Wege zu gehen hatte , das überstieg seine Kräfte . Er oder sie ! - Es gab kein Drittes ! - Er war schon lange wieder an dem Ufer umhergegangen . Die Nacht begann kalt zu werden , der Wind , welcher vom Wasser aufstieg , strich ihm mit eisigem Hauche über die Schläfen hin . Er zog die Uhr heraus , es war später , als er es vermuthet hatte . Jetzt , er wußte es , jetzt befand sich Eleonore schon in dem Empfangszimmer ihrer Tante , jetzt erwartete sie ihn sicherlich . Er lächelte , als er sich ihr Bild vergegenwärtigte , aber wer dieses Lächeln hätte sehen können , hätte sich seines Ausdruckes nicht erfreut . An der Ecke der Seitenstraße lag ein bescheidenes Speisehaus . Er hatte sonst nicht die Gewohnheit , ähnliche Orte zu besuchen , indeß die Aufregung machte ihn , da er die Mahlzeit versäumt hatte , nach Speise und Trank verlangen . Er ließ sich zu Essen geben , trank etwas Wein , ordnete mit rascher Hand sein reiches Haar , das durch die schnelle Bewegung seines langen Ganges in Unordnung gerathen war , und gefaßt und wieder seiner selber Meister , kehrte er auf der Straße , von der er gekommen war , nach dem Palaste der Herzogin zurück . Es waren heute noch mehr Besucher als gewöhnlich in ihrem schönen Saale erschienen . Die auffallende Gunst , mit welcher der König sie bei der letzten Mittagsgesellschaft beehrt , hatte ihre Freunde eifriger als je gemacht , und jeder derselben schmeichelte sich mit der Hoffnung , daß es ihm gelingen werde , den Inhalt jener langen und geheimen Unterhaltung zu erfahren und sich darüber zu vergewissern , was von dem Gerüchte über die Freiwerbung Sr. Majestät zu halten sei . Die Gräfin allein schien nicht zu wissen , was die Uebrigen beschäftigte . Sie saß weit zurückgelehnt , so daß die schöne Länge ihres Leibes ersichtlich war , auf einem niedrigen Sopha , nahe an einem der beiden Kamine . Das Licht der Kerzen und das Licht des Feuers vereinten sich , sie magisch zu überstrahlen . Ihr Haar glänzte wie von einer Aureole umleuchtet , und nie meinte der Abbé sie schöner gesehen zu haben , als eben jetzt , da sie bei seinem Eintritte mit schneller Bewegung die Augen zu ihm wendete . Eine Gruppe von Männern umgab sie , der Prinz und der junge deutsche Freiherr saßen ihr zur Seite . Die Unterhaltung war heiter und lebhaft gewesen , wie sie es immer wird , wo die Männer zu gefallen wünschen und die Frau mit dem sicheren Bewußtsein ihrer Schönheit jede ihr dargebrachte Huldigung nur als einen schuldigen Tribut , ohne Dank und ohne besonderen Anreiz aufnimmt . Der Prinz hatte sich im Gefühle eines nahen Sieges freier gehen lassen , ohne daß die Haltung der Gräfin ihm dazu das Recht gegeben hätte , und kaum hatte der Abbé sich der Herzogin vorgestellt , so klagte Eleonore , daß die Gluth des Feuers sie belästige , und erhob sich . Mitten in dem Saale traf sie mit dem Abbé zusammen . Ich habe Sie heute am Morgen und heute am Mittage vergebens erwartet , und Sie kommen spät ! sagte sie im Tone des Vorwurfes . Es ist Ihr Wort , das ich Ihnen zurückgebe , Herr Abbé ! Man soll uns nicht zur Gewohnheit werden lassen , was man nicht sicher oder nicht geneigt ist , uns dauernd zu gewähren ! Wie sie so neben einander standen , beide hoch und majestätisch gewachsen , daß Auge in Auge traf , beide mit herrischer Miene , war es kaum möglich , sich ein Menschenpaar zu denken , das mehr für einander geschaffen , mehr auf einander angewiesen zu sein schien , sei es , daß sie in Liebe oder in Abneigung zusammentrafen . Es war neben Eleonorens vollkommener Schönheit stets ihr Stolz gewesen , der den Abbé angezogen und ihn gereizt hatte , ihr seine Herrschaft aufzudringen , und man hätte sagen können , daß sie sich im Streite nahe getreten waren , daß sie im Widerstreben gegen einander ihre Herzen und ihren Geist verstrickt hatten , daß Sieg und Niederlage zwischen ihnen stets gewechselt hatten und beides ihnen zum Genuß geworden war . Auch jetzt empfand der Abbé den alten Zauber wieder mächtig auf sich wirkend , aber er hatte Grund , sich demselben nicht mehr wie sonst zu überlassen , und auf ihre Anrede eingehend , versetzte er : Schlimm genug für mich , daß ich aus meiner eigenen Erfahrung keinen Nutzen zog , daß ich sie nicht zu beherzigen verstand ! Was soll das heißen ? fragte sie voll banger Ahnung , weil ihr in seinem Wesen etwas Fremdes entgegentrat . Wir müssen scheiden , Eleonore ! sprach er tonlos . Er hatte sie niemals bei diesem Namen genannt , er hatte es stets vermieden , sie und sich als Einheit zu bezeichnen , und nun , da ihr Name , von seinen Lippen ausgesprochen , ihr mit unsäglicher Wonne das eigene Herz berührte , nun das beglückende » Wir « ihr von seinem Munde entgegenklang , nun sollte sie sich von ihm trennen - nun ? Scheiden ? wiederholte sie . Und weßhalb das ? - weßhalb ? Er blickte mit schnellem Auge um sich her ; als er sah , daß Niemand nahe genug stand , seine Worte zu vernehmen , sagte er : Ich komme von Seiner Eminenz dem Erzbischof . Auf seinem Tische sah ich einen Brief von Ihrer Hand . Es war offenbar das kleine Billet , das Sie mir neulich gesendet und das ich nicht erhalten hatte . Ein Brief der Frau Herzogin lag daneben . Eleonore erbleichte , aber ihre Fassung und ihr Selbstgefühl verließen sie nicht . Ich habe nie ein Wort geschrieben , sprach sie , das eines Anderen Blick zu scheuen hätte , und von Seiten meiner Tante überrascht mich nichts , wennschon ....