gekommen , und sie glaube auch gar nicht , daß es noch dahin kommen werde , denn der Gedanke sei doch gar zu schön . Die Obristin sagte , Mamsell Adelheid sei ein prächtiges Mädchen und ihre Eltern würden viele Freude an ihr erleben , und um der guten Gesellschaft willen , wolle sie noch bis Abend bleiben ; dann hoffte sie , die beiden Familien könnten Compagnie machen in ihrem Wagen . Die Kriegsräthin , der das längere Beisammensein mit einer so vornehmen Dame natürlich nur schmeichelhaft war , fand sich doch etwas dadurch in Verlegenheit , von der wir nachher reden wollen . Einstweilen riß die Obristin sie daraus , die aufstand , um die Jugend , wie sie sagte , eine Strecke zu begleiten . Sie wollte die Spiele der Kinder arrangiren , damit sie nichts Unschickliches trieben , und zusehen , ob die Gegend auch sicher wäre . Der Lärm und die Menschenmenge hatte sich aber nach dem andern Theil des Dorfes gezogen . Die Kinder fanden bald auf den grünen Rainen den herrlichsten Platz zu ihren Spielen , denen die freundliche Obristin rathgebend zusah , bis es ihr zu heiß ward , die drei jungen Mädchen aber verloren sich in den hohen Kornfeldern . Zwölftes Kapitel . Schwanenjungfrauen . In den hohen Kornfeldern wuchs nicht überall Korn . Der ebene Boden wird noch jetzt durch viele Vertiefungen unterbrochen , ehemals waren es Seen , dann wurden es Moräste ; seit die Cultur vorgerückt sind es nur noch Tümpel geblieben . Doch ladet ein heller klarer Wasserspiegel wohl zum Baden ein . Der Bauer , der Dich trifft , warnt Dich aber , denn der Sage nach sind einige dieser trichterförmig sich senkenden Löcher unergründlich . Außerdem gab es ehemals eine Britzer Haide , ein übelberüchtigter Wald , dessen Buschwerk gesprenkelt in die Kornfelder hinein wuchs . Und endlich schnitten viele Wege und Fußsteige durch diese Felder . Das Auge aus der Ferne sah nichts von den Unterbrechungen , es dünkte ihm eine unermeßliche goldene Aehrenfläche , darin die Korblumen und der rothe Mohn über die Einsamkeit klagten . An einem dieser kleinen Seen lag auf dem grünen abschüssigen Rande ein junger Mann auf dem Rücken hingestreckt . Er hatte sich gebadet . Ob das Wasser unergründlich , danach hatte er nicht gefragt , es auch wohl nicht untersucht ; er war ein guter Schwimmer , der sich im Wasser nach Lust getummelt . Er ruhte jetzt von der Anstrengung und um die Kühle abzuwarten , vielleicht auch um sich mit der Einsamkeit zu unterhalten . Nach der Wasserseite zu verbarg ihn ein großer Hagebuttenstrauch . Die Hände unterm Kopf sah er dem Zuge der Wolken nach , der Flucht der Vögel ; vielleicht horchte er auch auf die Lieder , welche die rauschenden Aehren ihm sangen . Ein Geräusch , was sich näherte , störte ihn auf . Den Fahr- oder Reitweg , der in einer Krümmung eine Seite des Tümpelrandes berührte , hatte er beim Herkommen durch die Felder nicht bemerkt . Ein schaumbedecktes Pferd schoß aus dem Aehrenfelde . Noch zwei Sätze und es konnte sich auf dem abschüssigen Rande nicht mehr halten und stürzte sich und den Reiter in die Tiefe . Dieser sah die Gefahr nicht , er ließ dem Roß die Zügel ; der Instinkt des Thieres bewahrte beide . Im Augenblick , wo es galt , bäumte es und warf den Reiter ab , oder er gleitete aus Sattel und Bügel , die er längst verloren , denn er strauchelte nur etwas und stand gleich wieder auf seinen Füßen . Vielleicht aus seinem Traum erwachend , denn ohne sich um das Pferd zu kümmern , das seinen eigenen Weg suchte , stand er und hielt sich mit den Händen das Gesicht . Entweder ein Rasender oder ein Betrunkener , hatte der Liegende geschlossen , denn durchgegangen war das Pferd nicht . Es war ein ihm wohlbekannter friedfertiger Gaul aus dem Stall eines Pferdeverleihers . Der Reiter hatte nachlässig , aber sicher gesessen , und die blutenden Seiten des Thieres verriethen deutlich genug die Behandlung , welche es außer sich gebracht . Walter war an dieser Gesellschaft gar nichts gelegen , aber die seltsame Stellung des Ankömmlings fiel ihm auf . Durch die Hände schielte er auf das Wasser und seine dunklen Augen glänzten seltsam . » Plagt Dich - - wenn Du ' s bist ? « Er hatte die Hand auf die Schulter des Reiters gelegt . Dieser war nicht sehr erschrocken , als er sich umsah und den Andern erkannte : » Vielleicht - eigentlich aber nicht . Ich dachte nur an ein Bad . - So aus dem Gluthofen in die kühle Tiefe . « » Was hier dasselbe wäre ! « entgegnete der zuerst Dagewesene , und fasste heftig seinen Arm . » Kommst Du aus dem Gefängniß , Louis ? Ward ' st Du heut entlassen ? « » Um meine Freiheit zu genießen , jagte ich den Gaul fast todt , und ward selbst wieder unfrei und matt wie eine Fliege . Und wenn ich wieder aufflattere , steht doch tausend gegen eins , daß ich wieder gegen etwas anstoße . Wär ' s nun nicht ein wunderschönes Ende , um gar keinen Anstoß mehr zu geben , wenn ich , erhitzt , durstend , an eines Felsens Rand in der Mittagssonne eine Flasche Champagner auf einen Zug ausstürzte und dann kopfüber ins Meer ! - Uebrigens gebe ich Dir mein Wort , es war kein Ernst , wenigstens hätte ich mir eine andere Pfütze ausgesucht . ' S war nur ein aufsteigender Gedanke . « » Aber keine Lerche , die in den Aether steigt , « sagte Walter , als Beide sich auf dem Rasen gelagert . Der Ankömmling sog , hingestreckt , die Luft ein . » Nur nichts vom Aether in diesem Schwefeldampfe , « sagte er nach einer Weile . » Wenn die Welt bestimmt wäre unterzugehen ,