türkischen Gefangenen . Laß ab ! Laß ab ! meine Wilhelmine ! hätte auch ich manchmal rufen mögen . Aber , nicht wahr ? jetzt denkst Du ruhiger an mich ? ziehst mich nicht mehr so schmerzhaft zu Dir hinüber ? - Ja ! ich fühle es an meinem erleichterten Herzen , wir sehen uns wieder meine Wilhelmine ! wir sehen uns wieder ! Vier und vierzigster Brief Wilhelmine an Reinhold Ob der General meinen Brief gelesen hat - ja wohl ! mir einerley ! Nur Schade , daß er nicht ein wenig mehr für ihn eingerichtet war . Will es mir merken . Ist er so sehr für diese heimlichen Näschereyen ; wie viel heilsame Pülverchen lassen sich da beybringen . - Ob er aber auch Juliens Antworten liest ? Das wäre nun freilich eine ganz eigne Sache . - Hier zum Beyspiel , sehen Sie einmal diese Briefe . Wie mögen ihm wohl die Träume , wie mag ihm wohl das Laß ab ! laß ab ! gefallen ? - Ob er es auch , wie Julie , auf mich ; oder was ein wenig natürlicher wäre , auf gewisse Bergbewohner1 deutet ? - Seit der plötzlichen Abreise mögen ihm diese Leute wohl ziemlich zu schaffen machen . In der Angst scheint er sie ganz vergessen zu haben . Ja ! ja ! da herum stehn die Saaten verzweifelt schlecht . Noch ein wenig schlechter als ich es vor geraumer Zeit verkündigte . Bey andern Orakeln dankt man dem Himmel , wenn sie nur so halb und halb erfüllet werden . Bey den meinigen giebt es immer ein gerütteltes und geschütteltes Maaß . Finde ich nur erst einen bequemen Ort ; der Dreyfuß und die Pythia ist fertig . Dann können Sie sich wegen der Häuser und Scheuren gerade an mich wenden . Mit , und ohne Wetterwolken ; ich prophezeihe frisch aus dem Stegreife . Fünf und vierzigster Brief Reinhold an Wilhelmine Die Prophetin scheint , wie alle übermenschliche Wesen , schwächliche Empfindungen und besonders das Mitleid zu verachten . Aber übermenschlich oder nicht ; man ist nicht immer sicher vor dem was man verachtet . Unsrer Prophetin geht es vielleicht trotz aller Schadenfreude - wie Uneingeweihte es nennen mögten - nicht besser . Die Wetterwolken sind ihr sehr wahrscheinlich noch fürchterlicher als mir . Ohne Bilder ! Meine Freundin scheint sie nicht zu lieben . Hier sind die Briefe zurück . Wenn ich Ihnen dafür danke ; so danke ich für Schmerz und Freude zugleich . Beydes habe ich im hohen Grade empfunden . Ich begreife , ich entschuldige jetzt alles . Ja für dieses himmlische Herz giebt es freylich keinen Ersatz . Der Erste , der Einzige darin seyn wollen ; ach es ist ein schöner , es ist ein sehr menschlicher Wunsch ! Wäre ich an Oliviers Stelle , wer wüßte wozu er mich bringen könnte . - Wahrscheinlich zu Vielem , was ich tadeln und doch nicht unterlassen würde . Meister Ubaldo hat mir ein Lächeln abgezwungen . Armer Olivier ; wofern Deine Oberaufseher nicht blind und taub sind ; so steht es sehr schlimm mit der Aufsicht . Sechs und vierzigster Brief Olivier an Reinhold Der König mag bald kommen ; sonst muß er sich andre Wirthe suchen . Ob er glaubt , ich könne mich nicht losreißen ? Mehr als einmal habe ich ihm den Dienst aufgekündigt . Immer hat er mich durch allerley Ränke wieder hineingezogen . Hätte ich nur meine Güther verkauft , noch morgen gienge ich aus dem verwünschten Lande . Das allein hält mich zurück . Nicht die abgeschmackte Puppe , der Ruhm , womit er mich vormals gelockt hat . Von ihr verlassen , bin ich nun dem Wahnsinn des unbändigen jungen Menschen ausgesetzt . An ihm sehe ich , was aus mir werden würde , wenn ich sie nicht mehr hätte . Erklären soll ich ihm : wie diese Trennung möglich war ? - entdecken soll ich : wo sie ist ? Er will sie nicht sehen ; aber bewachen , beschützen will er sie . » Von uns entfernt , droht ihr Gefahr . Der König , tausend Andre können sie rauben . Sie ist schon geraubt , und ich , ich habe es zu verantworten . « - » Was kümmert mich der Dienst und der König ! - rief er - Mögt Ihr doch Standrecht über mich halten ! Ich gehe davon und suche sie auf ! « Kein andrer Rath ; ich mußte ihn arretiren lassen . Es hat mich Überwindung gekostet ; aber bis der König da ist , muß es so bleiben . Bin ich etwa glücklicher ? - Um den leisesten Verdacht zu entfernen , habe ich seit acht Tagen jeder Nachricht von ihr entsagt . Meine Vertrautesten ahnen nicht wo sie ist , und sollen es nicht ahnen . So wie ich sie nicht sehe , bekomme ich meine Festigkeit wieder , bin hart wo ich es seyn muß , und gefaßt mit dem Schicksale in die Schranken zu treten ; falle auf dem Wege Freund , oder Feind . Und so muß es auch seyn . Auf welche Weise ich sie erworben haben mögte ; sie ist mein Eigenthum . Wer sich daran wagt , mag es mit mir versuchen . Sieben und vierzigster Brief Wilhelmine an Julie Ich habe sie gesehen . Das war eine Freude ! - Ich dachte sie mir - warum weiß ich selbst nicht - wie ein altes kraftloses Mütterchen , und fand eine angenehme , lebhafte aber freylich , trotz den Spuren großer Schönheit , nicht auf nordische Art , roth und weiß blühende Frau . Im vierzehnten Jahre wurde sie verheyrathet , Antonelli ist drey und zwanzig ; jetzt kannst Du zusammen rechnen . Sie hat Dein Gemählde , und betet alle Tage für Dich . Eine Deutsche kannst Du nicht seyn ; das ist ihr nicht auszureden . Schon mehr als ein paar Dutzend Heiligenbilder hat sie mit