zu Agathokles zu eilen , und ihm die Gefahr seines Feldherrn zu melden . Dieser vergaß sogleich jede Rücksicht auf eigenen Ruhm , auf Behauptung seines errungenen Sieges , und schlug sich mit Wenigen , die ihm muthig folgten , bis zu seinem Feldherrn durch . Er fing den tödtlichen Hieb , der das Leben meines Gatten hätte enden können , mit seinem Schwerte auf , er deckte ihn , als er verwundet niedergesunken war , mit seinem Schilde , und schützte sein Leben auf Gefahr des eigenen , bis eine Verstärkung der Unserigen ankam , und dem treuen Agathokles erlaubte , nun auch für die Pflege seines Geretteten zu sorgen . Mit kindlicher Sorgfalt wachte er über ihn , ließ ihn in ein nahes Haus bringen , und alle Anstalten zu seiner Erhaltung treffen . Sobald die Feinde die Stadt gänzlich geräumt hatten , sandte er zu mir . Mit der größten Schonung , in der ich sein Herz erkannte , wurde mir der Vorfall berichtet , und ich eilte zu Demetrius , den ich zwar verwundet und erschöpft , aber bei so heiterm Geist , so froh über den gelungenen Sieg , und so dankbar gegen seinen edlen Retter fand , daß die Pflicht , seiner zu pflegen , mir doppelt süß wird . Den Tag , nachdem ich in Nisibis angekommen war , erhielt ich einen Brief von dir , den die Veränderungen unsers Aufenthalts , oder andere Zufälle verspätet haben . Er ist mehrere Wochen alt . Du schreibst mir darin mit aller Liebe einer Freundin , mit aller Strenge einer tugendhaften Christin über mein Verhältniß zu Agathokles . Du räthst mir nicht blos , du befiehlst mir die Gefahr zu fliehen , in der ich sicher untergehen würde . Du findest die einzige Möglichkeit der Rettung in schneller gänzlicher Trennung , und verlangst , daß ich meine Sicherheit , sogar mit dem Scheine des Ungehorsams gegen Demetrius , mit der Gefahr , seinen Zorn , den Vorwurf pflichtwidriger Kälte auf mich zu laden , erkaufen sollte . Ach Junia ! Was du forderst ! Es mag möglich seyn , daß dies Mittel mich früher hätte retten können ! Es mag möglich seyn , so strengen Forderungen der Pflicht zu gehorchen . Ich glaube auch , daß in deiner Brust die Kraft dazu läge ! Aber ich ? Zürne nicht , Junia ! Ich kann , ich darf , ich brauche dies einzige grausame Mittel nicht anzuwenden . Demetrius ist schwer krank , nicht sowohl durch die Art seiner Verwundung , als durch ein heftiges Fieber , das sich zu seiner Erschöpfung gesellte . Jetzt ist der Wille des Himmels deutlich ausgesprochen . Ich soll und werde den kranken Gemahl nicht verlassen . Aber ich bedarf es auch nicht ; denn mein Verhältniß zu Agathokles ist verändert , und der strenge Zwang aufgehoben , in dem , wie du selbst einsiehest , ein großer Theil unserer Gefahr , unserer gespannten Verhältnisse lag , seit ein neues schönes Band sich zwischen uns angeknüpft hat , und pflichtmäßige Dankbarkeit meine Gefühle veredelt und heiligt . Demetrius behandelt ihn , seit dem letzten Vorfalle , mit väterlicher Zärtlichkeit . Agathokles ist fast immer um ihn , er wünscht es , er verlangt es sogar deutlich , wir theilen uns in seine Pflege und Unterhaltung , und mein Gemahl scheint die Hülfleistungen seines treuen Legaten beinahe mit mehr Freude zu erkennen , als die meinigen . Ach Junia ! Das sind dann selige Stunden ! Wenn Demetrius schlummert , dann wallet ein leises herzliches Gespräch zwischen uns , von alten guten Zeiten ; die Geister unserer kindlichen Freuden umschweben uns rein und unschuldig , vielleicht der Geist seiner vortrefflichen Mutter , der er und ich so viel zu danken haben , von der der edle Sohn nie ohne Rührung spricht . Ihre heilige Gegenwart weiht unsere Empfindungen , verbannt alles Leidenschaftliche daraus , und läßt uns nur die Süßigkeit einer freien schuldlosen Neigung genießen . Wacht Demetrius , so erheitert ihn entweder abwechselndes Vorlesen , oder ein anziehendes Gespräch , dessen Gegenstand oft die Lehren unserer heiligen Religion sind . Du weißt , welch ein eifriger Christ Demetrius ist , und wie manchen Verdruß ihm dieser Eifer schon zugezogen hat . Seit dem letzten Vorfall ist das Bestreben , seinen Freund von einer Lehre zu überzeugen , die ihm allein in dieser und jener Welt dauerhaftes Glück sichern kann , eben so natürlich als sichtlich . Und Agathokles ! O meine Freundin ! Wie glücklich macht mich oft diese Bemerkung ! Agathokles scheint von der Erhabenheit unserer Lehrsätze weit mehr durchdrungen , als sich mir zu hoffen erlaubt hatte . Neulich , als Demetrius , der seinen Zustand als Weiser und Christ mit Ernst bedenkt , und keinen Täuschungen Raum gibt , das heilige Abendmahl zu genießen wünschte : hieß er uns alle gegenwärtig seyn , und auch Agathokles durfte nicht fehlen . Obgleich es ihm nun unmöglich war , den Theil daran zu nehmen , der Christen erlaubt ist : so sah ich ihn doch von dem erhabenen Zwecke und der ganzen Ansicht dieser Einrichtung , von unsern Gebräuchen , von unserer stillen Andacht gerührt . Ex sank mit uns zugleich auf die Kniee , und brachte , wie er mir hernach gestand , dem unbekannten Gotte den Tribut der Ehrfurcht und Liebe . Ich sah ihn an . So edel , so unaussprechlich liebenswürdig , als in dieser feierlichen Stunde , hatte er mir noch nie geschienen . Ich fühlte mich unwiderstehlich zu ihm hingezogen . O ich hätte ihm , wenn es die Umstände gefordert hätten , in Gegenwart aller Zeugen eine Liebe gestehen können , die so rein , so fromm war ! Als ich ihm sagte , daß ich für ihn , für sein Glück gebetet hätte , daß ich täglich für ihn betete : da sah ich Thränen aus seinen Augen dringen . Er ergriff meine Hand in einer heftigen Bewegung ; er wollte