dies aber doch , und die Auskunft , die ich erhielt , macht mich schaudern . So wehe es mir thut , kann ich es Ihnen doch nicht verschweigen : Jener Hofmeister - Beil heißt er - ist der Theilnahme an einem kürzlich verübten Einbruch dringend verdächtig , und ist derselbe jedenfalls Mitglied einer weit verzweigten Diebesbande , die in hiesiger Stadt ihr Unwesen trieb , der wir aber , Gott sei Dank ! auf der Spur sind , und die wir überraschen und schonungslos aufgreifen müssen . Schonungslos sage ich , und wir müssen , so leid es mir thut , mit dem Hofmeister jenes Knaben anfangen . « Hier schwieg der Präsident einen Augenblick , und erst als der General achselzuckend mit dumpfer Stimme entgegnete : » Thun Sie so , Sie haben Recht , « fuhr er fort : » Dabei aber , bester Freund , könnte vielleicht der Fall eintreten , daß man auch jenen jungen Mann , der dort zuweilen hingehen soll , in dem Hause anträfe . « » Sie wollen sagen : jene Frau , « entgegnete zähneknirschend der General . » Auch das wäre möglich , und es sollte mir wahrhaftig leid thun , « setzte der Präsident wie sich entschuldigend hinzu . » Doch könnte man dafür sorgen , daß jene Dame nicht dort getroffen würde . « » Im Gegentheil ! « rief der General mit funkelnden Augen , wobei er von seinem Stuhl in die Höhe sprang . » Man soll sie finden , au nom de Dieu ! Man soll sie finden , et je m ' en charge , président . Bereiten Sie Alles vor , das Haus zu durchsuchen , aber warten Sie , bis Sie von mir zwei Zeilen erhalten . Das wird gewiß heute noch geschehen . Dann aber greift , was ihr findet , ohne Schonung , und haltet fest , was da ist . In demselben Augenblicke werde ich mir allerhöchsten Ortes eine Audienz ausbitten - point de menagéments , je vous prie ! « Er reichte dem Polizei-Präsidenten schweigend die Hand , und dieser , die Gemüthsstimmung des Generals verstehend , entfernte sich schweigend . Sechsundsiebenzigstes Kapitel . Achselbänder . Gewöhnlich wurden jedes Jahr bei Hof zwei große Maskenbälle gegeben . Es war das so herkömmlich , und wenn sich vielleicht auch Niemand besonders dabei amusirte , so sah man diesen Festen doch mit einigem Interesse und Neugierde entgegen ; es war eine Unterbrechung in dem beständigen Einerlei der Diners und Frühstücke , der Hofkonzerte und gewöhnlichen kleineren und größeren Bälle . Es fiel da meistens allerlei vor , worüber man ein paar Wochen lang sprechen konnte , es gab da Kostüme zu bewundern und zu bekriteln . Selbst das Hofmarschallamt , das bei diesen Festen Arbeit und Sorge genug hatte , liebte dergleichen ein paar Mal im Jahr ; es war das , wie wenn das Militär in neuen Anzügen , Waffen und Fahnen paradirt - so glänzte dann der Hofmarschall mit den besten Livréen , den schönsten Sälen , prächtiger Beleuchtung und dem großen Silberzeug . Deßhalb glich auch schon mehrere Tage vor diesen großen Bällen ein Theil des Schlosses , namentlich der , wo sich die Küchen befanden , einem Bienenschwarme , und wie in einem solchen summte es auch hier aus und ein . Die Küchenjungen glühten vor Eifer und Maulschellen , die Schloßknechte liefen in einem beständigen Hundetrab hin und her , die gesetzteren Lakaien nahmen in den Gängen und Zimmern des Schlosses noch verstohlener als sonst ihre Prise , und erinnerten sich an Carnevalbälle aus diesem oder jenem Jahrgang , wo dies und jenes geschehen war , meistens an und für sich etwas sehr Unbedeutendes , aber unvergeßlich für das Gemüth eines Hofbedienten , als zum Beispiel eine abgetretene Schleppe , eine verschüttete Sauce , eine allerhöchste Nase dem Hofmarschallamt gespendet , oder dergleichen mehr . Gefährlich war es übrigens an diesen Tagen in den Küchen selbst und zwar an den Plätzen , wo der regierende Koch Hochselbst zu komponiren und zu arbeiten pflegte . Diesen Ort umschlichen die Küchenjungen mit wahrem Grausen und schätzten sich glücklich , wenn sie eine Kasserole überbracht , ohne dafür einen Fußtritt oder eine Kopfnuß eingehandelt zu haben . In den Sälen wurden die Kronleuchter nachgesehen , in den Nebenzimmern Buffets und Tische aufgeschlagen , die Treppen mit Teppichen bedeckt , und das alles von den höheren Hofbediensteten auf ' s Sorgfältigste überwacht . Sogar der Hofmarschall war an diesen Tagen ernster als gewöhnlich , seufzte zuweilen , zog die Augenbrauen in die Höhe und dachte gern an jenen Moment , wo Alles glücklich vorüber sein werde und wo sich die höchsten Herrschaften nach genug ertragener Langeweile müde , aber zufrieden in ihre Gemächer zurückziehen würden . Wenn auch in den übrigen Theilen des Schlosses , die mit den festlichen Räumen in gar keiner Verbindung standen , äußerlich an diesen Tagen keine Veränderung wahrzunehmen war , so beschäftigte man sich doch auch hier mehr oder minder mit dem bevorstehenden Feste . Selbst im Adjutantenzimmer wurde die Dominofrage verhandelt : ob Seine Majestät dieses Jahr Höchstselbst vermummt erscheinen werde und welche Farben man zu Ihrem Anzuge bestimmen würde ? Solche Gespräche hörte der Leibkammerdiener mit einem unaussprechlichen Lächeln an , denn er allein wäre im Stande gewesen , die Herren über die Sache au fait zu setzen . Daß die eingeladene jüngere Generation sich auf ' s Eifrigste mit ihren Kostümen beschäftigte , brauchen wir wohl nicht erst zu bemerken . Und da man an diesem Tage große Geheimnisse vor einander hatte und sich gerne Ueberraschungen bereitete , so waren die Garderoben der Herren und Damen , wo Schneider , Nähterin und Kammerjungfer arbeiteten , für Uneingeweihte fast hermetisch verschlossen . Am Tage des Balles selbst klärte sich nun das wilde Getreibe in den unteren Räumen des Schlosses so ziemlich ab und es begann dort Stille und Ruhe zu herrschen - die drückende Stille vor einem Sturm . Selbst die