das Waschhaus und die Oefen schon aufgerichtet und zum großem Vergnügen der Goldenthaler in vollem Gebrauch . Jetzt spürten die Haushaltungen in der That , daß dabei viel Holz erübrigt werde und größere Sicherheit vor Feuersbrunst sei . Aber Eins folgt aus dem Andern . Manche Leute kamen nun von selbst auf den Gedanken , die unfläthigen großen Stubenöfen wären nicht mehr so nothwendig wie ehemals ; man könnte kleinere haben , die weniger Holz fräßen . Oswald und der Herr Pfarrer hatten solche kleine Stubenöfen , welche sogar auch zum Kochen bequem eingerichtet waren , in ihren Stuben . In der Stadt sah man fast überall dergleichen . Der ehemalige Löwenwirth Brenzel hatte sich auch schon solche angeschaut , damit es bei ihm städtischer aussehe . Es war Gewinn dabei . Man konnte das ersparte Holz verkaufen und Geld daraus machen . Keinem kamen die Worte Oswalds wieder aus dem Sinn : Holz verbrennen heißt Geld verbrennen ! Man scheute nur die Unkosten für das Umsetzen und Abändern der Oefen . Doch verschiedene von den zweiunddreißig heimlichen Genossen des Goldmacherbundes , auf welche Oswald noch immer durch sein Ansehen großen Einfluß hatte , ließen auf sein Zureden ihre Oefen schon im Herbst verändern , besonders da er einigen der Unbemitteltsten dazu etwas Geld vorschoß . Ein geschickter Mann aus der Stadt richtete Alles höchst vorteilhaft und einfach ein . Nun hätte man sehen sollen , wie die Nachbarn und Nachbarinnen aus allen Winkeln des Dorfes kamen , die neuen Stubenöfen , als wahre Wunderthiere , zu beschauen . Alle lachten darüber , Alle spotteten und tadelten . Hintennach , da der kalte Winter mit Eis , Sturm und Schneeflocken ins Dorf einzog , verwunderten sie sich , daß die kleinen , von den Wänden freistehenden Oefen doch so warme Stuben machen konnten . Als aber im Frühjahre viele von den Besitzern dieser Oefen Holz verkauften , kam den Uebrigen die Sache sehr annehmlich vor . Die alten , ungeheuern Oefen verloren ihre alten Vertheidiger , und zuletzt wollte Jedermann in der Stube ein kleines Wunderthier haben . Viele , welche die Einrichtung bei den Andern gesehen hatten , bauten sich sehr kunstvoll die Oefen selbst auf , und sogar noch mit kleinen Verbesserungen , die allgemeinen Beifall hatten . - Im Frühjahr ging der Weibel herum von Haus zu Haus und sagte : Geld her ; der Zins von der Gemeindsschuld soll bezahlt werden , darum bezahlet den Zins vom Pachtlande , das ihr von der Gemeinde habet ! Das war ein böses Geschäft , so mit einmal zwei Gulden und darüber für nichts und wieder nichts wegzugeben . Einige sagten : » Hole der Kukuk die Gemeindsschulden ! « Andere liefen zu Oswald und sagten : » Herr Vorsteher , warum redet Ihr nicht mehr von Euerm Vorschlag , die Gemeindsschulden mit Holz aus dem Wald für immer abzuthun ? Fangt doch wieder an ! « Das war ' s , was Oswald erwartete . Und als die Gemeinde zusammen berufen war , sagte er : » Die ganze Bürgerschaft ist darin einig , wie ich von allen Seiten vernehme , die Schuld abzustoßen . Keiner will jährlich ein Klafter Holz weniger empfangen . Nun denn , so macht es mit einem halben Klafter jährlich ab . Das wird bei den neuen Einrichtungen Keiner so stark vermissen , als ein ganzes . Nehmet ihr also jährlich , statt drei , nur zwei und ein halbes Klafter , so lange , bis wir wieder Holz im Walde genug haben , so ist die Schuld in zwei , drei Jahren vernichtet . « Der Vorschlag erregte zwar auch Murren , aber er ging durch . Und als ihn die hohe Landesregierung nicht nur billigte , sondern auch belobte , ward nahe und fern der Holzschlag angekündigt . Es kamen viele Käufer von nahe und fern zur Steigerung . Man schlug in Gegenwart und unter Anweisung des Oberförsters das älteste Bauholz , auch an vielen Orten junges an , wo es zu dicht stand , verkaufte aber daran zwei Jahre lang , um die Preise nicht zu niedrig zu halten , und in zwei Jahren waren sechstausend Gulden gelöset , so daß die Gemeindsschuld nicht nur bezahlt , sondern auch ein schöner Geldüberschuß für Nothfälle der Gemeinde an Zins gethan werden konnte . Nun aber folgte Oswald auch dem Willen des Oberförsters und der Regierung . Nämlich um den Wald , als das beste Stück vom Gemeindsvermögen , recht ordentlich bewirtschaften zu können , ließ man einen Feldmesser kommen . Der vermaß alle Waldungen und brachte sie in Karten . Der Oberförster ging durch die Gehölze , und nachdem er sie besichtigt hatte , theilte er sie in Portionen oder Schläge , und schrieb dazu , welchen Schlag man in jedem Jahre abholzen könne . Und so war dabei für dreißig und für hundert Jahre Vorsorge gethan . Der Oberförster machte den Ortsvorgesetzten eine schriftliche Lehre und Anweisung dazu , was sie alle Jahre beim Abholzen und beim Anpflanzen neuer Schläge zu beobachten hätten . Und die Vorgesetzten machten der Gemeinde eine neue Waldordnung , darin , als in einem Gesetz fürs Dorf , geschrieben war , was künftig bei Fällung des Holzes , bei Austheilung der Gaben , bei Anweisung notwendigen Bauholzes in der Gemeinde , bei Freveln , bei Ernennung der Bannwarte oder Waldvögte u.s.w. zu beobachten sei , damit Alles recht unparteiisch und gemeinnützlich vor sich gehe . Diese Einrichtungen waren ganz vortrefflich . Und wenn es einmal an einen Schlag im Walde kam , der zu wenig Holz gab , ward das Fehlende aus dem Ueberschuß eines andern ersetzt . Der Bannwart empfing bessern Gehalt , damit er den Lumpen und Holzdieben Tag und Nacht fleißiger nachgehen könne . Alle zwei Jahre wurden die Marken und Grenzen der Wälder und Aecker und Wiesen von den Vorgesetzten , Feldhütern , Bannwarten , Güterbesitzern u.s.w. , von alten Männern und jungen Knaben umgangen , besichtigt und berichtigt . Das