Worte kalt und unerbittlich wie ein Verdammungsurtheil ausgesprochen , aber sie beschwichtigten das Mißtrauen des Erzbischofs keineswegs ; sie halfen ihm auch nicht aus der Verlegenheit heraus , in welcher er sich befand . Indeß der Abbé war jetzt gewarnt . Der Erzbischof hatte ihn daran erinnert , daß das wachsame Auge seiner Vorgesetzten , daß ihre gewaltige Hand über ihm sei , und mit der weisen Umsicht der weltklugen katholischen Kirche , welche es versteht , die nutzbaren Kräfte zusammenzuhalten und sich dieselben dienstbar zu machen , beschloß er , den kühnen und eigenwilligen jungen Geistlichen vorläufig gewähren und ihn selber den Weg und die Weise suchen zu lassen , auf denen er die Zwecke der Kirche , die Wünsche des Königs und seine eigenen Absichten gleichzeitig zu fördern für möglich erachten würde . Er wendete sich von ihm und trat an seinen Schreibtisch zurück , von dem er , als komme es ihm zufällig in die Hand , ein Blatt Papier aufnahm , das er zuerst mit den Augen überflog und dann sorgfältig zu lesen schien . Der Abbé stand ruhig wartend da , bis der Erzbischof das Papier zusammengefaltet und an seine alte Stelle gelegt hatte . Dann verneigte er sich kaum merklich und fragte , ob Eminenz ihm noch weitere Befehle zu geben habe . Dem Erzbischof war diese Frage willkommen , und weil er dies erwartet , hatte der Abbé sie gethan . Auch war der Ausdruck des Erzbischofs plötzlich ein veränderter . Sie haben Sich auf das Vertrauen berufen , sagte er , das man Ihnen vor vielen Anderen und schon in jungen Jahren angedeihen lassen , weil man Ihnen die Gelegenheit bereiten wollte , die Menschen kennen und Ihre eigenen Kräfte ermessen zu lernen . Sie glauben offenbar auch jetzt noch , der Aufgabe , der Sie Sich unterzogen haben , gewachsen zu sein , und Sie scheinen nach einem vorbedachten Plane zu Werke zu gehen . Der Abbé wollte eine Erklärung , eine Bemerkung machen ; der Erzbischof ließ es nicht dazu kommen . Ich verlange von Ihnen vorläufig keine Auskunft über den Weg , welchen Sie zur Bekehrung der Gräfin Haughton bis jetzt genommen haben und weiterhin zu nehmen denken . Der Erfolg oder das Mißlingen soll Ihnen , Ihnen allein , Herr Abbé , zugeschrieben werden , merken Sie es wohl , Ihnen ganz allein ! Doch gebe ich Ihnen zu bedenken , daß man dem milden und uns geneigten Sinne Seiner Majestät des Königs , sofern es mit dem Seelenheile der Gräfin zu vereinen ist , nicht entgegentreten darf , und Seine Majestät haben es , wie ich erfahren , der Frau Herzogin zugesagt , bei der Gräfin Eleonore des Prinzen Freiwerber zu sein . Das war auch mir bekannt , bestätigte der Abbé , und ich war Willens , die Gräfin noch heute darauf vorzubereiten , als Eurer Eminenz Befehl mich hierher rief . Der Erzbischof wollte offenbar eine Bemerkung machen ; er unterdrückte sie jedoch , und nach einigen auf die allgemeinen Ereignisse innerhalb der Kirche bezüglichen Worten war die Unterredung beendet . Als der Abbé sich bereits entfernen wollte , fragte der Erzbischof plötzlich : Und der junge deutsche Edelmann , der Freiherr von Arten , welcher seit dem Einzuge der Fremden in dem Hotel der Frau Herzogin verweilt und den die Gräfin ebenfalls ihrer Freundschaft würdigt - sollte er es vielleicht sein , der den Ansprüchen des Prinzen entgegensteht ? Der Freiherr von Arten ist seit Jahren heimlich verlobt , antwortete der Abbé . Heimlich verlobt ? wiederholte der Erzbischof . Davon besitzt die Frau Herzogin keine Kunde . Ist die Gräfin davon unterrichtet ? Der Abbé verneinte es . Der Erzbischof fragte , wie Jener die Kenntniß dieses Umstandes gewonnen habe , ob er der Beichtiger des Freiherrn sei . Nein , Eminenz , ich habe es abgelehnt , ihn Beichte zu hören , als er mir sein Vertrauen zuzuwenden wünschte . Ich wollte mir die Freiheit des Handelns nicht beschränken , mir nicht eine Mitwissenschaft und damit zugleich die Pflicht aufdrängen lassen , es nöthigenfalls zu verschweigen , was der Freiherr seinen Freunden bis jetzt vorenthalten hat , daß er noch bei dem Leben seines Vaters einer ihm ebenbürtigen Dame ein Eheversprechen geleistet hat . Und welche Gründe können ihn bewegen , das Verhältniß auch jetzt , auch nach dem Tode seines Vaters , noch nicht zu einem bindenden zu machen ? Ich glaube nicht zu irren , wenn ich voraussetze , daß die Neigung des Herrn von Arten für die Entfernte erkaltet und daß sein tägliches Beisammensein mit der Gräfin auf diese Aenderung seines Sinnes nicht ohne Einfluß gewesen ist . Woher haben Sie die Auskunft über das Verlöbniß des jungen Edelmannes ? Von dem Pfarrer der Kirche , die des Freiherrn Vater auf seinem Stammgute gegründet hat . Die Verlobte des Barons lebt mit ihrer Schwester und mit ihrer Mutter in dem freiherrlichen Schlosse . Als der Erzbischof den Abbé so wohl unterrichtet fand , erkundigte er sich , wo die Erzieherin der Gräfin geblieben sei , welche er früher mit ihr bei der Herzogin gesehen habe . Die Gräfin ist es müde geworden , die täglichen Vorstellungen ihrer Erzieherin zu hören , sich täglich gegen das Vertrauen warnen zu lassen , mit dem sie mich beehrt . Miß Arabella ist in ihre Heimath zurückgekehrt . Nach Haughton Castle ? fragte der Erzbischof . Nein ; die Damen haben sich nicht als Freundinnen getrennt , jede Verbindung zwischen ihnen hat aufgehört , berichtete der Abbé . Man konnte an den Mienen des Erzbischofs sehen , daß er mit dieser Kunde wohl zufrieden war . Freundlicher , als er sich ihm bis dahin gezeigt hatte , reichte er dem Abbé die Hand , der sich neigte und sie küßte . Der Erzbischof segnete ihn mit leichter Berührung seines Hauptes . Leben Sie wohl , mein lieber Abbé , sprach er , und ermüden Sie nicht in Ihrem Werke , nicht in der