Küchentyrannen waren umgänglicher geworden : man mußte nun eben Alles gehen lassen , wie es ging . An der fertigen Arbeit war nichts mehr zu ändern , selbst die gewaltigste Hand konnte nicht mehr die Speichen des Rades regieren , das unaufhaltsam den Berg hinab rollte . Nur in den oberen Räumen des Schlosses wurde fast noch emsiger gearbeitet , als an den vorhergehenden Tagen , namentlich in den Garderoben der Hofdamen und Ehrenfräuleins der Frau Herzogin . Dieselbe hatte sich , wie sie gern zu thun pflegte , eine kleine Ueberraschung ausgesonnen . Dem Fest-Programme nach sollte sie mit ihren Damen erst auf dem Balle zum Gefolge Ihrer Majestät stoßen . Daran änderte sie nun freilich nichts , doch wollte sie vorher maskirt erscheinen und sich selbst mit den höchsten Herrschaften einige unschuldige Spässe erlauben . Sie hatte sich das Kostüm einer Zauberin gewählt und ihre Damen sollten sie als phantastisch gekleidete Gehilfinnen oder vielmehr dienende Geister umgeben . Den Damen war dieses Projekt erst zwei Tage vor dem Ball und zwar mit dem allerhöchsten Wunsche der strengsten Geheimhaltung anvertraut und ihnen dabei befohlen worden , nach mitgetheilter Figurine schleunigst für ihre Kostüme zu sorgen . Daran wurde nun auf ' s Emsigste gearbeitet , und da es ein trüber nebeliger Tag war , so hatte man in der Garderobe der Fräulein Eugenie von S. schon in früher Nachmittagsstunde die Fenstervorhänge herabgelassen und Lichter angezündet . Tische und Stühle waren mit seidenen und durchsichtigen Stoffen bedeckt ; geöffnete Kartons standen auf dem Fußboden und zeigten ihren bunten Inhalt : künstliche Blumen , Bänder , Federn . An einem Arbeitstische in der Ecke des Zimmers saßen zwei Mädchen , die einen langen Schleier von grauer Seidengaze vor sich ausgebreitet hatten und beschäftigt waren , denselben mit kleinen silbernen Sternen zu bedecken . Eins dieser Mädchen war schlank und schmächtig , und sein schmales , seines , etwas blasses Gesicht wurde von starkem blondem Haar beschattet . Die Andere , die um mehrere Jahre älter erschien , war eine kräftige , derbe Person , ihr Gesicht hatte eine gesunde Farbe und dunkle , lebhafte Augen , sowie etwas stark aufgeworfene Lippen gaben ihm einen lustigen , ja beinahe kecken Ausdruck . Die Blonde nähte eifrig darauf los , während sich die Andere in den Stuhl zurücklehnte , den einen Fuß auf einen Schemel setzte und sich die Arbeit wohlgefällig betrachtete . Sie hielt eine eingefädelte Nadel in der einen Hand , sowie einen der silbernen Sterne in der andern , und meinte lachend , sie möchte auch wohl eine vornehme Dame sein und sich einmal in solch prachtvollem Anzuge in einem glänzend erleuchteten Saale bewegen . » Eigentlich wäre ein solch ' langer Schleier bei einem Balle doch nichts für mich , « fuhr sie nach einer Pause fort , » denn weißt du , Henriette , ich tanze gern und daran hindert einen doch die Schleppe des Schleiers . « » So ist der Geschmack verschieden ; ich mache mir aus dem Tanze gar nichts . Aber das kann ich schon sagen , einmal so einen glänzenden Ball zu sehen , schön vermummt , würde mir auch vielen Spaß machen . « Die Andere begann ihren Stern aufzuheften und sagte zwischen der Arbeit , wobei sie einen Augenblick mit pfiffigem Gesichtausdruck aufwärts schielte : » Weißt du wohl , daß es gar nicht so schwer wäre , so einen Ball anzusehen ? Wir brauchten uns nur ein paar Dominos zu verschaffen , was hier im Schlosse nicht schwer wäre und keck zur Thüre hinein zu gehen . Es würde uns Niemand kennen . « » Du bist in der That unverbesserlich , Nanett , « erwiderte die Blonde mit leichtem Kopfschütteln . » Ich glaube , du wärest im Stande , so etwas auszuführen ! « » Und warum denn nicht ? Man muß das Leben genießen , so lange man kann . Aber du bist auch zu gar nichts zu gebrauchen . « » Ich thue meine Pflicht nach meinen Kräften . « » Das muß dir der Neid lassen . Und dein Fräulein könnte sich keine bessere Kammerjungfer wünschen , als du bist ; immer zu Hause , immer am Arbeiten und verschlossen wie das Grab . Du bist wirklich ein Muster . « » Wenn du das einsiehst , Nanett , « erwiderte die Blonde nach einer Pause , » und es dein Ernst ist , was du eben sagtest , so hättest du dich wohl ein wenig nach mir richten und dich auch in mancher Beziehung ändern können . « » Ich mich noch mehr ändern ! « rief Nanette mit erkünsteltem Erstaunen , wobei sie aber lustig die Hände zusammenschlug . » Bin ich nicht ganz und gar anders geworden , seit wir uns zum ersten Mal gesehen ? Weißt du noch , an jenem Abend in dem finstern Hause , dem Fuchsbau ! « » O davon schweige mir ! Wenn ich den Namen höre , so fröstelt es mich . « » Ja , es war allerdings zu der Zeit unangenehm , aber es hatte auch wieder seine schönen Seiten . Ich komme mir jetzt wahrhaftig oft wie ein gefangener Vogel vor . Und wenn ich so zuweilen in das Land hinaus schaue und dabei zufällig auf der Straße eine Orgel höre , so erfaßt mich oftmals eine solche Sehnsucht und Wehmuth , daß ich laut hinaus weinen könnte . Wahrhaftig , Henriette , ich weiß nicht , was ich an dir für einen Narren gefressen habe und weßhalb ich Alles thun muß , was du von mir verlangst . Aber wenn du nicht da wärest , hätte ich schon lange meine Harfe wieder genommen und wäre hinausgezogen in die freie Natur . « » Das verstehe ich nicht , « entgegnete die Blonde mit einem traurigen Lächeln . » Hast du hier nicht Alles , was du wünschest ? Die Damen , bei denen du arbeitest , mögen dich leiden , ja