leicht . Es gab Augenblicke , wo er gar nicht an seinem Glücke zweifelte . Er konnte sich die Zukunft mit allem , was sie Reizendes hatte , ausmalen , das Aengstigende , Trübe legte er bei Seite . Blansche liebte ihn ja , was hatte er denn noch zu fürchten ! Gleichwohl liefen die Stunden ab , sein Herz schlug immer gewaltiger . Er hatte auf keiner Stelle Ruhe . Jetzt brachte man ihm einen Brief , die Blinde , rief er , und riß das Blatt von einander . Es war Philipps Hand , er schrieb ihm : » Mußten Sie denn mein stilles Innere aufreißen , um das Ihrige daran zu messen und zu beruhigen ? Warum berührten Sie ein Geheimniß , das geahndet noch zu zart ist , um es zu denken ? Sie haben dem leisen Traume Worte gegeben , und die bescheidene Woge über des Stromes Bett hinausgerissen ! Dachten Sie rein zu werden , wenn Sie sich Mitschuldige schufen ? Sie haben fehl geschlossen . Der Maaßstab , den Sie anlegen , paßt hier nicht . Anders ist es mit der Kunst , anders mit dem Leben . Mein schönes Ideal bleibt für alle Ewigkeit rein , wenn Sie das Ihrige im Sturm eigennütziger Leidenschaft tausendfach zerreißen . Dem Leben gehört der unstäte Wunsch , der Kunst die stille Anschauung . Was fahren Sie so ungestüm in den verborgenen Schacht , in welchem Sie nie zu Hause waren , wo Sie durch ihr dreistes Erscheinen nur hindern , ohne selbst belehrt zu werden ? Mißgönnen Sie mir den demüthigen Heiligendienst nicht , da Sie so laut den Göttern dieser Welt dienen ! Ihr Brief ist ein trüber Beleg , wie auch ein starkes Herz sich selbst untreu werden kann . Ich verstehe es nicht , Sie mit Worten zu bestreiten , es ist wohl so weitläuftig als unnütz . Doch wenn Sie mich mit den eignen Waffen zu schlagen glauben , so muß ich mich schon vor Ihnen behaupten , und Sie auf den Sinn aufmerksam machen , in welchem diese gebraucht wurden . Der Haß ist von dieser Welt , habe ich gesagt . Sie gehören in ihr , darum hassen Sie aus fester Seele , was nicht zu lieben ist . Werfen Sie nicht alles übereinander , verwischen Sie die Gränzen nicht ! es kommt nichts als Unsicherheit , Reue , Trotz und Kälte aus dem wüsten Selbstbetrug heraus . Gott allein darf alles lieben wollen , für uns giebt es Leben und Tod , Haß und Liebe ! - Machen Sie sich nicht weiß , Ihre Brust sei weit genug , die ganze Welt zu umfassen . Wir halten nichts , wenn wir nach allem greifen . Und tüchtig gefaßt will die Welt sein , hören Sie wohl , tüchtig , nicht lose und halb . Um Gottes Willen übertünchen und verkleiden Sie den gerechten Zorn nicht , der allein Versöhnung schafft ! Im Uebrigen sehen Sie zu , wie weit Sie das schmeichelnde Gelispel bestochener Sinne locken wird . Don Alonzo , Don Alonzo , darf auch ein dritter zwischen ihnen und der Ehre den Dolmetscher machen ? Stolzer Castilier , konnte es dahin kommen , und duldet die freie Brust das kranke Herz ! « Neunzehntes Kapitel Der Abend dunkelte durch die Fenster , Blitze zuckten in der Luft , der Regen schlug rasselnd gegen die Fenster . Alonzo hielt Philipps Brief in der Hand und sah starr in das Unwetter hinein . Da klopfte es leise . Das braune Kind führte die blinde Mutter über die Thürschwelle , Haar und Kleider trieften , die Alte schauerte fröstelnd zusammen . Mühsam wickelte sie aus einem alten Stück Leinen einen kleinen Zettel , den sie Alonzo mit zitternden Händen hinhielt . Er griff hastig danach , seine Blicke verschlangen die kleinen , mit Bleistift geschriebenen Zeilen , er las folgendes » Das Gartenpförtchen wird sich gegen 11 Uhr Abends öffnen , ich werde Sie sprechen . - Blansche « - Gold fiel in der Blinden Schoos , Alonzo drückte ihr taumelnd die welken Hände , Himmel und Erde war sein , er hätte alle Herzen beglücken , alle Thränen trocknen mögen . Sie ließ das Geld prüfend zwischen den Fingern hin und her fallen , dann wog sie das Sümmchen bedächtig , indem sie sagte , man sollte denken , mir wäre der Schlüssel zu verborgenen Goldkammern zugekommen , aber das bedeuteten mir die funkelnden Sterne . Meine arme Augen , fuhr sie fort , haben Sie niemals gesehen , doch müssen Sie es sein , ich erkannte Sie an der Stimme , Sie sind mir im Traume erschienen . Alonzo ward es unheimlich , als sie jetzt Zug für Zug seine Gestalt beschrieb , und dann fortfuhr : ich mußte Sie just über dieselbe Brücke führen , wo wir neulich zusammentrafen . Die Brücke war sehr lang , über uns hing eine dunkle Wolke , sie sah aus wie ein langer fliegender Mantel . Sie gingen ganz stolz vor mir her , und es kam mir zuletzt vor als stünden Sie in der Wolke und stießen mit dem Kopf gegen den Himmel . Ich hatte ängstlich in die Höhe gesehen , da stolperte ich und es war mir als schlüge mich jemand in den Rücken , so daß mir der Kopf auf die Brust sank und ich niedersahe , ich erschrak aber sehr , als mir zwei rothe Blutstropfen über die Stirn rannen und auf die Erde niederfielen . Ich lasse Dir mein Herzblut zurück , sagten Sie , und als ich aufblickte , waren Sie und die Wolke fort , aber im Osten funkelten viele , viele tausend Sterne und ein weißlicher Streif zog durch die rothe Gluth . Meiner Liebe Himmel ! rief Alonzo ganz entzückt , du hast auch mir den Weg dahin gebahnt , gute Alte , dein stiller Abend soll nun ferner auch hell und ungetrübt bleiben . Er drückte noch mehr Geld