lachend , der alte Professor , so muß er eine Traumgestalt des Herrn Gotthard sein , der seit einer halben Stunde dasitzt , als brüte er , wie Doctor Faust ' s Famulus über einen Homunculus . Gotthard hatte keinen Theil an dem Gange des Gesprächs genommen , auch jetzt war er zerstreut und hatte nicht recht hingehört . Ach ! sagte er ernst und weich , welcher Mensch ist am Ende individuell genug , um so ganz genau Dichtung und Wahrheit in sich zu scheiden und mit Gewißheit zu sagen , das habe ich erlebt - das habe ich geträumt ! Otto maß ihn von Kopf zu Füßen , ein furchtbarer Zorn loderte auf in seinen Augen . Ihm war Gotthards Zerstreuung sehr erklärlich ; dieser bemerkte es nicht und blieb still in seinem Winkel sitzen . Leontine war aufgestanden und hatte trotz der Novemberkälte ein Fenster geöffnet ; sie sah eine Weile hinaus . Als sie auf Anna ' s wiederholtes Bitten zur Gesellschaft zurückkehrte , erschien sie den Andern bleich und angegriffen ; sie zitterte sogar . Sie schob es auf die Nachtluft . Der Professor , den die plötzliche , ihm ganz unerklärliche Verstimmung drückte , hatte sich wieder zu Gotthard an das Klavier gesetzt und bat ihn , eine seiner Lieblingscompositionen zu singen . Gotthard fragte die Gräfin , ob sie es erlaube , und willfahrte dem alten freundlichen Mann gern ; aber er sang andere , als die gewohnten Textworte . Mitten in der Brandung auf den Felsentrümmern Ruht der alte Schiffer , schauend in die Flut ; Unter blauen Wogen , wo die Muscheln schimmern , Bergen sich Korallen vor des Blickes Glut . Durch das Meergebrause ruft er den Erschreckten Und den Bernsteinwäldern und den Perlen zu : Schlaft in euern Tiefen ! Die euch sonst erweckten , Meine Taucherblicke , gönnen euch die Ruh ' . Glänzt mit euerm Schimmer , euern Purpurzweigen Ruhig durch die klare , rasch-bewegte Nacht ; Bleibt in eurer Schöne der Najade eigen , Zu des Wellenbettes hochzeitlicher Pracht . Hören ' s die Najaden , unten in den Wogen , All ' die Nereiden steigen still herauf , Und ein Netz von Klängen , die sein Herz durchzogen , Schlagen unter Wellen sie dem Fischer auf . Doch der alte Schiffer schüttelt seine Locken , In des Auges Muschel schläft die Thräne fort . Er sieht Netz und Schlingen - die Gesänge stocken , Seinen Nachen treibt es aus dem Felsenport . Rasch in sicherm Sprunge steht er in der Barke , Faßt das Steuerruder mit erfahrner Hand : Ruhig , Klang und Welle ! Euch bezwingt der Starke Und ihr tragt den Nachen mir zum sichern Strand . Mit jedem Vers war Gotthards Stimme voller und tönender , sein Ausdruck mächtiger geworden . Als er an die Worte kam : Ruhig , Klang und Welle ! leuchtete eine fast blendende Kraft und Sicherheit aus seinen ganz vergeistigten Zügen , so daß Alle in dem kleinen Kreise davon ergriffen , ihn starr und bewegungslos anschauten , etwa wie einen plötzlich unter ihnen erstandenen Propheten oder einen von höherer Kraft Begeisterten . Leontine stand einen Moment , das schöne Köpfchen zu einer fast demüthigen Stellung herabgebeugt , neben ihm am Klavier . Ja , sagte sie leise , Sie werden ein glücklicher Schiffer sein , denn Sie vermögen die inneren , wie die äußeren Gewalten zu bändigen , Sie haben die Kraft dazu . Kraft ist nicht Glück , mein Fräulein ! sagte Gotthard sehr ernst . Er war aufgestanden und mit an den kleinen runden Tisch getreten , um den die Andern saßen . Wunderbar , der untergeordnete , der besoldete Hofmeister der Kinder stand unter ihnen wie ein Fürst . Sogar Sophie staunte ihn mit einer Art dumpfen Respect an , mit dem sie nicht leicht bei der Hand war . Gotthard bat , sich beurlauben zu dürfen , verbeugte sich tief vor Annen , leicht vor den Uebrigen und verließ den Saal . Das ist doch ein sehr ungewöhnlicher Mensch ! sagte Otto düster . Anna schwieg . Ach ! erwiderte Leontine , wie in Traumeswogen versunken , halb flüsternd vor sich hin redend , wenn sich diese Ueberlegenheit an die Spitze eines bedeutenden Unternehmens stellte , wenn in Oberitalien - Sophie warf den Nähkorb des Fräuleins um und brachte mit den unbedeutendsten Fragen und Suchen nach den herumrollenden Wollenknäueln das Gespräch aus dem Gange . Leontine erröthete heftig ; Anna reichte Otto quer über den Tisch die Hand . Als Anna in ihr Schlafzimmer trat , leuchtete die stille Arbeitslampe wie gewöhnlich herüber . Er schreibt noch ! Sie trat ans Fenster und legte die heiße Stirn gegen die kühlenden Glasscheiben . Zum ersten Mal hatte Gotthard vergessen , seine Vorhänge zu schließen . Sie sah hinüber , sah ihn ein Paquet Schriften packen , siegeln und adressiren . Lange stand er dann , es betrachtend , am Schreibtische ; er sah sehr ernst , fast trübe aus . Plötzlich wandte er sich und trat mit einer unerwartet raschen Bewegung ihr gegenüber an sein Fenster . Das alterthümliche Haus , das die Familie bewohnte , umschloß , mit seinem Nebenbau und Seitenflügeln im Viereck , nach hinten zu einen ziemlich engen Hof ; Gotthard sah also durch die einander schräg gegenüber liegenden Zimmerfenster Annen unerwartet ganz nahe vor sich . Er hatte scharfe Augen und mußte bemerken , daß sie ihn beobachtet hatte . Ein unbeschreiblicher Ausdruck von Seligkeit und Schmerz überflog einen Augenblick seine Züge , dann senkte er die Augen . Als er sie wieder hob , war das Meteor seines Glückes verschwunden und tiefe Finsterniß umhüllte das ganze Gebäude . Für das ganze lange Leben einen Augenblick des Glücks ! sagte er wehmüthig vor sich hin . Er löschte auch seine Lampe , dann sank er im Dunkeln auf einen Stuhl und blickte tiefsinnig in die Nacht hinaus . Als er am nächsten Morgen nach dem Frühstück , seine