, und dadurch auch der Seele wohl . Es war nur Alles so schnurgerade verschieden von dem , was man sonst zu erblicken pflegt ! Ein Gemälde hing in dem ersten Zimmer , auch eins von denen , welche man nicht häufig sieht : es war eine sehr gelungene Copie vom Titianischen Christus mit dem Zinsgroschen , von der Dresdner Gallerie . Clemens fragte , ob sie es gemalt . » Nein , « sagte sie , » ich kann nicht copiren . Ich thue vorschnell stets etwas von dem Meinigen hinzu , und das wäre doch Jammerschade um dies himmlische Bild gewesen . « » Keins von allen auf der ganzen Gallerie hat mich so angezogen , wie dieses Bild , « sagte Mario , » und überhaupt niemals hab ' ich einen Christus gesehen , der mit seinem feinen , durchschmerzten , edlen , und so überaus geistreichen Gesicht , mehr der Idee entsprochen hätte , mit welcher ich ihn verkörpere . « » Das freut mich ! « rief Faustine ; » es theilen gar Wenige meine Vorliebe . Im Allgemeinen finden die Christusbilder von Guido Reni , Carlo Dolce und Bellini mehr Beifall . Es kommt immer auf die Idee an , welche wir selbst davon mitbringen . Mir scheint , Himmel und Erde sind wol nie in einem so engen Raum , mit so geringen Mitteln , in so grandioser Simplicität zusammengestellt worden . « » Aber können Himmel und Erde sich je so nah kommen , wie in diesem Gemälde ? « fragte Mengen . » O sie sind es ja immer ! immer ! « rief Faustine lebhaft ; » immer und ganz untrennbar ! aber dennoch so weit geschieden wie Christus und der Pharisäer , wie Himmel und Erde bleiben , wenn sie auch in unserm Horizont sich vereinigen . Denn die Sinne vereinen nur , und die Seele trennt . « » Und vereint ! « » Aber einzig und allein das Gleichartige - und das nenne ich Liebe . « Leichenblässe legte sich bei diesen Worten über Felderns Züge . Er stand auf und ging . Faustine sah Kirchberg fragend an ; der machte ein diplomatisch ablehnendes , lächelndes Gesicht , und sie erschrak wie Jemand , der zu viel gefragt hat . Mengen sah das und sagte ruhig : » Die Partie geht wahrscheinlich zurück , weil die beiden Leute sich durchaus nicht conveniren . Mir war das auf den ersten Blick klar . « » Man sagt - « sprach Kirchberg . » Das ist nicht wahr ! « rief Faustine . » Was denn , gnädige Gräfin ? « fragte er befremdet . » Ein : man sagt ! ist von Hause aus nicht wahr , « wiederholte sie . » Wol möglich und ich will es wünschen ! indessen sagt man doch , daß eine liaison de bas étage die Heirath unmöglich mache . « » Kirchberg ! « sprach Faustine mit ganz leiser , gedämpfter Stimme und ihre Augen sprühten Funken ; - sagen Sie von einer Frau , was Sie wollen ! es wird schlecht von Ihnen sein , aber es thut nichts . Doch von einem Mädchen , einem schönen jungen Mädchen - wie wagen Ihre Lippen das ! - Vor den Frauen habt ihr Männer keinen Respect mehr , et elles vous le rendent bien ! aber vor den Mädchen habt doch um Gottes willen noch Achtung , denn aus deren Reihen wollt ihr ja eure künftigen Gattinnen , die Mütter eurer Kinder wählen ! ich begreife wirklich nicht , daß ihr vor diesen Geschöpfen nicht das Knie beugt . Es rührt wol daher , daß kein Mann sich vorstellen kann , was es eigentlich ist : ein Mädchen . Er sieht immer das Unvollendete , das Unentwickelte darin ; ich sehe das Unangetastete . Ach , ich wollte , alle Mädchen stürben in ihrem achtzehnten Jahr . « » Dieser Wunsch würde wol keinen Anklang bei den jungen Damen finden , « entgegnete Kirchberg lachend . » Ich meinte nicht die jungen Damen - die können meinetwegen leben , bis sie alte Damen werden , « sagte Faustine , - » sondern die Mädchen . « » Ich finde da in der That keinen Unterschied . « » Keinen Unterschied ! « rief Faustine , in höchster Verwunderung die Hände zusammenschlagend ; - bester Walldorf - Graf Mengen - weiß wirklich keiner der Herren den Unterschied zwischen einem Mädchen und einer jungen Dame ? « Clemens starrte unverwandt und stumm Faustine an ; ihm waren alle Frauen der Welt so gleichgültig , daß er nur zwischen ihnen und ihr einen Unterschied machte . Auch war er gar nicht gewöhnt an diese Art der Unterhaltung . Er verhielt sich passiv . Er verstand nicht , in Faustinens zwischen Ernst und Scherz schwebendes Wesen einzugehen , er wollte ihr immer in allem Ernst sein Herz sagen , sonst aber nichts . Mengen hingegen war hiebei recht in seinem Elemente . Als Faustine sich zu ihm wandte , sagte er : » Das Mädchen ist ein frisch vom Himmel herabgeflatterter Engel : der wird gern zur Heimath wieder auffliegen . Die junge Dame ist bereits auf der Erde etwas in die Schule gegangen , hat gelernt ihre schneeweißen Schwingen im Salon zusammenfalten , damit sie niemand geniren , und wird wünschen , die ganze Schulzeit durchzumachen . « » Nun , das ist doch Etwas ! « entgegnete Faustine ; » die Herren mögen sich bei Graf Mengen bedanken , daß er sie von dem Verdacht der Blindheit frei spricht . « » Wir sind gar nicht blind , « sagte Clemens , » wir mögen nur nichts sehen , was uns nicht interessirt . « » Wirklich ? « fragte Faustine ; » ich meinte , nur Frauen wären so einseitig ! Männer aber betrachteten und bedächten Alles , was ihnen vorkommt , um über Alles ein Urtheil zu haben . Darum sind