in der gleichen wunderlichen Art wie an Gespenster und Hexen , so auch an Gott und seinen Himmel glaubte , denselben einen guten Mann sein und dachte nicht im mindesten daran , sich auch um die moralischen Lehren zu bekümmern , welche aus diesem Glauben entspringen mußten ; er aß und trank , lachte und fluchte und machte seine Schnurren , ohne je zu trachten , sein Leben mit einem ernsteren Grundsatze in Einklang zu bringen . Aber auch der Frau fiel es niemals ein , daß ihre Leidenschaften mit dem religiösen Gebaren im Widerspruche sein könnten , und sie zeichnete sich vor ihren Glaubensschwestern darin aus , daß sie niemals dem Ausdrucke dessen , was sie bewegte , einen Zügel anlegte . Sie liebte und haßte , segnete und verwünschte und gab sich unverhüllt und ungehemmt allen Regungen ihres Gemütes hin , ohne je an eine eigene mögliche Schuld zu denken und sich unbefangenerweise stets auf Gott und seinen mächtigen Einfluß berufend . Jede der Ehehälften hatte eine zahlreiche Verwandtschaft blutarmer Leute , welche im Lande zerstreut wohnten . Diese teilten unter sich die Hoffnung auf das gewichtige Erbe um so mehr , als Frau Margret , zufolge ihrer hartnäckigen Abneigung gegen unverbesserlich arm Bleibende , ihnen nur spärliche Gaben von ihrem Überflusse zukommen ließ und sie nur an Feiertagen gastlich speiste und tränkte . Alsdann erschienen von beiden Seiten her die alten Vettern und Basen , Schwestern und Schwäger mit ausgehungerten langnasigen Töchtern und bleichen Söhnen und trugen Säcklein und Körbe herbei , welche die kümmerlichen Gaben ihrer Armut enthielten , um die alten launenhaften Leute für sich zu gewinnen , und worin sie reichere Gegenspenden nach Hause zu tragen hofften . Diese Sippschaft war schroff in zwei Lager geschieden , welche sich nach dem Streite , der zwischen den Hauptpersonen herrschte , ebenfalls den Hoffnungen auf den frühern Tod des Gegners hingaben , um einst ein vergrößertes Erbe zu erhalten . Sie haßten und befeindeten sich ebenso stark untereinander , als die Leidenschaften Margrets und ihres Mannes das Vorbild dazu abgaben , und es entstand jedesmal , nachdem die zahlreiche Gesellschaft sich an dem ungewohnten Überflusse gesättigt und gewärmt hatte und der Übermut den anfänglichen Zwang auflöste , ein mächtiger Zank zwischen beiden Parteien , daß sich die Männer die übriggebliebenen Schinken , ehe sie dieselben in ihre Quersäcke steckten , um die Köpfe schlugen und die armen Weiber sich gegenseitig unter die blassen spitzigen Nasen schimpften und über dem befriedigten Magen ein Herz voll Neid und Ärger auf den Heimweg trugen . Ihre Augen funkelten stechend unter den dürftig aufgeputzten Sonntagshauben hervor , wenn sie mit langen Schritten , die vollgepfropften Bündel unter dem Arme , aus dem Tore zogen und sich grollend auf den Scheidewegen trennten , um den entlegenen Hütten zuzueilen . Solcherweise ging es viele Jahre , bis die alte Frau Margret mit dem Sterben den Anfang machte und in jenes fabelhafte Reich der Geister und Gespenster selber hinüberging . Sie hinterließ unerwarteterweise ein Testament , welches einen einzelnen jungen Mann zum alleinigen Erben einsetzte ; es war der letzte und jüngste jener Günstlinge , an deren Gewandtheit und Wohlergehen sie ihre Freude gehabt hatte , und sie war mit der Überzeugung gestorben , daß ihr gutes Gold nicht in ungeweihte Hände übergehe , sondern die Kraft und die Lust tüchtiger Leute sein werde . Bei ihrem Leichenbegängnisse fanden sich sämtliche Verwandte beider Ehegatten ein , und es war ein großes Geheul und Gelärm , als sie sich also getäuscht fanden . Sie vereinigten sich in ihrem Zorne alle gegen den glücklichen Erben , welcher ganz ruhig seine Habe einpackte , was irgend von Nutzen war , und auf einen ungeheuerlichen Wagen lud . Er überließ den armen Leuten nichts als die vorhandenen Vorräte an Lebensmitteln und die gesammelten Seltsamkeiten und Bücher der Seligen , insofern sie nicht von Gold , Silber oder sonstigem Gehalte waren . Drei Tage und drei Nächte blieb der wehklagende Schwarm in dem Trauerhause , bis der letzte Knochen zerschlagen und dessen Mark mit dem letzten Bissen Brot aufgetunkt war . Sodann zerstreuten sie sich allmählich , ein jeder mit dem Andenken , das er noch erbeutet hatte . Der eine trug eine Partie Heiden- und Götzenbücher auf der Schulter , mit einem tüchtigen Stricke zusammengebunden und mit einem Scheite geknebelt , und unter dem Arme ein Säcklein getrockneter Pflaumen ; der andere hing ein Muttergottesbild an seinem Stabe über den Rücken und wiegte auf dem Kopfe eine kunstreich geschnitzte Lade , sehr geschickt mit Kartoffeln angefüllt in allen ihren Fächern . Hagere lange Jungfrauen trugen zierliche altmodische Weidenkörbe und buntbemalte Schachteln , angefüllt mit künstlichen Blumen und vergilbtem Flitterkram , Kinder schleppten wächserne Engel in den Armen oder trugen chinesische Krüge in den Händen , es war , als sähe man eine Schar Bilderstürmer aus einer geplünderten Kirche kommen . Doch gedachte ein jeder seine Beute als ein wertes Angedenken an die Verstorbene aufzubewahren , sich schließlich an das genossene Gute erinnernd , und zog mit Wehmut seine Straße , indessen der Haupterbe , neben seinem Wagen einherschreitend , plötzlich haltmachte , sich besann , darauf die ganze Ladung einem Trödler verkaufte und auch nicht einen Nagel aufbewahrte . Dann ging er zu einem Goldschmied und verkaufte demselben die Schaumünzen , Kelche und Ketten und zog endlich mit rüstigen Schritten aus dem Tore , ohne sich umzusehen , mit seiner dicken Geldkatze und seinem Stabe . Er schien froh zu sein , eine verdrießliche und langwierige Angelegenheit endlich erledigt zu sehen . In dem Hause aber blieb der alte Mann allein und einsam zurück mit dem zusammengeschmolzenen Reste jener früheren Teilung . Er lebte noch drei Jahre und starb gerade an dem Tage , wo das letzte Goldstück gewechselt werden mußte . Bis dahin vertrieb er sich die Zeit damit , daß er sich vornahm und ausmalte , wie er im Jenseits seine Frau haranguieren wolle , wenn sie da » mit ihren verrückten Ideen herumschlampe «