Ich bedarf Ihrer Gegenwart nicht zu meinem Glücke , Ottokar , Sie sind doch immer mit mir , und diese an Thränen und Freuden so reiche Stunde bleibt ewig der hellschimmernde Lichtpunkt meines Lebens , er kann nie verlöschen . « » O Gabriele ! « rief Ottokar , mit leuchtenden Augen und tiefbewegter Stimme , » Gabriele ! warum schlug diese Stunde uns nicht früher ! wie anders könnte alles seyn ! « - » Sprich diesen Gedanken nicht aus , hüte dich , ihn nur auszudenken , rein und treu mußt du bleiben , wenn ich nicht im Schmerz um dich vergehen soll , « unterbrach ihn Gabriele , in heftiger Bewegung . » Ich bleibe rein , ich bleibe treu , « erwiederte Ottokar , » aber noch bin ich nicht gebunden , noch hat die Kirche nicht « - » Ottokar ! Ottokar ! ich flehe zu dir ! « rief Gabriele , in höchster Angst , mit gefaltnen Händen , indem sie vom Divan hinabgleitend fast zu seinen Füßen hinsank . Ottokar faßte sie schnell in seinen Armen auf ; beide saßen einige Minuten sprachlos mit hochpochenden Herzen , Hand in Hand neben einander . » So laß uns wenigstens in dieser entscheidenden Stunde unsers Lebens nichts übereilen . « sprach er endlich mit mühsam errungner Fassung , » höre auch mich an , und dann entscheide du selbst , ich lege willenlos mein Geschick in deine Hände , du kannst kein Unrecht wollen , du reiner Engel des Himmels . Liebe war der süße Traum meiner Jugend , ich trat früh in die Welt , ich suchte sie , ich fand sie nicht , und so gab ich ihn als unerreichbar auf , den schönen Traum , und bereitete mich , mit freiem Herzen bei der Wahl einer Gemahlin dem Wunsch meines Vaters zu folgen . Fern vom Geräusch der Welt , lebt er in tiefer Einsamkeit . Mit der starren Anhänglichkeit des Alters , klammert er sich an die Vergangenheit , die er so gern wieder zurückbrächte , und der Gedanke , mich mit der Tochter seines Jugendfreundes verbunden zu sehen , war immer der einzige Plan für die Zukunft , den er fassen mochte Doch liebt er mich zu sehr , um das Opfer meiner Ruhe zu fordern . Sehen sollte ich sie , Monden lang in ihrer Nähe leben , ehe ich mich erklärte , nur eignes Wollen sollte mich binden , darum sandte er mich hierher . Ich sah sie , Gabriele ! wen sollte diese hohe Schönheit nicht blenden ? dieser heitre , immer spielende Geist , dieses Talent für alles , was das Leben verschönt ? ich glaubte , sie zu lieben , ja ich liebte sie wirklich , wenn unaussprechliches Wohlgefallen an einem reizenden Wesen Liebe genannt werden kann . Wenn mich , wie oft geschah , etwas Befremdendes in ihrem Benehmen auf Augenblicke von ihr zurückscheuchte , wenn ein Ahnen , ein Sehnen höhern Empfindens mich beschlich , so gedachte ich meines guten alten Vaters und entfernte alles , was mir die Erfüllung seines Wunsches hätte erschweren können . So lebte ich Monate neben dem reizenden Mädchen . War auch sie vom Wunsch unsrer Väter unterrichtet ? beobachtete auch sie mich im Stillen ? ich wußte es nicht , auch galt es gleich . In jedem Fall war sie zu stolz , mich täuschen zu wollen , sie zeigte sich mir immer , wie sie ist , und achtete es nicht , wenn sie es auch bemerkte , daß sie mir deshalb nicht in jeder Stunde gleich liebenswerth erschien . Vor einigen Wochen brachte mein Vater , - Ach ! auf mein Bitten , - das frühere Versprechen ihres Gatten bei der Gräfin Rosenberg wieder in Anregung . Sie weigerte sich nicht , es zu erneuern , doch unter der Bedingung , daß ich nur dann gegen Aurelien mich erklären dürfe , wenn ich ihr zugleich den Rang , den Glanz bieten könne , der ihren Vorzügen gebühre . Bis dahin achtete die Gräfin weder ihre Tochter noch mich durch dieses Versprechen gebunden und verhehlte es auch nicht , daß mehrere Männer sich um die Hand derselben bewürben . Jetzt , Gabriele , jetzt da ich die Gefahr sah , Aurelien zu verlieren , jetzt erst fühlte ich mich mächtig zu ihr gezogen . Denn Eifersucht gleicht der Liebe , obgleich jene nicht immer diese begleitet , sie ist gar oft nur das Kind gekränkter Eitelkeit . Die von den ausgezeichnetsten Männern gefeierte Aurelia konnte mein werden , wenn ich sie zu fesseln verstand , dieß bannte mich an jeden ihrer Schritte , während ihr Leichtsinn , ihre auch mich nicht schonende Spottlust mich auf die Folter spannten . Endlich vor einigen Tagen kam mit der Gewißheit meiner Ernennung zu der Gesandten-Stelle auch der Tag meiner Erklärung gegen Aurelien . Kalt , gemüthlos , spottend beinahe , gab sie mir das Versprechen , die meine zu werden , und alle Lust am Leben schwand mir in der Minute dahin . Ich fühlte mit Bewußtseyn , daß dieses kalte , über alles lachende , mit allem seinen Spott treibende Wesen nie lieben kann . Sie wird mir treu seyn , sie wird mich vielleicht freundlich behandeln , ich will es glauben ; aber mehr darf ich nie von ihr hoffen , und alle die schönen Ahnungen häuslichen Glücks , denen ich doch nie ganz hoffnungslos entsagen konnte , sinken mir an ihrer Seite in das Reich der Unmöglichkeit . Mir zum Troste suchte ich mich zu bereden , daß , was ich wünsche , zu schön für dieses Werkeltagsleben , nur in andern Welten heimisch sey . Ich war gefaßt , eine gewöhnliche Konvenienz-Heirath einzugehen , und weder mehr noch minder glücklich zu seyn , als alle die Tausende um mich her , und nun , in der letzten Minute , da ich mit halber Freiheit noch athme , kommst du wie eine himmlische Erscheinung , du