mit Recht erst ihre Gäste erwarten durfte , noch nicht geschlagen hatte . Er verbot den Bedienten , ihr seine Ankunft zu melden , und setzte sich in eine Fenstervertiefung , wo die weiten , faltenreichen Drapperien der seidenen Fenstergardinen ihm eine Art von Einsamkeit mitten im Gewühl geschäftiger Zurüstungen gewährten . Endlich fingen die Wagen an zu rollen , und fröhliche Gruppen füllten den Saal und die angränzenden Gemächer - sie aber , die sein Auge mit schüchternem Verlangen suchte - sie sah er nirgends , und als es endlich immer lauter und gedrängter um ihn her ward , verließ er seinen Schlupfwinkel , sich unter die Menge zu mischen . Da begann der Tanz , aber ohne Erna , die doch bestimmt war , die Königin des Festes zu seyn . Die Gräfin schien verstimmt . Noch hatte er sich ihr nicht genähert , da wurde sie ihn gewahr , und sagte , mismuthig an ihn vorüberstreichend : Denken Sie , wie fatal es mir geht ! Ich verfehle ganz den Hauptzweck , den ich hatte , Erna einen frohen Abend zu bereiten . Sie hat absagen lassen . Noch war er halb betäubt von dieser ihn schmerzlich befremdenden Nachricht , da mahnte ihn ein süßer aromatischer Duft an der Daphne würzige Blüthe . Er kannte die Schätze aller Treibhäuser der Residenz , und wußte , daß diese liebliche Pflanze in keinem derselben jetzt blühend existire . Wars ein Wunder , wenn er , trotz dem , was er so eben gehört , Erna ' s Nähe , wiewohl seinen Augen noch verborgen , vermuthete . Wie die Gletscher , von der untergehenden Sonne zum letztenmal bestreift , in sanftem Rosenlicht erglühen , um dann aufs Neue zu erblassen , von nächtlichem Schatten umhüllt , so wärmte eine zarte Hoffnung noch einmal sein bebendes Herz , um es täuschend der Verzweiflung Preis zu geben . Denn was glich der Empfindung , die sein glühendes Blut in einen fröstelnden Eisstrom verwandelte , als der verrätherische Duft näher und näher kam , und er - an Fräulein Mariane Lahnberg ' s vergilbtem Busen seine liebevoll erzogenen , einem so schönen Zweck geweihten Pflegekinder , die Daphne neben ihrem strahlenden Gefährten , den Rhododendron erblickte ? Seiner nicht mächtig drängte er sich zu ihr hin , und : wie kommen Sie zu diesen Blumen ? war die nicht sehr freundliche Anrede , mit der er ihren zuvorkommenden Gruß erwiederte . Höhnisch grinzte ihn Mariane an , und sagte : wir machten vor dem Ball eine Visite bei der * schen Gesandtin . Da lagen diese Blumen auf dem Tische , von denen Fräulein Willfried uns sagte , daß sie ein ihr aufgedrungenes Geschenk , und ihr höchst zuwider seien , so sehr sie auch sonst Blumen liebe . Als ich sie nun lobte , und den armen Dingern das Wort redete , sie möge ihnen nicht entgelten lassen , aus welcher unangenehmen Hand sie vielleicht kämen , bot sie mir sie an , wiewohl sie hinzufügte , sie wage es kaum , da ihre Absicht gewesen sei , sie zum Fenster hinaus zu werfen . Ich aber kehrte mich nicht daran , und nahm sie . Finden Sie sie nicht schön ? Knirschend blieb Alexander ihr die Antwort schuldig . Das ist zu viel ! rief er aus , fest mit seiner Hand seine Augen verdeckend , vor denen sich alle Gestalten um ihn her zu verwirren begannen . Um Gotteswillen , schrie Mariane , was ist Ihnen ? Ich habe doch wohl nicht etwan eine Indiscretion begangen ? Ich beschwöre Sie , sagen Sie niemand , was ich Ihnen eben erzählte , es könnte Verdrus geben . Ich bin nun einmal so ein albernes aufrichtiges Ding , daß ich schlechterdings immer die Wahrheit sagen muß . Ohne weiter auf sie zu hören , rannte er fort , und kam in einem Zustande in seine Wohnung zurück , der fast dem Wahnsinn glich . Seine Leute , ihn nicht so früh vermuthend , waren ausgegangen , und nur Benedikt , sein Reitknecht , ein grundehrlicher , treuherziger Bursch , der alle ihm gegebenen Aufträge aufs pünktlichste besorgte , und mit der größten historischen Treue darüber berichtete , war zur Aufsicht des Hauses zurückgeblieben . Erschrocken leuchtete er seinem Herrn in das todtenbleiche Gesicht , ängstlich vor ihm herschreitend , ihm das Zimmer zu öffnen . Und als Alexander hier , ohne ein Wort zu sagen , sich mit stieren Blicken auf den Sopha warf , blieb er verlegen vor ihm stehen , und wußte selbst nicht , ob jetzt der schicklichste Augenblick sei , von den während seiner Abwesenheit sich ereigneten häuslichen Vorfällen zu sprechen . Indeß , seine Liebe zur Pünktlichkeit siegte über die Furcht , seinen ihm ganz unheimlich vorkommenden Gebieter vielleicht in tiefen Gedanken zu stören , und schüchtern langte er von dem Marmorsimms des Kamins einen Brief , der von einem Bedienten des * schen Gesandten mit dem Bedeuten überbracht worden sei , daß es keiner Antwort bedürfe . Ein wirksameres Mittel hätte Benedikt nicht auftreiben können , seinen fast zu Marmor erstarrten Herrn von Neuem zu beleben . Wie der Verschmachtende die letzte Kraft , die ihm übrig blieb , anstrengt , den Becher zu erreichen , in den ihm Labung und Rettung quillt , so ergriff Alexander mit zitternder Hast den Brief , ihn an sich reißend , als könne durch ihn die Quaal seines Innern sich lindern , und noch alles , alles gut werden . Gleichwohl betrachtete er doch erst , ehe er das Siegel brach , die Aufschrift , sich einen Moment an der zierlichen Frauenhand weidend , die sie geschrieben . Noch nie hatte er Erna ' s Schriftzüge gesehen ; aber ein milder Geist , der Geist der Hoffnung , schien sie zu beseelen , und neu gestärkt und ermuthigt öffnete er nun den Brief und las folgendes : » Ersparen Sie meiner Freundin die unangenehme Nothwendigkeit , Ihnen eine