wie gewichste Gespenster , in den Sälen auf und nieder , fegen und putzen , zünden die Kronleuchter an , und ordnen Stühle und Ottomanen . Bardeloh und Rosalie sind bemüht , zum Rechten zu sehen , Ersterer mit der Miene einer weltverachtenden Ironie , Letztere nur den Dank erfüllter Mutterwünsche auf den Zügen der Entsagung . Es bettet sich auf dieser sanften Stirn die Anmuth des Weibes mit allen verwandten Tugenden in die Kissen der Versöhnung . - In den letzten Tagen war Bardeloh ausschließlich mit Durchsicht der Papiere beschäftigt , die sich in dem Klosterarchive fanden und etwa Aufschluß über das Schicksal seines Bruders geben können . Der unglückliche Mönch lebt still hier im Hause . Noch hat er kaum ein Wort gesprochen , nur zu Felix scheint er ein unbegrenztes Vertrauen zu haben . Dieser bringt oft stundenlang bei ihm zu und erzählt , was ihm eben in den Sinn kommt . Dann lacht der Unglückliche vergnügt , summt die Melodie seines unseligen Liedes und zählt die wenigen Haare , die ihm , wie Dornenbüschel , über die Stirne herabhängen . Die Dienerschaft ist verschüchtert durch diesen neuen Hausgenossen und hält sich möglichst fern von dem Zimmer , das er bewohnt . Mich selbst , ich läugn ' es nicht , überläuft zuweilen ein Frostschauer , wenn ich alle die Möglichkeiten durchdenke , die ein etwaiger Ausbruch wilder Raserei bei dem Mönche zur Folge haben könnte . Bardeloh wird ohnehin noch manchen Angriff abwehren müssen , den offen und versteckt die erbitterte Geistlichkeit gegen ihn leiten dürfte . Zwar fürchtet man die Verbindungen des geheimnißvollen , reichen Mannes nicht minder , als seine geistige Ueberlegenheit ; dennoch aber kann es den jesuitischen Ränken und Kniffen gelingen , ihn zur Verantwortung zu ziehen . Der Pförtner des Klosters scheint Zeuge gewesen zu sein von dem unseligen Auftritte , und die beleidigte Kirchenautorität wird gewiß nicht säumen , Rache dafür zu nehmen . Man sagt , das außerordentliche Ereigniß werde genau untersucht werden und dann könnten sich große Schwierigkeiten für Bardeloh ergeben , wenn nicht etwa Furcht vor Entdeckung mancher Geheimnisse Kirche und Geistlichkeit zu großer Vorsicht nöthigt . - Es gibt kein größeres Unglück , Ferdinand , als das Vermögen zu tief in die Welt und ihre Geschicke blicken zu können ! Das ist der wahre Gram des Lebens , der Alles , auch das Schönste gänzlich vernichtet . In dem süßen Namen Vater schließt sich gemeiniglich die irdische Seligkeit ein . Der Geburtstag eines Kindes ist der Sonnenblick im Leben . Er glättet die sorgenvolle Stirn des Vaters und um die schmerzentstellte Lippe legt sich sanft lächelnd der Rosenkranz junger Hoffnungen . - Aber glaubst Du , daß Bardeloh Aehnliches empfinde ? Gott im Himmel , diesem Manne des Geschickes ist der heutige Tag blos ein neuer , gewaltiger Schlag auf sein blutendes Herz ! Unter seiner Last schleicht er geistig gekrümmt einher , wie die verkörperte Buße der Welt . Seine ganze Erscheinung ist ein einziger , entsetzlicher Seufzer ! Hättest Du das Auge gesehen , als ihn heut Morgen beim Frühstück das glückliche Kind begrüßte . Die schuldlose , strahlende Hoffnung beugte sich vor dem Modergeruch des Grabes . Rosalie küßte den Knaben mit der Innigkeit mütterlicher Liebe und schenkte ihm Blumen und andere Kleinigkeiten , Bardeloh aber faßte die Hand seines Sohnes und fragte ihn , ob er sich freue . Auf das Bejahen dieser wunderlichen Frage versetzte der Vater : » Nun , so wisse , daß ich mich nicht freue ! Zwar ist mir es lieb , daß Du mein Sohn bist , besser aber war ' es , Du hättest das Licht der Welt nicht erblickt ! Denn so lange die Zeit Zeit bleibt , ist Fluch und nur Fluch der Segen für ein europäisches Menschenleben ! Dies bedenke , Felix , und nimm die Zeit wahr . Damit Du es kannst , empfange diese Uhr . Je kürzere Zeit Du davon Gebrauch machen darfst , desto besser wird es sein für Dein eignes Heil . « - Mit diesen Worten überreichte ihm Bardeloh eine werthvolle , goldene Uhr . Felix nahm sie , zitternd vor Angst , hin und küßte die Hand des Vaters . Große Thränen hingen an seinen kastanienbraunen Wimpern , er eilte fort und erst Mittags sahen wir ihn wieder . Nach diesem unerhörten Auftritte hatte ich eine Unterredung mit Bardeloh . » Warum können Sie sich noch wundern über meine Aeußerungen , « sagte er , » da Sie doch von meiner Weltansicht einen hinlänglichen Theil kennen ? « » Nicht die Aeußerung , nur die Grausamkeit derselben dem Kinde gegenüber entsetzt mich . « » Schwachheit ! Der Junge muß bei Zeiten erkennen lernen , daß Leben nichts ist , als eine Uebung in allen Arten von Qualen . « » Felix ist noch zu sehr Kind , um dies zu begreifen . « » Es gibt kein Kind in Europa ! « » Ein starkes Paradoxon , dessen Beweis Ihnen schwer fallen würde . « » Mir ? Lieber Sigismund , mir fällt nichts schwer , was sich mit einem bloßen Beweise abthun laßt . Ich will Ihnen so strict und firm beweisen , Sie seien ein Grashüpfer , daß Sie sich nur darüber wundern sollen , wie Sie schon nicht längst selbst zu dieser Einsicht gekommen sind . « » Sie lächeln , « fuhr er nach kurzem Schweigen fort , » und doch ist noch nichts Wahreres als jener Ausspruch behauptet worden . Europa kennt weder Kinder noch Menschen , es trägt nur noch Caricaturen . Wie also wollen Sie von Unschuld reden und mir Vorwürfe über meine Grausamkeit machen ? Nichtgeborensein ist jetzt das einzige Glück , was sich ereignen kann in Europa . « » Daran sterben wir ja eben , « fiel ich ein . » Es wird keine That mehr geboren . « » Freilich , « versetzte Bardeloh , » ich sprach aber von Menschen . Ein