, sie lachen über deine lustige Laune , und wenn du oft singst , statt zu nähen , so beschenken sie dich noch obendrein . Dabei hast du ein gutes Einkommen und kannst etwas zurücklegen für deine Heirath , von der du zuweilen sprichst . « Nanette strich sich die Haare aus dem Gesicht , dehnte sich ein wenig auf ihrem Stuhle und erwiderte dann : » Das alles hat der gefangene Vogel auch ; er wohnt in einem hübschen Hause , er bekommt gutes Essen und Trinken und darf singen . Aber nur so lange es seiner Herrin gefällt ! Denn wenn er einmal recht anfängt zu schmettern und zu jubiliren , so hängt man ein Tuch über seinen Käfig , damit er aufhört . Was nun meine Heirath anbelangt , so ist das eine kuriose Geschichte . Du weißt , Schatz - ich sagte es dir ja damals - daß ich bei den Andern eine Verbindung hatte , natürlicherweise ließ ich die fahren , als ich ein neues Leben anfing . Doch that es mir recht leid und ich kann ' s immer noch nicht vergessen . Der Leiblakai will mich allerdings heirathen , aber er ist so furchtbar zahm und geschniegelt ; er kämmt sein bischen Haar so glatt auf den Kopf und hat beständig ein so wichtiges Gesicht . - So ! « - Bei diesen Worten machte sie eine so komische Grimasse , daß die Andere eben laut auflachen mußte . » Gewiß , Henriette , « fuhr das ehemalige Harfenmädchen fort , » glaub mir , du bist es allein , die mich zurückhält , und wenn du dich je einmal verändern würdest , so könnte ich mich allein damit trösten , daß ich alsdann wieder in das Land hinaus zöge und laut in Feld und Wald sänge : Im Dörfchen , nicht weit ist ' s von hier , Da lag ich einmal im Quartier . Tralalalala - a ! - Da lag ich einmal im Quartier . « » Um Gotteswillen ! « bat die Andere besorgt , » gleich wird das gnädige Fräulein kommen und sich nach dem Lärmen erkundigen . Mach ' fort , mach ' fort , wir haben noch viele Sterne aufzuheften . « » Bah ! du drohst mir wie den kleinen Kindern . Das gnädige Fräulein ist gar nicht da , du weißt so gut wie ich , daß sie ausgefahren ist . Ich weiß auch wohin , « fuhr sie schelmisch lachend fort . » Und wohin denn ? « » Zu der Frau Majorin von S. Es ist dir bekannt , daß ich häufig da arbeite , und fast jedes Mal , wenn ich da bin , kommt auch dein gnädiges Fräulein . Und gleich darauf , wie das Amen nach der Predigt - « » Nun , was denn ? Sprich nur weiter ! « » Gleicht darauf fährt ein kleiner Wagen vor und der Herr Graf Fohrbach erscheinen . Oder wenn er nicht herauf kommt , so reitet er wenigstens am Hause vorbei . Aber das kennst du gerade so gut wie ich . Nicht wahr ? - Sage mir doch , « fuhr sie nach einigem Stillschweigen fort , als die Andere keine Antwort gab , » weißt du , ob bald die Hochzeit sein wird ? « » Ich weiß von gar nichts , « erwiderte Henriette bestimmt . » Nun , so will ich dir ' s sagen . Sie werden sich heirathen mit dem frühesten Frühjahr und eine große Reise machen . Siehst du , glückselige Kreatur , da darfst du auch mit ! Und ich - ich sollte hier bleiben in der finstern Stadt ? Nein , liebe Henriette , das wirst du nicht von mir verlangen . Glaube mir , « - dies sprach sie mit auffallend ernstem Tone - » so wehe es mir in dem Falle thut , dich zu verlieren , so freue ich mich doch auf den Zeitpunkt , wo ich meine Freiheit wieder erhalte . « » Hat es soeben nicht geklopft ? « sagte Henriette aufblickend . » Ich habe nichts gehört . « » Doch , doch ! es klopft wieder . « » Richtig ! wer kann da kommen ? - Herein ! « » Du bist recht unvorsichtig , « flüsterte die Kammerjungfer . » Du weißt ja , wir dürfen für Niemand zu Haus sein . Glücklicherweise habe ich den Riegel vorgeschoben . Sieh , man bemüht sich vergeblich , die Thüre aufzumachen . « Wirklich wurde von außen mehrmals an der Klinke gedreht , und als sich das Schloß nicht öffnete , von Neuem geklopft . » Was machen wir ? « fragte Nanette . » Man hat uns jedenfalls draußen sprechen hören . « » Glaubst du ? Das wäre unangenehm . « » Allerdings ; deßhalb muß man wenigstens nachsehen , wer da ist . « » Aber es könnte Jemand sein , der dem gnädigen Fräulein unangenehm wäre . « » Wenn ich mich unter die Thüre stelle , « entgegnete Nanette mit großer Bestimmtheit , » so kommt nur herein , wen ich gerade herein lasse . Ich wollte sehen , wer gegen meinen Willen eindringt . « Damit erhob sie sich , warf den Kopf trotzig in die Höhe und sprach mit lautem Tone , als sich das Klopfen immer wiederholte : » Nur Ruhe da draußen ; man kommt schon . « Sie hatte die Thüre erreicht , schob den Riegel zurück und öffnete sie ein klein wenig , um hinaus zu sehen . Doch wurde von außen so stark daran gedrückt , daß Nanette ihre ganze Kraft brauchte , um nicht weggedrängt zu werden . » Was soll denn das ? « rief sie zornig . » Wer untersteht sich - « Doch kam sie nicht zur Beendigung dieses Satzes . Mit dem Ausdruck des größten Schreckens , als habe sie auf dem Gange ein Gespenst gesehen ,