Rabette war - zumal da ihre Gesichtshaut und Hände und Haare nicht am weichsten waren , wenigstens härter als die Falterleschen - , wär ' ich um keine Medaille in der Welt imstande gewesen - wie ers doch war - , den glücklichen Erfolg näher zu kolorieren , womit der Minister , um Lianens ungewöhnliche Schönheit der jüngern Jahre durch Erziehung in die jetzigen herüberzubringen , das Seinige getan durch zarte und fast magere Kost - durch Einschnüren - durch Zusperren seines Orangeriehauses , dessen Fenster er selten von dieser Blume eines mildern Klimas abhob - noch weniger hätt ' ich wie er malen können , daß sie dadurch ein zartes , nur aus Pastellstaub zusammengelegtes Gebilde geworden , das die Windstöße des Schicksals und die Passatwinde des Klimas fast zerblasen können - und daß sie sich wirklich nur mit Seifenspiritus waschen könne und nur mit den weichsten Linnen ohne Schmerzen trocknen und nicht drei Stachelbeeren ohne blutende Finger ab nehmen . - Der flache Wiener , der vor keinem auf einer Bergkuppe stehenden Manne von Stande unten im Sumpfe den Hut abziehen konnte , ohne leise dabei zu sagen : » Ihr ganz Untertänigster ! « und der von vornehmen Leuten höchstens nur im vertrauten oder satirischen Tone ( seine Konnexion zu zeigen ) , aber nie im ernsthaft-kritischen sprach , war freilich - was doch seine Pflicht war - nicht imstande , den alten Froulay einen festen scharfen Leichenstein zu heißen , unter welchem zwei so weiche Blumen wie seine Frau mit dem ihr angeschlungenen Efeu , mit Lianen , sich gebogen und gedrückt ans Licht aufwinden . Herr v. Hafenreffer macht hier zu seiner Ehre - in Betracht , daß er ein Legationsrat und Lehnpropst ist - die ganz andere , gefühlvollere Bemerkung , daß die harten Erdschichten solcher Verhältnisse , wodurch Lianens Lebensquelle dringen und sickern müsse , diese reiner und heller machen , so wie alle harte Schichten Filtriersteine des Wassers sind - und alle ihre Reize werden zwar durch ihren Vater Qualen , aber auch alle ihre Qualen durch ihr Dulden Reize . - Aber , guter Zesara ! wenn du nun das alles täglich hören mußt - und wenn der Exerzitienmeister ohnehin nicht zu schildern vergisset , wie sie ihn nie mit einer ungehorsamen Miene oder einer Zögerung gekränkt , wie froh sie ihm die papiernen Stundenmarken und am Ende das Schulgeld oder eine Einladung gebracht - und wie besorgt und mild und höflich sie gegen ihre Dienerschaft gewesen und wie man hätte denken sollen , ihr Herz , könne nicht wärmer werden , als schon die Menschenliebe es mache , hätte man nicht ihre noch heißere Tochterliebe gegen die Mutter gesehn - - guter Zesara , sag ' ich , wenn du das alles neben deinen Romanen vernimmst und noch dazu von der Schwester deines Roquairols - weil jeder , wenn es nur halb praktikabel ist , sich gern mit der Schwester seines Freundes einspinnt in eine Chrysalide - und noch überdies von einem Mädchen in der geheiligten Lindenstadt , um welche Don Gaspard , wie die alten Preußen31 um ihre Götter-Haine , noch mystische Vorhänge herumzieht - und was ärger als alles ist , gerade nach deinem 16 1 / 2 Jahre , Zesara , wo schon die Moussons und Frühlingswinde der Leidenschaften über die Blutwellen fahren ! Denn früher freilich wars allerdings von dir mitten im gelehrten Kränzchen von so vielen Linguisten - d.h. von Büchern der Linguisten - von Eklektikern - Ober-Rabbinern - von 10 Weisen aus Morgen- und aus Griechenland - und wegen der ungemein blendenden Epiktetslampen , die das gedachte Weisen-Dezemvirat am Tags-Sterne der Weisen angezündet hatte , da wars wenig zu vermuten , daß dir Amors Turiner Lichtchen , das er noch unaufgebrochen in der Tasche hatte , sehr ins Auge fallen möchte ! - Aber jetzt , mein Lieber , jetzt , sag ' ich ! - Wahrlich nirgends war es uns allen weniger übelzunehmen , wenn wir ungemein attent darauf sind , was er im 21sten Zykel macht , als im zwanzigsten . Vierte Jobelperiode Hoher Stil der Liebe - der gothaische Taschenkalender - Träume auf dem Turme - das Abendmahl und das Donnerwetter - die Nachtreise ins Elysium - neue Akteurs und Bühnen und das Ultimatum der Schuljahre 21. Zykel Wie viele selige Adams von 16 1 / 2 Jahren werden gerade jetzt in ihrer Sieste im Grase des Paradieses liegen und aus Teilen ihres eignen Herzens dessen künftige Schoßjüngerin erschaffen sehen ! - Aber sie suchen sie nicht , wie der erste Adam , neben sich auf der Baustelle , sondern recht weit vom eignen Lager , weil die Ferne des Raums so glänzend verherrlicht wie die Ferne der Zeit . Daher setzet sich jeder Jüngling mit dem Glauben auf die Post , daß in den Städten , wohin er eingeschrieben ist , ganz andere und göttlichere Madonnen unter der Haustüre stehen als in seiner verdammten ; - und die Jünglinge jener Städte sitzen wieder ihrerseits auf dem ankommenden Postwagen und fahren hoffend in seine hinein . Ach das klingt für alles , was ich vorhabe , viel zu rauh und roh , und mir ist , als bring ' ich dem Leser statt des lebendigen fliegenden Rosendufts nur die starre schwere dicke Porzellanrose ! - Albano , ich will dein stilles , dicht verhangenes Herz aufdecken und aufschließen , damit wir alle darin Lianens Heiligenbild , die aufschwebende Raffaels-Marie , aber , wie Heiligengestalten in der Leidenswoche , hinter dem Schleier hängen sehen , den du bebend wegziehest , um es anzubeten , wenn du die Andachtsbücher - die Romane - aufschlägst und wenn du darin die Gebete antriffst , die deiner Heiligen gehören . Sogar mir wird es schwer , nicht , wie du und die Alten , den Namen deiner Schutzgöttin zu verheimlichen - über innere Geistererscheinungen ( denn äußere sind Körpererscheinungen ) schweiget der Seher gern neun Tage lang - und bei deinem blöden Glauben an einen tausendmal