Kleidung von dem Rest der Nation und trugen Bart und Haar lang herabwallend , während die übrigen Ranen Bart und Haar geschoren trugen . Sie gehörten zu den Edlen des Landes ; kriegerische und priesterliche Tätigkeit galt überhaupt den Wenden als wohl vereinbar . Auch hier in Arkona diente das » weiße Pferd « zur Zeichendeuterei . Alle Poesie knüpfte sich an dasselbe . Nicht selten fand man es des Morgens mit Schaum und Schmutz bedeckt in seinem Stall ; dann hieß es , Swantewit selber habe das Pferd geritten und es im Streit gegen seine Feinde getummelt . Die Formen , unter denen das Orakel erteilt oder die Frage » Krieg oder Friede « entschieden wurde , waren denen in Rethra nah verwandt , aber doch nicht voll dieselben . Drei Paar gekreuzte Lanzen wurden in den Boden gesteckt und das Pferd herangeführt . Schritt es nun mit dem rechten Fuß zuerst über die Speere , so war das Zeichen glücklich , unglücklich , wenn das Tier den linken Fuß zuerst aufhob . Entschiedenes Heil aber versprach das Orakel nur , wenn das weiße Pferd über alle drei Lanzenpaare mit dem rechten Fuß hingeschritten war . Der Swantewittempel auf Arkona war das letzte Bollwerk des Heidentums . Es fiel endlich , wie schon hervorgehoben , in den Dänenkämpfen , im Kriege mit » Waldemar dem Sieger « , nachdem es nicht nur den Radegasttempel Rethras , wenigstens den Ruhm desselben , um ein Jahrhundert , sondern auch den uns in gewissem Sinne näher angehenden Triglawtempel zu Brennabor um zwanzig und einige Jahre überlebt hatte . Dieser Triglawtempel , wenn auch für die Gesamtheit der Wenden nur ein Tempel zweiten Ranges , erheischt noch ein kurzes Verweilen . Triglaw war eine ursprünglich pommersche Gottheit und wurde , wie es scheint , erst in späterer Zeit , sei es aus Eifersucht oder sei es aus Mißtrauen gegen den Radegast ( in Rethra ) von Pommern her in die Havelgegenden eingeführt . In Kürze haben wir ihn schon an anderer Stelle beschrieben . Er hatte drei Köpfe , weil er Herr im Himmel , auf Erden und in der Unterwelt war , und sein Gesicht war verhüllt , zum Zeichen , daß er die Sünden der Menschen übersah und verzieh . In seinen Händen hielt er einen gehörnten Mond , ein Symbol , über dessen Bedeutung nur Vermutungen existieren . Seinen Haupttempel hatte er in Stettin , der den Schilderungen nach , die wir davon besitzen , den aus Holz aufgeführten , mit Bildwerk und Schnitzereien ausgeschmückten Tempeln in Rethra und Arkona sehr verwandt gewesen sein muß . Auch der Triglawdienst war dem Dienst des Radegast oder Swantewit mehr oder weniger verwandt . Die Zeichen wurden in ähnlicher Weise gedeutet , das Roß schritt über die gekreuzten Lanzenspitzen hin , und das Berühren dieser oder jener Lanze mit dem einen oder andern Fuß – alles hatte seine Bedeutung zum Heil oder Unheil . Nur das Roß selbst war nicht weiß , sondern schwarz , vielleicht weil Triglaw selbst mehr den finstern als den lichten Göttern zugehörte . Um 982 , unmittelbar nach dem großen Wendenaufstande , war es , daß nunmehr diesem Triglaw zu Ehren auch in Brennabor ein Tempel errichtet wurde . Derselbe erhob sich auf dem Harlungerberge und sah triumphierend in das dem Heiden- und Wendentum wieder zurückeroberte Land hinein . Es war höchstwahrscheinlich kein Holzbau mehr , wie der Stettiner , sondern ein Steinbau , nach Art der christlichen Steinkapellen 3 , und M. W. Heffter , in seiner trefflichen Geschichte Brandenburgs , stellt sogar die Hypothese auf , daß aus diesem alten heidnischen Tempelbau , zunächst ohne wesentliche Umgestaltung , die später so berühmt gewordene Marienkirche auf dem Harlungerberge hervorgegangen sei . Wir halten dies für wahrscheinlicher als nicht , finden indessen den Beweis dafür weniger in der eigentümlichen Architektur der Kirche , als in dem historisch nachgewiesenen Umstande , daß sich unter den märkischen Wenden der Übergang aus dem Heidentum ins Christentum schließlich in aller Ruhe vollzog , etwa wie vierhundert Jahre später der Übergang aus dem Katholizismus in den Protestantismus . Der Fürst Pribislaw wurde Christ ; das Volk folgte teilweise widerwillig , aber doch vielfach auch willig und zwanglos . Man hatte sich bereits mit- und nebeneinander eingelebt , und der bloße Umstand , daß das gestürzte Bild des Triglaw nicht verbrannt oder zerstört , vielmehr , allen bekannt und allen zugänglich , bis 1526 in einer Seitenkapelle der Marienkirche aufbewahrt wurde ( in welchem Jahre Christian II. von Dänemark es unter Zulassung Joachims I. mit fortnehmen durfte ) , deutet darauf hin , daß die Wandlung der Gemüter sich friedfertig genug vollzogen und der Christengott den Wendengott in aller Stille beiseite gedrängt haben muß . Diese Umwandlung des Triglawtempels in eine Marienkirche erfolgte zwischen 1136 und 1141 . Sechshundert Jahre lang hat dann vom Harlungerberge aus die berühmte Marienkirche ins Land gesehen . Ihre Entstehung drückte das Siegel auf den endlichen Sieg des Christentums über das Heidentum im Lande zwischen Elbe und Oder . Auf der Stätte des Triglawtempels ging ein neues Leben auf , und der dreieinige Gott sprach hinfort statt des dreiköpfigen Gottes zu seinem Volke . So , wie vorstehend geschildert , waren die Wenden zur Zeit der endgültigen deutschen Eroberung 1157 . Es bleibt uns noch die Beantwortung der Frage übrig : Was wurde aus den Wenden ? Sie wurden keineswegs mit Stumpf und Stiel ausgerottet , sie wurden auch nicht einfach zurückgedrängt bis zu Gegenden , wo sie Stammesgenossen vorfanden , – sie blieben vielmehr alle oder doch sehr überwiegenden Teils im Lande und haben in allen Provinzen jenseits der Elbe unzweifelhaft jene Mischrasse hergestellt , die jetzt die preußischen Provinzen bewohnt . Einzelne Historiker haben dies bestreiten wollen , aber wir glauben mit Unrecht . Einmal würde eine solche konsequent durchgeführte Rassengeschiedenheit gegen die historische Überlieferung aller andern Staaten , bei denen ähnliche Verhältnisse obwalteten , sprechen , andererseits dürfte es , von allen Analogien abgesehen , nicht