, aber daß Ihr nun einmal nicht im gewöhnlichen Trott bleiben könnt , daß Ihr rechts , links herausspringt aus dem Wege , daran ist niemand schuld als Ihr selbst . Recht habt Ihr indessen wohl , daß , was Eure Knabenjahre betrifft , Euer Stern besonders waltete , und - - « Zweiter Abschnitt Lebenserfahrungen des Jünglings Auch ich war in Arkadien ( M. f. f. ) » Närrisch genug und zugleich ungemein merkwürdig wär ' es doch , « sprach eines Tages mein Meister zu sich selbst , » wenn der kleine graue Mann dort unter dem Ofen wirklich die Eigenschaften besitzen sollte , die der Professor ihm andichten will ! - Hm ! ich dächte , er könnte mich dann reich machen , mehr als mein unsichtbares Mädchen es getan . Ich sperrt ' ihn ein in einen Käficht , er müßte seine Künste machen vor der Welt , die reichlichen Tribut dafür gern zahlen würde . Ein wissenschaftlich gebildeter Kater will doch immer mehr sagen als ein frühreifer Junge , dem man die Exerzitia eingetrichtert . - Überdem erspart ' ich mir einen Schreiber ! - Ich muß dem Dinge näher auf die Spur kommen ! « Ich gedachte , als ich des Meisters verfängliche Worte vernahm , der Warnung meiner unvergeßlichen Mutter Mina , und wohl mich hütend , auch nur durch das geringste Zeichen zu verraten , daß ich den Meister verstanden , nahm ich mir fest vor , auf das sorgfältigste meine Bildung zu verbergen . Ich las und schrieb daher nur das Nachts und erkannte auch dabei mit Dank die Güte der Vorsehung , die meinem verachteten Geschlecht manchen Vorzug vor den zweibeinichten Geschöpfen , die sich , Gott weiß warum , die Herren der Schöpfung nennen , gegeben hat . Versichern kann ich nämlich , daß ich bei meinen Studien weder des Lichtziehers noch des Ölfabrikanten bedurfte , da der Phosphor meiner Augen hell leuchtet in der finstersten Nacht . Gewiß ist es daher auch , daß meine Werke erhaben sind über den Vorwurf , der irgendeinem Schriftsteller aus der alten Welt gemacht wurde , daß nämlich die Erzeugnisse seines Geistes nach der Lampe röchen . Doch innig überzeugt von der hohen Vortrefflichkeit , mit der mich die Natur begabt hat , muß ich doch gestehen , daß alles hienieden gewisse Unvollkommenheiten in sich trägt , die wieder ein gewisses abhängiges Verhältnis verraten . Von den leiblichen Dingen , die die Ärzte nicht natürlich nennen , unerachtet sie mir eben recht natürlich dünken , will ich gar nicht reden , sondern nur rücksichts unsers psychischen Organismus bemerken , daß sich auch darin jene Abhängigkeit recht deutlich offenbaret . Ist es nicht ewig wahr , daß unsern Flug oft Bleigewichte hemmen , von denen wir nicht wissen , was sie sind , woher sie kommen , wer sie uns angehängt ? Doch besser und richtiger ist es wohl , wenn ich behaupte , daß alles Übel vom bösen Beispiel herrührt , und daß die Schwäche unserer Natur lediglich darin liegt , daß wir dem bösen Beispiel zu folgen gezwungen sind . Überzeugt bin ich auch , daß das menschliche Geschlecht recht eigentlich dazu bestimmt ist , dies böse Beispiel zu geben . Bist du , geliebter Katerjüngling , der du dieses liesest , nicht einmal in deinem Leben in einen Zustand geraten , der dir selbst unerklärlich , dir überall die bittersten Vorwürfe und vielleicht auch - einige tüchtige Bisse deiner Kumpane zuzog ? Du warst träge , zänkisch , ungebärdig , gefräßig , fandest an nichts Gefallen , warst immer da , wo du nicht sein solltest , fielst allen zur Last , kurz , warst ein ganz unausstehlicher Bursche ! - Tröste dich , o Kater ! Nicht aus deinem eigentlichen , tiefern Innern formte sich diese heillose Periode deines Lebens , nein , es war der Zoll , den du dem über uns waltenden Prinzip dadurch darbrachtest , daß auch du dem bösen Beispiel der Menschen , die diesen vorübergehenden Zustand eingeführt haben , folgtest . Tröste dich , o Kater ! denn auch mir ist es nicht besser ergangen ! Mitten in meinen Lukubrationen überfiel mich eine Unlust - eine Unlust gleichsam der Übersättigung von unverdaulichen Dingen , so daß ich ohne weiteres auf demselben Buch , worin ich gelesen , auf demselben Manuskript , woran ich geschrieben , mich zusammenkrümmte und einschlief . Immer mehr und mehr nahm diese Trägheit zu , so daß ich zuletzt nicht mehr schreiben , nicht mehr lesen , nicht mehr springen , nicht mehr laufen , nicht mehr mit meinen Freunden im Keller , auf dem Dache mich unterhalten mochte . Statt dessen fühlte ich einen unwiderstehlichen Trieb , alles das zu tun , was dem Meister , was den Freunden nie angenehm sein , womit ich ihnen beschwerlich fallen mußte . Was den Meister anlangt , so begnügte er lange Zeit hindurch sich damit , mich fortzujagen , wenn ich zu meiner Lagerstätte immer Plätze erkor , wo er mich durchaus nicht leiden konnte , bis er endlich genötigt wurde , mich etwas zu prügeln . Immer wieder auf des Meisters Schreibtisch gesprungen , hatt ' ich nämlich so lange hin und her geschwänzelt , bis die Spitze meines Schweifs in das große Tintenfaß geraten , mit der ich nun auf Boden und Kanapee die schönsten Malereien ausführte . Das brachte den Meister , der keinen Sinn für dieses Genre der Kunst zu haben schien , in Harnisch . Ich flüchtete auf den Hof , aber beinah ' noch schlimmer ging es mir dort . Ein großer Kater von Ehrfurcht gebietendem Ansehen hatte längst sein Mißfallen über mein Betragen geäußert ; jetzt , da ich , freilich tölpischerweise , einen guten Bissen , den er zu verzehren eben im Begriff , vor dem Maule wegschnappen wollte , gab er mir ohne Umstände eine solche Menge Ohrfeigen von beiden Seiten , daß ich ganz betäubt wurde und mir beide Ohren bluteten