Hier ist nicht zu helfen . Der Himmel hat es so gefügt , wir müssen uns drein finden . Der mindeste Widerstand , irgend ein unruhiges Benehmen von Ihrer Seite könnte die schrecklichsten Folgen haben . Denken Sie an Ihre Frauen , Ihre Kinder , denken Sie an Wien ! Wie ungnädig hat Seine Majestät der Kaiser Napoleon das trotzige Benehmen der Bürger aufgenommen . Er ist nun einmal der Sieger . Er wird ein großmüthiger Sieger sein , wenn Sie der Vernunft Gehör schenken . Seien Sie freundlich , seien Sie sehr freundlich gegen ihn . Ueberwinden Sie sich ; wenn er einzieht , rufen Sie Vive l ' Empereur . Ich weiß , es wird Ihnen schwer werden , aber der Mensch kann sich überwinden , meine Herren , der Mensch kann viel , wenn die Noth ihn zwingt . Recht friedlich , recht besonnen ! Illuminiren Sie ! Das wird ihn überraschen , sein Herz wird sich aufschließen . Liebe Mitbürger , hören Sie auf den Rath eines Mannes , der ' s mit Ihnen wohl meint , es ist nicht für mich . Bedenken , erwägen Sie , ich wiederhole es nochmals , wie schrecklich sein Zorn auf Wien fiel . Sie sind keine Wiener , Sie sind Berliner , und das Beispiel wird Sie lehren , daß eine männliche , ruhige Hingebung im Unglück es allein ist , die den Patrioten ehrt . « In den Akten der Zeit wird man freilich diese Rede nicht aufgeschrieben finden . Aber man findet mehr - ein gedrucktes Aktenstück . An allen Straßenecken stand - an einem spätern Tage - folgendes Proklama und in den Berliner Zeitungen las man es am 21. Oktober 1806 . In dem Proklama hieß es : » - Nur festes Anschließen an Diejenigen , welche das mühselige Geschäft übernehmen , die von einer solchen Begebenheit unvermeidlichen Folgen zu mindern , so wie die , mehr als jemals nöthig gewordene Ordnung zu handhaben , kann die schrecklichsten Folgen abwenden , welche der mindeste Widerstand oder irgend ein unruhiges Benehmen der Einwohner über die Hauptstadt verbreiten würde , und das noch neuerliche Andenken des Betragens , welches die Einwohner Wiens in einer ähnlichen traurigen Lage beobachtet haben , muß die Einwohner Berlins belehren : daß der Ueberwinder nur ruhige männliche Hingebung im Unglücke ehrt . - - - Ich ermahne Jeden ( denn - hoffentlich werde ich es nicht nöthig haben zu befehlen ) - - ruhig bei seinem Gewerbe zu bleiben , und alle Sorgen Denjenigen zu überlassen , welche sich rastlos mit seinem Wohl beschäftigen werden . Ich verbiete durchaus alles Zusammenlaufen , alles Schreien auf den Straßen , alles öffentliche Theilnehmen an denen so verschiedentlich einlaufenden Krieges-Gerüchten ; denn ruhige Fassung ist dermalen unser Loos , unsere Aussichten müssen sich nicht über dasjenige entfernen , was in unsern Mauern vorgeht ; dieses ist nur unser einziges höheres Interesse , mit welchem wir uns allein beschäftigen müssen - - - Berlin , den 19. Oktober 1806 . Fürst von Hatzfeld . « Es mussten schon Flüchtlinge in der Stadt sein ; vielleicht verbargen sie sich vor der Neugier oder dem Grimm des Volkes in den entfernteren Theilen . Aber das Volk suchte nach ihnen . Da hielt es eine staubbedeckte Reisekalesche an , und zwang einen Offizier herauszusteigen . Vergebens protestirte er , daß er die Schlacht nicht mitgemacht , nicht vom Schlachtfeld komme , vielmehr über Schlesien aus Oesterreich ; der Wagen kam vom schlesischen Thor . Zum Gouverneur wollte er sich führen lassen , obgleich die Eskorte ihm unangenehm war , als Herr von Fuchsius ihm begegnete und von der verdächtigen Begleitung befreite . » Zu spät ! « - » Wieder zu spät ! « erwiderte Eisenhauch und drückte die ihm entgegen gehaltene Hand . » Das ist mehr als Austerlitz . « - » Zum Gouverneur ! Kommen Sie mit ? - So lange die Möglichkeit da ist - « » Die Gewißheit ! « unterbrach der Rath . » Auch Sie ohne Trost und Hoffnung ? « - » Die Gesetze der Natur sind ewig . Die Kugel rollt nur , bis sie den Abgrund erreicht , und der Verbrecher bleibt nur ungestraft , bis sein Maß voll ist . « Welche fast lüsterne Freude glänzte auf Fuchsius ' Gesicht , als er dem alten Bundesgenossen die Hand rasch zum Abschied gedrückt . » Wohin ? Wohin ? « - » Das im Kleinen thun , was Gott im Großen vollenden wird , wenn - auch da das Maß voll ist . Jetzt entlarven - ein Scheusal ! « Eisenhauch begriff ihn nicht . Wer konnte einer Bagatelle jetzt nachgehen ! Das Reich der Pygmäen war ja aus . Er bedachte nicht , daß um deßwillen noch nicht das von Titanen beginnt . Er traf den Minister auf dem Flur - er kannte ihn , er wußte , was er unter andern Umständen von ihm erwarten durfte , aber jetzt . - Der Minister war zugleich preußischer Krieger , ein hoher General , er hatte einst ein Armeecorps kommandirt . Jetzt musste er den Zopf fortgeworfen haben , jetzt in Stahl und Eisen aufspringen , und wirklich der Minister schien erfreut , wie man erfreut ist nach einer guten That . Er erkannte sogleich den Freiherrn : » Gott sei Dank , mir gelang eben etwas , was von dieser Stadt eine große Gefahr abwendet . « Da rückte Eisenhauch rasch in kurzen Worten mit seinen Anträgen vor : er bot seine Dienste an , er stellte sich zur Disposition , wohin man ihn brauchen könne , er wollte noch mehr : einen unterwegs entworfenen strategischen Plan andeuten , wie man durch rasches Zusammenziehen der gebliebenen militärischen Kräfte und Benutzung der Lokalitäten Positionen einnehmen könne , nicht stark genug , um einem ernsten Angriff des siegreichen Feindes zu widerstehen , doch ausreichend , um die Hauptstadt vor dem ersten Anprall zu schützen , die zersprengten und flüchtigen Truppen