gewissen Veranlassungen , dem großen Schwarm folgend und irgend eine Person zu ihrer letzten Ruhestätte begleitend , die einem im Grunde ziemlich gleichgültig gewesen ist . Zu der Zeit ist für uns hinter den Mauern des Kirchhofes noch ein fremdes , ja fast gänzlich unbekanntes Land . Vorübergehend schauten wir wohl durch das Gitterthor , und sahen Steine , Kreuze , blühende Rosen und wehende Trauerweidenzweige , und wir liebten es , nicht mehr davon zu wissen , denn der ganze Garten war ein Räthsel , dessen Lösung uns frühe genug klar werden würde . - Wir schritten also im Zuge zwischen den Gräbern dahin , lasen hie und da einen bekannten Namen , traten an ein offenes Grab , sahen Den hinabsenken , den wir begleitet , und kehrten dann wieder zurück , froh darüber , eine oftmals lästige Pflicht erfüllt zu haben . - Da trat der Tod näher in den Kreis der Freunde und zum ersten Mal schritten wir im Zuge , mit wirklichen Thränen im Auge . Wir begleiten Jemand in sein frühes Grab , dessen Augen noch vor Kurzem in das unsrige geblickt , dessen Hand die unsrige gedrückt . Und während wir dahin schreiten auf dem breiten Wege , schauen wir uns schon sorgfältiger um , denn es ist uns schon von größerem Interesse , die Umgebung kennen zu lernen , zwischen der unser Freund ruhen , vielleicht träumen wird . Sie schauen uns nicht mehr so fremd an , die verschiedenartig geformten Steine , die kleinen Gärtchen , von Gitterwerk eingefaßt , die verschiedenen Kreuze in ihrer einfachen Gestalt , nur in der Ausführung so verschieden , vom künstlich gebildeten Marmor bis zum ärmlichen Holz , alle Schichten der menschlichen Gesellschaft darstellend ; nein , sie tauschen geheime Zeichen mit uns aus , sie wissen es wohl , daß wir sie auf dem heutigen Gange mit Interesse betrachten . Kommt aber erst die Stunde , wo wir der feuchten Erde draußen etwas anvertrauen , das uns noch näher liegt als Bekannte oder Freunde , kommt jener Augenblick , wo man etwas von unserem warmen Herzen losreißt , um es von den kalten Schollen zudecken zu lassen , so haben wir auf diese Art ein Plätzchen erhalten , ein Eigenthum , an dem wir Stunden lang sitzen können , um träumerisch an vergangene Tage zu denken , während wir auf die sprossenden Pflanzen und Gräser blicken . Und dann hat der Kirchhof nichts Fremdes mehr für uns ; wir haben alle Scheu vor seinem stillen Raume verloren , wir machen gerne Bekanntschaft mit seinen Wegen , seinen Bäumen , seinen verschiedenen Monumenten ; denn Alles das bildet ja für uns die