unangenehmen Verlegenheit , und er wußte , daß sein Untergebener klug und umsichtig genug war , die schwierige Lage vollauf ermessen zu haben , in welche er ihn mit dieser Wendung der Angelegenheit versetzt hatte . Als Fürst und Diener der Kirche hatte der Erzbischof es zu loben , wenn ein Diener der Kirche das Gebot derselben über den Willen des Staatsoberhauptes stellte . Er sah es auch nicht ungern , wenn der König dieser Glaubenstreue oder diesem hierarchischen Gehorsam in seiner Nähe begegnete , und doch hatte man zugleich allen Grund , die besonderen Wünsche und Meinungen des Königs zu schonen und sie zu fördern , weil er seinerseits sich der Kirche in jedem Punkte großmüthig und ergeben zeigte . Wer nöthigte Sie , zu wissen , was man der Welt geflissentlich verborgen hat ? fragte endlich der Erzbischof , die mildeste Form erwählend , in welcher er seine Ansicht von der Sache und zugleich seine Unzufriedenheit mit der Handlungsweise des Abbé ' s zu äußern vermochte . Ich kannte diese Verhältnisse von Jugend auf , und mein Gewissen ließ mein Gedächtniß nicht zum Schweigen bringen , entgegnete der Abbé . Der Erzbischof hatte sich erhoben , der Abbé war seinem Beispiele gefolgt . Sie standen einander gegenüber , beide hoch aufgerichtet , beide voll festen Willens , voll verschwiegener Entschlossenheit sich gegenseitig beobachtend , und beide mit dem Bewußtsein , wie sie , bei der wundervoll berechneten Gliederung und Einrichtung der hierarchischen Herrschaft , Einer in des Andern Schicksal einzugreifen , Einer des Andern Zukunft zu fördern oder zu beeinträchtigen vermochten . Genießen Sie das Vertrauen der Gräfin ? erkundigte sich der Greis . Im ausgedehntesten Maße , gab der Abbé zur Antwort , und sein Ton und seine Haltung nahmen wieder die frühere Unterwürfigkeit an . Hoffen Sie , die Gräfin von ihrem Irrglauben überzeugen zu können ? Mit Gottes Hülfe zuversichtlich . Welchen Weg denken Sie dabei einzuschlagen ? Der Abbé schien nachzudenken , dann sagte er : Es steht bei Eurer Eminenz , mich von der Aufgabe abzuberufen , zu der Sie mich auf den ausdrücklichen Wunsch der Frau Herzogin erwählten . Sprechen Sie das Wort aus , und ich werde ohne Murren gehen , und ohne mich zu beklagen einen Anderen ernten sehen , was ich mit Vorsicht säete , mit Ausdauer zeitigte . Fehlt mir die Gewißheit , daß das Vertrauen Eurer Eminenz mit meinem Werke ist , so geht mir auch die Kraft verloren , welche der Einzelne aus dem Gedanken an die große , heilige Gemeinschaft zieht , der er angehört und der er dient . Mein Thun wird fortan ohne Segen sein und ich werde Eure Eminenz dann nur um die Vergünstigung zu bitten haben , mich mit einer anderen Aufgabe , fern von hier , betrauen zu wollen . Der Erzbischof blickte den jüngeren Geistlichen mit festem Auge an . Er wußte , daß der Abbé Paris nicht zu verlassen wünschen konnte . Eben deßhalb aber fragte er sich , was denselben bewegen könne , ein so gewagtes Spiel zu spielen ; und die gleiche Taktik befolgend , sagte er : Die junge Gräfin Haughton ist schön und Sie sind jung , Herr Abbé ! Sind Sie Ihrer selbst gewiß ? Sind Sie sicher , daß sich in Ihnen keine Abneigung irgend welcher Art gegen eine Verheirathung der Gräfin regt ? Ich war um ein paar Jahre jünger und die Schönheit der Gräfin stand schon in ihrer vollen Blüthe , als Eminenz keiner solchen Frage , keiner solchen Warnung mir gegenüber nöthig zu haben glaubten . Ich bin gezwungen , Sie um Aufschluß darüber zu bitten , wer oder was mich einem solchen Verdachte unterwerfen könnte , erwiderte der Abbé , während der ganze Stolz des Priesters und des Edelmannes in seinem Antlitze sichtbar ward . Der Erzbischof ließ sein Auge unverwandt auf dem vor ihm Stehenden haften . Die Frau Herzogin , sagte er nachdrücklich , lebt des Glaubens , daß die - die Freundschaft , welche die Gräfin Ihnen entgegenbringt , sie hindere , den Bewerbungen des Prinzen ihr Gehör zu leihen , und daß es diese Freundschaft sei , die Sie , Herr Abbé , gegen die Verbindung eingenommen habe , welcher nicht nur die Frau Herzogin , sondern Seine Majestät der König selber günstig ist . Zum ersten Male rötheten sich des jüngeren Priesters Stirn und Wangen , aber es wäre nicht leicht gewesen , zu sagen , welche Bewegung sein Blut in Wallung brachte , und sich schnell bemeisternd , sprach er : Des Menschen Schlüsse stammen und bemessen sich aus seinem eigenen Charakter und seinen eigenen Erfahrungen ; ich habe mich also über die Frau Herzogin nicht zu beschweren , wennschon ich sie beklage . Aber wäre und empfände ich , wie sie voraussetzt , so könnte ich nichts Besseres verlangen , als die Gräfin eine Ehe schließen zu machen , in der sie , weil sie die Jüngere und an Kraft wie an Begabung in jedem Betrachte dem Prinzen überlegen ist , bald Herr und Meister sein und bleiben würde , eine Ehe , bei der ich nicht zu fürchten hätte , auf - er zögerte bei dem Worte gerade so geflissentlich , wie der Erzbischof es vorhin gethan hatte - auf die Freundschaft verzichten zu müssen , deren der trübe Sinn der Herzogin mich zeiht . Und , fügte er hinzu , ist der Prinz denn der Mann , der , wenn die religiösen Bedenken der Gräfin überwunden sind , die religiösen Ueberzeugungen in ihr zu würdigen und zu erhalten verstehen würde ? Eine Natur wie die der Gräfin Haughton wird durch einen Mann wie Prinz Polydor nicht überwunden , nicht von ihrem stolzen Selbstgefühle geheilt . Sie wird , so weit ich sie beurtheilen kann , überhaupt nicht leicht zur Liebe hingerissen und durch die Liebe auch nicht gewandelt werden . Sie muß in ihrer jetzigen Wesenheit vernichtet werden , wenn sie neugeboren werden soll . Er hatte diese letzten