war vorhanden . Aus den bloßen Trümmermassen des Klosters waren drei Dörfer erbaut worden . « In dieser kurzen Schilderung des Verfalls des Mutterklosters ist zugleich die Geschichte von über hundert Töchterklöstern erzählt . Auch die Geschichte der unsrigen . Die Klöster selber sind hin . Viele von denen , die hierlands in alten Klostermauern wohnen , wissen kaum , daß es Klostermauern sind , sicherlich nicht , daß es Zisterzienser waren , die vor ihnen die Stätte innehatten . Und hörten sie je das Wort , so wissen sie nicht , was es meint und bedeutet . Und doch waren es die Pioniere , die hundert und tausend andern Kolonisten , die nach ihnen kamen , die Wege bahnten . Das Gedächtnis an sie und an das Schöne , Gute , Dauerbare , das sie geschaffen , ist geschwunden ; uns aber mag es geziemen , darauf hinzuweisen , daß noch an vielen hundert Orten ihre Taten und Wohltaten zu uns sprechen . Überall , wo in den Teltow- und Barnimdörfern , in der Uckermark und im Ruppinschen , alte Feldsteinkirchen aufragen mit kurzem Turm und kleinen niedrigen Fenstern , überall , wo die Ostwand einen chorartigen Ausbau , ein sauber gearbeitetes Sakristeihäuschen , oder das Dach infolge späteren Anbaues eine rechtwinklige Biegung , einen Knick zeigt , überall da mögen wir sicher sein – hier waren Zisterzienser , hier haben Zisterzienser gebaut und der Kultur und dem Christentum die erste Stätte bereitet . Kloster Lehnin 1. Die Gründung des Klosters 1. Die Gründung des Klosters Wo das Kloster aus der Mitte Düstrer Linden sah . * Mit des Jammers stummen Blicken Fleht sie zu dem harten Mann Fleht umsonst , denn loszudrücken Legt er schon den Bogen an . Schiller Die erste Gründung der Zisterzienser in der Mark – Zinna war nicht märkisch – war Kloster Lehnin . Es liegt zwei Meilen südlich von Brandenburg , in dem alten Landesteil , der den Namen » die Zauche « trägt . Der Weg dahin , namentlich auf seiner zweiten Hälfte , führt durch alte Klosterdörfer mit prächtigen Baumalleen und pittoresken Häuserfronten , die Landschaft aber , die diese Dörfer umgibt , bietet wenig Besonderes dar , und setzt sich aus den üblichen Requisiten märkischer Landschaft zusammen : weite Flächen , Hügelzüge am Horizont , ein See , verstreute Ackerfelder , hier ein Stück Sumpfland , durch das sich Erlenbüsche , und dort ein Stück Sandland , durch das sich Kiefern ziehen . Erst in unmittelbarer Nähe Lehnins , das jetzt ein Städtchen geworden , verschönert sich das Bild , und wir treten in ein Terrain ein , das einer flachen Schale gleicht , in deren Mitte sich das Kloster selber erhebt . Der Anblick ist gefällig , die dichten Kronen einer Baumgruppe scheinen Turm und Dach auf ihrem Zweigwerk zu tragen , während Wiesen- und Gartenland jene Baumgruppe und ein Höhenzug wiederum jenes Wiesen- und Gartenland umspannt . Was jetzt Wiese und Garten ist , das war vor siebenhundert Jahren ein eichenbestandener Sumpf , und inmitten dieses Sumpfes wuchs Kloster Lehnin auf , vielleicht im Einklang mit jenem Ordensgesetz aus der ersten strengen Zeit : daß die Klöster von Cisterz immer in Sümpfen und Niederungen , d.h. in ungesunden Gegenden gebaut werden sollten , damit die Brüder dieses Ordens jederzeit den Tod vor Augen hätten . 5 Die Sage von der Erbauung Kloster Lehnins nimmt jedoch keine solche allgemeine Ordensregel in Aussicht , sondern führt die Gründung desselben auf einen bestimmten Vorgang zurück . Diesen Vorgang erzählt der böhmische Schriftsteller Pulkava ( wie er ausdrücklich beifügt , » nach einer brandenburgischen Chronik « ) wie folgt : » Otto I. , der Sohn Albrechts des Bären , jagte einen Tag lang in den dichten Waldrevieren der Zauche , und warf sich endlich müd und matt an eben der Stelle nieder , wo später Kloster Lehnin erbaut wurde . Er schlief ein und hatte eine Vision . Er sah im Traum eine Hirschkuh , die ihn ohne Unterlaß belästigte . Endlich ergriff er Bogen und Pfeil und schoß sie nieder . Als er erwachte und seinen Traum erzählte , drangen die Seinen in ihn , daß er an dieser Stelle eine Burg gegen die heidnischen Slawen errichten solle ; – die andrängende , immer lästiger werdende Hirschkuh erschien ihnen als ein Sinnbild des Heidentums , das in diesen Wäldern und Sümpfen allerdings noch eine Stätte hatte . Der Markgraf erwiderte : › Eine Burg werde ich gründen , aber eine Burg , von der aus unsere teuflischen Widersacher durch die Stimmen geistlicher Männer weit fortgescheucht werden sollen , eine Burg , in der ich ruhig den Jüngsten Tag erwarten will . ‹ Und sofort schickte er zum Abt des Zisterzienserklosters Sittichenbach , im Mansfeldischen , und ließ ihn bitten , daß er Brüder aus seinem Konvente , zur Gründung eines neuen Klosters senden möchte . Die Brüder kamen . Markgraf Otto aber gab dem Kloster den Namen Lehnin , denn Lanye heißt Hirschkuh im Slawischen . « So der böhmische Geschichtsschreiber . Das Kloster wurde gebaut , vor allem die Klosterkirche . Sie bestand in ihrer ursprünglichen Form bis zum Jahre 1262 . In diesem Jahre ließ die rasch wachsende Bedeutung des Klosters das , was da war , nicht länger als ausreichend erscheinen , und ein Anbau wurde beschlossen . Dieser Anbau fiel in die erste Blütezeit der Gotik , und mit der ganzen Unbefangenheit des Mittelalters , das bekanntlich immer baute , wie ihm gerade ums Herz war , und keine Rücksichtnahme auf den Baustil zurückliegender Epochen kannte , wurde nunmehr das romanische Kurzschiff der ersten Anlage durch ein gotisches Längsschiff erweitert . Dieser Erweiterungsbau hat der Zeit und sonstigem Wirrsal schlechter zu widerstehen vermocht als der ältere Teil der Kirche ; das Alte steht , der Anbau liegt in Trümmern . Unsere Schilderung führt uns später auf ihn zurück . Unsere nächsten Untersuchungen aber gehören der Geschichte des Klosters . Wir knüpfen die Aufzählung seiner Schicksale an