jedem Athemzug über seine Lippen . » Es ist mein Kismet ! - Der Tag des Todes ist gekommen - mögen Munkir und Nekir3 ) gnädig mit mir verfahren ! - Freunde , gebt mir die Kiblah4 ! « Mehrere der türkischen Offiziere hoben ihn empor und trugen ihn in die Vorhalle der Moschee , wo sie ihn an einen Pfeiler lehnten , mit dem Antlitz gen Mekka . Der Arzt war eifrig um ihn beschäftigt und untersuchte die schreckliche Wunde . » Ist Hoffnung vorhanden ? « Der Capitain frug es auf Deutsch - Doctor Welland antwortete in derselben dem Sterbenden unverständlichen Sprache . » Keine , « sagte er hastig , » in wenigen Augenblicken steht er vor dem allmächtigen Richter . Das Eisenstück hat die Lebensarterien getroffen und steckt noch in seiner Seite . Jeder Versuch würde ihm nur unnützen Schmerz machen . « Alle standen um den sterbenden Kommandanten bestürzt und stumm und das mit Blitzesschnelle sich verbreitende Gerücht füllte schnell die Halle der Moschee und den Platz vor derselben mit Menschen an . Der Verwundete athmete mühsam , aber er blieb bei voller Besinnung . » Der Padischah hat mir diese Stadt vertraut , aber Gott bestimmt es anders . Hussein-Aga , Dir übergebe ich den Schlüssel des Thores , vertheidige ihn wie Deinen Bart und achte auf den Rath dieser Franken . Möge der Prophet Eurer Tapferkeit den Sieg geben ! « Der Arzt , der neben ihm kniete und seinen Puls mit den Fingern bewachte , winkte mit den Augen den Umstehenden . Hussein-Aga legte seinen Tisbeh oder Rosenkranz ihm zwischen die Hände und einige Augenblicke hörte man zwischen dem entfernten Donner der Kanonen und dem Krachen der einschlagenden Kugeln keinen Laut , als die röchelnden und immer kürzer werdenden Athemzüge mit jenem schauerlichen Gurgeln in der Kehle , das bei Bluterstickung den Tod verkündet . Dann quoll ein schwarzer Strom dieses Blutes aus dem Mund , die kräftige Gestalt des Pascha ' s zuckte zusammen und streckte sich - her tapfere Krieger hatte geendet . » Er ist zum Barzakh5 eingegangen , « sagte Hussein-Aga ernst , » die Mizam6 des Barmherzigen wird seine Thaten wägen und ihm das Dschennet7 der sieben Himmel öffnen . Bei Eblis , dem finstern Geiste , wir wollen seinen Schatten rächen mit dein Tode von tausend Moskows ! « » Möge der Sieg Dich begleiten , Bey , Du bist unser Kommandant nach dem Willen des Todten , und der Sirdar wird sicher Deine Tapferkeit ehren . « Die türkischen Offiziere machten dem neuen Befehlshaber ihren demüthigen Gruß . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Den russischen Generalen war der Antrag eines Waffenstillstandes zur Beerdigung der Leichen nur willkommen gewesen , da ihre Truppen noch mehr wie die Türken von dem Miasma litten und die Krankheiten bereits in ihren Reihen wütheten . Die weiße Fahne , die auf den Bastionen Silistria ' s wehte , ließ die Nachricht von der Uebergabe der Festung die Runde durch Europa machen , aber schon am andern Tage - am 3. Juni - nachdem beide Theile ihre Todten begraben hatten und auch der Kommandant von Silistria seine Ruhestätte unter den so tapfer vertheidigten Wällen gefunden hatte , entbrannte der Kampf auf ' s Neue und mit verdoppelter Energie . Die Russen unternahmen an diesem Tage einen allgemeinen Sturm und griffen die Forts an , während ihre Flotille die Stadt bombardirte . Der Kampf war mörderisch , aber ohne Erfolg für die Angreifer . Gegen Abend war es diesen zwar gelungen , eine Mine unter der ersten Batterie von Arab-Tabia herzustellen , aber die Capitaine Depuis und Grach hatten rechtzeitig eine Gegenmine geschlagen , und diese sprengte an 400 Mann der Angriffs-Colonne in die Luft , als diese auf das Sprengen einer Bresche harrten . In der durch die unerwartete Explosion entstandenen Verwirrung machten die Türken einen Ausfall und zerstörten die nahe liegenden Schanzen . Von diesem Tage an ruhten kurze Zeit die Sturmangriffe und es begann der furchtbare Krieg unter der Erde , jener Krieg mit der Bussole und dem Spaten , der Krieg der lebendig Begrabenen - der Bergleute des Blutes und des Todes ! Das war der unheimliche gespenstische Kampf , zu dem man wie zum Orkus aus dem hellen Sonnenlicht hinabstieg und in dem General Schilder , der gespenstische Seher der Zukunft , ein Meister war . Die Russen drängten Tag um Tag , Stunde vor Stunde ihre Laufgräben vorwärts gegen die schwer bedrohte Stadt , und in der Heimlichkeit , in dem Schutz der aufgeworfenen Erde wühlte der General gleich dem Maulwurf seine Gänge gegen die Wälle und Bastionen . Es war ein Glück für die Festung , daß der neue , noch jungkräftige und kecke Kommandant doch die Manen seines Vorgängers dahin achtete , die Talente und Kenntnisse der europäischen Rathgeber zu ehren . Während er den Krieg der Ausfälle und offenen Vertheidigungen leitete , überließ er den beiden Genie-Offizieren die unbestrittene Leitung der Befestigungsrenovationen und der Gegenarbeiten . Trotz der verdoppelten Thätigkeit der Vertheidiger konnte man sich dennoch nicht verhehlen , daß die Fortschritte der Belagerung , wenn auch langsam , doch jeden Tag bemerklicher wurden . Es war bereits mehrfach zwischen den Minirern und Gegenminirern zum erbitterten unterirdischen Gefecht gekommen . Am 8. hatten die Russen eine Sappe aus Schanzkörben , mit Baumwolle gefüllt , bereits bis an den Rand der südöstlichen Contreescarpe getrieben , hinter welcher sich die Minirer mit dem Ausgraben zweier Schachte beschäftigten . Die Führer entwickelten dabei eine unablässige Thätigkeit . Was der fortwährende Kartätschen- und Granatenhagel der Türken bei Tage niederwarf , zeigte sich am anderen Morgen wieder aufgebaut . Am 7. und 8. hatten kleine Ausfälle und Gefechte mit wechselndem Glück stattgefunden . Der 9. Juni war ein blutiger Tag gewesen . Nachdem des Morgens eine Mine gegen zwei der Wasserforts gesprengt worden , versuchten