die Russen die Breschen zu nehmen , wurden aber mit bedeutendem Verlust von den neuen Hilfstruppen , denen es , 3000 Mann stark , unter Rifat-Pascha am Tage nach Mussa ' s Tode gelungen war , von Rasgrad her sich in die Festung zu werfen , zurückgeschlagen . Zu gleicher Zeit machte Paskewitsch selbst mit einer bedeutenden Truppenzahl - 31 Bataillonen Infanterie , 32 Schwadronen Kavallerie und 8 Sotnien Kosaken mit 12 Feldbatterieen - eine große Recognoscirung um alle Befestigungen bis zu dem Flecken Kalopetra auf der südöstlichen Seite . Hier stieß die Colonne auf türkische Kavallerie aus der Festung und zwang dieselbe , sich in das Fort Abdul-Medschid zurückzuziehen , das nunmehr ein heftiges Feuer eröffnete . Eine matte Kugel , die zu den Füßen des Pferdes des Fürsten von Warschau niederfiel und dasselbe zu Boden riß , fügte dem greifen Führer selbst eine Contusion an der rechten Hüfte zu . Der Feldmarschall achtete jedoch nicht darauf und blieb bis zum Ende der Kanonade zu Pferde . Wir führen den Leser an demselben Abend wieder in ' s russische Lager . Es ist in Kalarasch selbst , dem Hauptquartier des Fürsten , wo wir die Scene wieder aufnehmen . Der greise Statthalter lag in dem frühern Quarantainegebäude , das zu seinem Quartier eingerichtet worden und mit Stabs- und Ordonnanz-Offizieren überfüllt war , auf einem freistehenden Feldbett in halb sitzender Stellung , neben sich einen niederen Tisch mit Papieren bedeckt . Das Gemach war ziemlich ärmlich ausstaffirt , aber glänzend erhellt , indem große Kerzen auf silbernen Leuchtern überall umherstanden . Der Leibarzt des Fürsten , der schon bei seiner Rückkehr in ' s Lager bedeutende Schmerzen gefühlt und nur mit Anstrengung nach Kalarasch gelangt war , - hatte so eben die Verletzung untersucht und ihm erklärt , daß sie zwar nicht gefährlich sei , ihn aber mehrere Wochen hindern werde , zu Pferde zu steigen . Während der Arzt fortfuhr , lindernde und frische Umschläge auf die verletzte Stelle zu legen , hatte der Fürst bereits sich zu wichtigen Geschäften gewendet . Es befanden sich außer dem Arzt und dem Stabschef General-Major Wranken , der eben auf die Nachricht der Verletzung eingetroffene Fürst Gortschakoff und General-Lieutenant Chruleff mit einem dritten hohen Offizier im Gemach , der , am Ruhebett stehend , dem Fürsten eine Depesche überreicht hatte , mit deren Durchsicht dieser eben beschäftigt war . So sehr der alte Krieger und Staatsmann auch Herr seiner Mienen sein mochte , war es doch allen Anwesenden sichtlich , daß der Inhalt des Briefes , dessen grünes Couvert und Siegel ein Handschreiben des Kaisers erwiesen , von großer Wichtigkeit sein mußte und einen tiefen Eindruck auf den Fürsten machte . Er faltete endlich das Papier langsam zusammen , steckte es wieder in das Couvert und schien einige Augenblicke in schwere Gedanken verloren . Dann - sich ihnen entziehend - wandte er sich zuerst zu dem Arzt : » Kann ich Deiner Hilfe auf eine Stunde entbehren , lieber Tschetukin ? « » Ich fürchte , nein , Durchlaucht - muß ich Sie jetzt verlassen , so kann ich für die Folgen nicht stehen - die Contusion ist vernachlässigt und die Geschwulst bereits eingetreten . « » Und wenn ich Dich gewähren lasse , in welcher Zeit bin ich fähig , das Lager zu verlassen ? « » Ich verlange nur für morgen Ruhe , Durchlaucht - zu Wagen sollen dann Ihre Bewegungen unbehindert sein . « » Gut , Staatsrath , - ich kenne Dich und weiß , daß ich mich auf Deine Verschwiegenheit verlassen kann . Kümmere Dich nicht um uns und fahre fort mit Deinen Mitteln , da die Erhaltung dieses alten Körpers in den nächsten Wochen vielleicht unserm Herrn , dem Kaiser , noch einigermaßen nützlich sein mag . Wir sind sämtlich hier treue und bewährte Söhne des heiligen Rußlands und ich kann daher ungescheut sprechen , wie es die ernsten und schweren Umstände erfordern . Nimm Platz , Schebesky , und Du Wranken , wir haben eine ernste und lange Berathung vor uns . Ihre Ankunft , Fürst , hat mir erspart , Sie rufen zu lassen . Der Tag hat wichtige Nachrichten gebracht . « » Auch ich habe dergleichen , Durchlaucht . « » Gut . Einer nach dem Andern . Hast Du vielleicht auch Nachricht von dem Gesandten aus Wien ? « » Mein Bruder benachrichtigt mich von dem Ausgang der Zusammenkunft des Kaisers von Oesterreich und des Königs von Preußen in Tetschen . « » Verdammniß über die österreichische Dankbarkeit , - ich wollte , wir hätten Ungarn den Rebellen gelassen . - Es ist , wie ich gefürchtet , Oesterreich wird in die Donau-Fürstenthümer einrücken und hat sich den Rücken gedeckt durch das Garantie-Cartell mit Preußen . « » Es sind Differenzen entstanden zwischen den beiden Herrschern über die Auslegung des Cartells . « » Ich weiß , ich weiß , - aber der Nutzen ist nur passiv . Preußen hält das wiener Gelüst in Schranken , aber nur , wenn wir auf unserm eigenen Gebiet stehen . Oesterreich kann nicht offen operiren , aber sein Druck zwingt uns zurück . Dennoch ist das nicht das Schlimmste . Ich habe heute wichtige Berichte über die Zusammenkunft in Varna erhalten . « » Die Rapporte unserer Agenten über den Kriegsrath am 19. liegen seit acht Tagen vor . « » Das ist es eben , Fürst , was uns getäuscht hat . Die Halunken taugen Nichts , - Marschall Arnaud und Lord Raglan wissen sehr wohl , daß sie von unseren Spionen umgeben sind , und was mit den Türken berathen wird , in der kürzesten Zeit uns bekannt ist . Ich sage Dir , Fürst , Deine Agenten in Schumla sind Dummköpfe und haben nur erfahren , was alle Welt weiß . Wie lautete doch der Bericht ? « Fürst Gortschakoff , einigermaßen pikirt , nahm aus seinem Taschenbuche ein Papier und entfaltete es : » Hier ist die Abschrift der Chiffern