erwiderte der Kaplan , werde ich Ihnen niemals fehlen . Dann verneigte er sich wieder , sagte Alfred mit einer Ruhe Lebewohl , als ob gar nichts Störendes zwischen ihnen vorgefallen wäre , und ging hinaus . Caroline folgte ihm auf dem Fuße nach . Felix verstand natürlich den Vorgang in seiner wirklichen Bedeutung nicht , aber er sah , daß sein Vater verdrießlich sei , schmiegte sich befangen an ihn , blickte ihm mit seinen großen Augen lange ins Gesicht und sagte dann : Du bist traurig , lieber Vater ! so warst Du auch an dem Abend , als Du abreistest , ohne mir Lebewohl zu sagen . Bist Du krank , mein Vater ? Ich habe Kummer , mein Sohn ! antwortete er ihm ; indeß es wird besser werden , und dann werden wir auch wieder fröhlich sein wie sonst . Aber Du bist nicht böse auf mich ? Niemals , mein Felix , wenn Du brav bist , und das warst Du doch , nicht wahr ? Felix ward roth , wollte sprechen und schwieg dann still . Man sah , daß seine junge Seele mit einem gewaltsamen Entschlusse ringe . Endlich fragte er : Hat ' s Dir die Mutter nicht geschrieben ? Sie hat mir geschrieben , daß Du artig und folgsam warst , und das hat mich gefreut , mein lieber Junge ! sagte Alfred und zog den Knaben an sich , um ihn zu küssen . Da fiel Felix ihm an die Brust und rief , in Thränen ausbrechend : Es ist nicht wahr , Vater ! ich war nicht brav und nicht artig . Ich war feig , als es blitzte , ganz feig ; und ich habe auch den alten Leonhard geschlagen . Aber Mama und der Kaplan haben gesagt , sie wollten es Dir nicht schreiben und ich brauchte es Dir nicht zu erzählen . Ich solle es nur immer dem Herrn Kaplan sagen , wenn ich Unrecht gethan hätte , der würde mit mir Paternoster beten und mir Alles verzeihen . Alfred fuhr mit einer Bewegung des Unmuthes empor . Der Knabe , welcher wähnte , dieser Zorn gelte ihm , rief traurig : Sei nicht böse , Vater ! ich thue es nie wieder . Ich werde nie mehr feig sein und Niemand schlagen . Ich wollte Dir es lieber verschweigen , aber ich dachte , wenn der Kaplan mir verzeiht , den ich gar nicht mag , so würdest Du mir ' s ja auch verzeihen . Damit schlang er seine kräftigen Arme um den Hals des Vaters , der ihn mit zärtlich ernsten Worten ermahnte und ihn fragte : Hast Du denn den alten Leonhard um Verzeihung gebeten ? Nein ! zuerst wollte ich es thun , denn es that mir leid , aber die Mutter sagte , das sei gar nicht nöthig ; ich sei ein Junker und der Leonhard ein Diener , dem hätte ich nichts abzubitten , antwortete der Knabe . Alfred ' s Unmuth stieg mehr und mehr . Dies war die Weise , in welcher Caroline und der Kaplan , der sie vollständig beherrschte , das Gemüth und den Verstand des Knaben verdunkelten ; und es hatte ihm Mühe genug gekostet , dagegen anzukämpfen , ohne dem Kinde die Anhänglichkeit und die Verehrung für die eigne Mutter zu rauben . Auch jetzt mußte er sich begnügen , dem Knaben sein Betragen zu verweisen , so gern er ihn zu einer Abbitte bei dem alten Diener veranlaßt hätte ; aber das Ereigniß bestärkte ihn in dem Vorsatz , so schnell als möglich abzureisen . Vor allen Dingen mußte er dazu sich mit seiner Frau verständigen . Daß dies in mündlicher Unterredung nicht möglich sei , wußte er bestimmt . Er kam also auf den Gedanken , einen alten Geistlichen , einen Freund seines verstorbenen Onkels , der auch ihm zugethan war , zum Vermittler zu brauchen . Wie der Kaplan , war auch der Domherr Geistlicher am Domstifte zu Maria-Gnad , das ganz in der Nähe von Alfred ' s Gütern lag , und Erbe der Güter werden sollte , falls die Reichenbach ' sche Familie ausstürbe , oder sich durch Austritt aus dem Katholicismus des Besitzes verlustig machte . Alfred schrieb dem geistlichen Freunde , bat ihn , sich zu ihm zu verfügen , und trat dann eine Wanderung durch seine Besitzungen an , auf der ihn Felix begleitete . In der freien Natur erheiterte sich sein Gemüth . Es war spät im Jahre , aber die Sonne hatte , als sie in ihrem Höhepunkte stand , die Nebel des Herbstes besiegt und leuchtete warm und freundlich am klaren Himmel . Die Luft war belebend frisch ; ein Theil des Laubes hing in buntfarbiger Pracht noch an den Bäumen ; das Gras war noch grün an vielen Stellen und hier und da drängte sich eine Blume an das Licht hervor . Felix und sein großer Hund sprangen jubelnd neben Alfred her , der mit der Lust des Besitzers durch die Gegend ging . Des Feiertages wegen rasteten die Arbeiter ; es war still und friedlich umher . Einzelne Männer und Frauen , die in behaglicher Sonntagsruhe in ihren Häusern saßen , traten , den Herrn erkennend , vor die Thüren , um ihn willkommen zu heißen . Jeder hatte ihm Etwas zu erzählen , ihn um Etwas zu fragen . Der Eine dankte für eine Unterstützung , die ihm geworden , der Andere bat um eine solche , mit der Zuversicht , welche die Gewißheit der Erhörung gibt . Dazwischen wurden denn auch Klagen laut . Man beschwerte sich , daß man auf Befehl des Herrn Kaplan zwei kleinere Festtage habe rasten müssen , was den Tagelohn verringert . Man machte dem Inspektor der Fabriken den Vorwurf , daß er die Kinder zwei Stunden länger an jedem Tage habe arbeiten lassen , als Alfred es festgesetzt , und daß er sie benutzt habe , am Sonntage in seinem Garten